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Ostmitteleuropa

Euro-Renaissance in Polen

- Finanzminister will Landeswährung Zloty an den Euro binden

Köln, 23.7.2002, DW-radio, Rosalia Romaniec

Polen gehörte zu den Ländern Mittel- und Osteuropas, in denen nach dem Start des Euro-Bargelds im Januar 2002 die meisten DM-Scheine in Euro umgetauscht werden mussten. Die D-Mark hatte sich in Polen reger Beliebtheit als Zahlungs- und vor allem Wertaufbewahrungsmittel erfreut. Ein halbes Jahr nach der Umtauschphase in Polen zieht Rosalia Romaniec ein Fazit:

Die Einführung des Euros in Polen wurde ordentlich vorbereitet. Die Banken haben ihr Personal Monate lang geschult und ihre Kunden mit Informationsmaterial versorgt. Das war auch notwendig, denn viele Polen haben der neuen Währung zuerst einmal skeptisch entgegen gesehen.

Eine Ausnahme stellten vor allem die Regionen nahe der Grenze zu Deutschland dar. Dort war der Andrang an den Bankschaltern und Wechselstuben schon in den ersten Januar-Tagen so groß, dass er zu einer Euro-Knappheit führte. Ewa Slubik, die Inhaberin einer Wechselstube in Gubin (Guben - MD) an der deutsch-polnischen Grenze, erinnert sich:

"Die Nachfrage war von Anfang an so groß, dass uns in den ersten Tagen der Euro fehlte. Die Banken hatten zuerst zu wenig Reserven in der neuen Währung. Nachdem der Euro eingeführt wurde und die Deutsche Mark aus dem Umlauf verschwand, wollten viele Leute sehr schnell die alte Währung in die neue umtauschen. Manche befürchteten sogar, dass ihre alte D-Mark vielleicht doch mit der Zeit an Wert verlieren könnte. Der Umtausch war der sicherste Weg.

Etwas andere Erfahrungen machte man im Inneren des Landes. Dort hatte man zum Jahreswechsel weniger Euro und dafür mehr Dollars eingekauft. Die amerikanische Währung hielten viele Polen offensichtlich für die sicherere Variante. Im Hinblick auf die nun erreichte Parität des Euro zum Dollar hätten sie im Nachhinein gesehen besser Euros gekauft."

Teresa Kosela, Mitarbeiterin der Filiale der Deutschen Bank 24 in Kielce berichtet:

"Anfangs kam es öfter vor, dass unsere Kunden die D-Mark ausdrücklich lieber in Dollar als in Euro umtauschen wollten. Immerhin gilt der Dollar als die härteste Währung überhaupt und genießt in Polen großes Vertrauen. Doch dann gab es auch Kunden, die auf unsere Empfehlung hörten und sich doch für den Euro entschieden. Man kann sagen, dass am Anfang mehr Unsicherheit bezüglich des Euro herrschte, doch heute hat sich das ausgeglichen. Das Vertrauen in die neue Währung wächst schnell. Man hat sich schon an Euro gewöhnt und es gibt sogar immer mehr Kunden, die ihre Zloty-Ersparnisse in Euro umtauschen."

Bis vor kurzem waren Euro-Anlagen sogar empfehlenswert, denn man konnte die Währung relativ günstig kaufen. Aus diesem Grund haben viele Polen nicht nur ihre Ersparnisse in Euro angelegt, sondern auch Kredite in der europäischen Einheitswährung aufgenommen. Dadurch ließen sich die Zinsen und die Rückzahlungsraten relativ niedrig halten. Doch dies hat sich jetzt geändert. Vor etwa drei Wochen zog der Euro deutlich an, der Zloty baute ab und der polnische Finanzminister warf das Handtuch.

Viele Investoren zogen sich in der Folge aus Polen zurück und der Zloty verlor noch mehr an Wert. Und so sind innerhalb weniger Tage die bisher relativ günstigen Euro-Kredite teuer geworden. Teresa Kosela von der Deutschen Bank 24:

"Bei Darlehen und Krediten beobachten wir zur Zeit eine deutliche Zurückhaltung unserer Kunden. Dies hängt mit der aktuellen Wirtschaftssituation zusammen. Der Euro-Kurs ist zur Zeit in Polen sehr hoch, was die Kreditrückzahlung verteuert und ein höheres Risiko für die Zukunft bedeutet."

Die derzeitige Unsicherheit soll jedoch bald zu Ende sein. Das verspricht zumindest der neue polnische Finanzminister Grzegorz Kolodko. Er kündigte nämlich wenige Tage nach seinem Amtsantritt an, die polnische Währung bald fest an den Euro zu koppeln. Dies soll weitere Währungsspekulationen unterbinden und die Voraussetzungen für den künftigen Beitritt Polens nicht nur zur EU, sondern auch zur Eurozone verbessern.

Darüber dürften sich vor allem die polnischen Exporteure freuen, denn sie beklagten schon seit langem den für sie ungünstigen Wechselkurs des Zloty. Den polnischen Normalverbraucher interessiert zur Sommerzeit dagegen vor allem die Frage, was der Euro für den Urlaub bedeutet. Boguslaw Dwornik, Inhaber eines kleinen Computergeschäftes in Bytom (Beuthen - MD) machte schon seine ersten Erfahrungen:

"Es ist eine gute Sache, weil man jetzt vor einer Auslandsreise nicht mehr von Wechselstube zu Wechselstube laufen muss, um die Umtauschkurse zu vergleichen. Außerdem musste man früher immer verschiedene Währungen dabei haben, jetzt kann man überall mit Euro einkaufen. Leider habe ich zugleich gemerkt, dass viele Dinge seit der Euroeinführung teurer wurden, so dass es fürs Einkaufen bestimmt nicht so gut ist." (TS)

  • Datum 23.07.2002
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