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Wirtschaft

Euro interessiert die Ukraine nicht

Die Ukraine ein halbes Jahr vor der Einführung des Euro-Bargelds

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In der Ukraine weitgehend unbekannt und unbeliebt.

Trügt der Schein oder ist der Wert der Deutschen Mark in der Ukraine schon wieder gefallen? Erst vor wenigen Wochen noch wurden zweieinhalb ukrainische Griwna für eine DM gezahlt. Jetzt sind es nur noch 2,30. Die Tafel neben der Wechselstube einer Unterführung in Kiew zeigt etwa ein Dutzend Währungen und ihren Wechselkurs an. Die DM steht an zweiter Stelle nach dem US-Dollar und vor dem russischen Rubel. Die anderen der rund ein Dutzend aufgeführten Fremdwährungen spielen kaum eine Rolle. Zwei Junge Leute tauschen Geld, natürlich Dollars. Ob sie außer dem Dollar überhaupt andere Fremdwährungen kennen? Die DM sei ihnen noch bekannt, aber der Euro?

Nein - er habe absolut keine Beziehung zu der neuen europäischen Währung und sich damit noch nicht befasst, erklärt der junge Mann und die Frau fügt hinzu, über den Euro habe sie noch nicht nachgedacht. Hinter ihrer Glaswand bestätigt die Kassiererin barsch, der Euro sei ihr völlig egal, sie habe keinerlei Beziehung dazu.

Die kleine Wechselstube in der Stadt ist vielleicht nicht repräsentativ. Vielleicht weiß der Taxifahrer mehr. Schließlich kommt seine Berufsgruppe immer wieder in Kontakt mit Ausländern. Der Euro? "Der interessiert mich überhaupt nicht. Ich habe ihn noch nicht einmal gesehen. Nur auf dem Bild."

Welche Rolle spielt der Euro überhaupt in der Ukraine und wie bereitet man sich dort auf die neue europäische Währung vor, die ab nächstem Jahr in ukrainische Griwna umgetauscht werden soll? Auf der Suche nach geeigneten Ansprechpartnern in kommerziellen Banken steht Alexander Gajenko Rede und Antwort auf diese Fragen. Er bei der Alfa-Bank in Kiew in der Devisenabteilung tätig. Man sei bestens gerüstet, Probleme gebe es keine, entgegnet Gajenko schnell und lapidar. Für die Kunden werde es keinerlei Schwierigkeiten oder Einbußen beim Umtausch geben und die Nationalbank der Ukraine habe ohnehin alles reglementiert. Außerdem: "Ich kann Sie beruhigen. Die ukrainische Bevölkerung und die Bevölkerung der GUS-Staaten besitzt aktives Geld in der Regel nur in Form von amerikanischen Dollars. Deshalb lohnt es sich überhaupt nicht, darüber zu sprechen, ob der Tausch bedeutend sein wird oder die Bevölkerung etwas verliert."

Freilich macht die D-Mark nur rund fünf Prozent gesamten ausländischen Devisen in der Ukraine aus. Führend ist der Dollar.

Aber so locker sehen das Vertreter der großen deutschen Banken in der Ukraine nicht. Einer von ihnen hatte erst kürzlich Schwierigkeiten, seine D-Mark-Scheine am Wochenende an einer Wechselstube überhaupt loszuwerden. Man müsse damit rechnen, sagt Wigand Tiedemann von der Dresdner Bank, in der zweiten Jahresshälfte in der Ukraine mit D-Mark kaum mehr operieren zu können.

Der Grund für das Übel ist der Rücktranport der D-Mark nach Deutschland. Denn wenn der Euro kommt, müssen die D-Mark-Banknoten nach Deutschland zurückgeführt werden. Bisher konnten die D-Mark-Scheine einfach in der Ukraine verbleiben, wo sie weitergetauscht wurden. Bevor aber beispielsweise ein Zehnmarkschein die Heimreise antreten kann, muss er erst in der banküblichen Form und Menge umschnürt mit einer Banderole gut verpackt und versichert werden. All dies kostet Geld, das letzten Endes der ukrainische Absender zahlen muss.

Ist der Zehnmarkschein auf diese Weise in Deutschland angekommen und soll eingewechselt oder gutgeschrieben werden, sind die ursprünglichen zehn Mark zu 9,80 Mark geschrumpft. Offenbar schon jetzt werden in der Ukraine diese Transport- und Versicherungskosten auf die Verkäufer von D-Mark umgelegt. Das erklärt auch den Kursverfall der D-Mark in der Ukraine und die momentane Scheu der Ukrainer die einst so gern gesehene D-Mark überhaupt noch anzunehmen. Und was den Euro angeht, erklärt der Repräsentant der Dresdner Bank, Wigand Tiedemann: "Vor allen Dingen: Bisher hat noch keiner eine Euro-Note gesehen. Und deshalb weiß ich auch nicht, wann bei der Wechselstube um die Ecke die erste Euro-Note akzeptiert wird. Ob der nicht zumindest erst mal sagt: 'Habe ich noch nie gesehen, weiß ich gar nicht, was das ist, kommen Sie noch mal!'"

Die Europäische Zentralbank habe bisher wenig dazu beigetragen, dass der Euro in der Ukraine bekannt werde, kritisieren die deutschen Bankenvertreter. Es habe bisher keinerlei Werbe-Aktionen dazu gegeben. Nur sie selbst hätten etwas zur Aufklärung über den Euro gemacht.

Die Ukrainer selbst nehmen die Situation leicht, wie es ihrer Mentalität und der Devise entspricht: Solange noch Zeit ist und der Stichtag weit weg, braucht man sich ja nicht zu sorgen. Die ukrainische Nationalbank habe alles im Griff, erklärt Oleksander Nikolenko aus der Abteilung für Währungsregulierung der Nationalbank. Es hätten für die Mitarbeiter Seminare und Schulungen stattgefunden. Der Übergang zum Euro sei lückenlos reglementiert: "In diesem Sinne wird sich überhaupt nichts ändern. So wie früher Franken, Dollar, Mark ausgeführt wurden, wird es auch weitergehen. Es wird keine Änderungen in den gesetzlichen Dokumenten und Bestimmungen geben."

Die einzigen, die unter Umständen draufzahlen, sind die ehemaligen Zwangsarbeiter in Deutschland, die auf Auszahlung ihrer Entschädigungen aus Deutschland warten. Per Gesetz sollen sie in D-Mark erfolgen. Wenn der ehemalige Zwangsarbeiter X aber seine 15.000 Mark in diesem Jahr noch erhält, ist er gezwungen, sie gleich wieder einwechseln, da sie ja bald kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr ist und er Gefahr läuft große Verluste zu machen. Zehn kommerzielle Banken hat die Nationalbank der Ukraine damit beauftragt, diesen Service zu leisten.

Den momentanen Kursverlust der D-Mark in der Ukraine wird aber der ehemalige Zwangsarbeiter tragen müssen. Oleksander Nikolenko von der ukrainischen Nationalbank NBU: "Wissen Sie, es gibt die Sphäre der persönlichen Aufmerksamkeit und psychologische Faktoren. Darauf kann die NBU nicht einwirken. Wir haben nicht das Recht und haben keine Mittel, den Kurs der Wechselstellen

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