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Datensicherheit

EU will Schutz gegen Cyber-Attacken ausbauen

Sie werden mehr, sie werden gefährlicher, und sie werden global: Angriffe via Internet bedrohen nicht bloß einzelne Staaten. Die EU will deshalb ihre Abwehrkräfte stärken.

Angesichts der jüngsten Welle von Angriffen auf Computer verstärkt die Europäische Union ihre Abwehrmaßnahmen. "Cyber-Attacken häufen sich, werden einfallsreicher und treten global auf", sagte der stellvertretende Kommissionspräsident Andrus Ansip. Die EU müsse darauf jederzeit antworten können. Die Arbeit der nationalen Sicherheitsbehörden soll stärker koordiniert, die Rolle der EU-Cyber-Eingreiftruppe ausgebaut werden. Dort würden 50 Prozent mehr Mitarbeiter eingestellt, hieß es.

Cyber-Attacken "bedrohen nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch das Funktionieren unserer Demokratien, unsere Freiheiten und unsere Werte", heißt es in dem Entwurf des Cyber- und Datensicherheitspakets, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" zitierte. 2016 habe es weltweit 4000 Cyber-Angriffsversuche pro Tag gegeben - ein Anstieg von 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

WannaCry: Daten gegen Lösegeld

Im Mai kaperte die schädliche Software WannaCry mehr als 200.000 Computer in 150 Ländern und blockierte sie. Dateien auf den Rechnern wurden verschlüsselt, nur gegen Zahlung eines Lösegelds sollten sie wieder lesbar gemacht werden. Europol wertete den Angriff als ein noch nie da gewesenes Ereignis.

Brüssel Andrus Ansip - digitaler Binnenmarkt EU (picture-alliance/AA/D. Aydemir)

"Wir müssen antworten können": EU-Kommissions-Vize Andrus Ansip (Archivbild)

Die EU-Kommission schätzt den Schaden solcher Attacken in allen Mitgliedsstaaten auf 265 Milliarden Euro pro Jahr. Deshalb soll es im Fall eines Cyber-Angriffs künftig einen Notfallfonds geben. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte vor einer Woche in seiner Rede zur Lage der EU als zentrales Vorhaben angekündigt, die Union besser gegen Cyber-Attacken zu schützen.

Zertifikat für vernetzte Hausgeräte

Vielen deutschen Internetnutzern ist noch ein Angriff im vergangenen Jahr in Erinnerung, bei dem die DSL-Anschlüsse von einer Million Telekom-Kunden zusammenbrachen. Dahinter steckte ein Netzwerk ferngesteuerter Computer, ein sogenanntes Botnet. Später stellte sich heraus, dass der Drahtzieher der Attacke die Kontrolle über vernetzte Geräte wie Fernseher und Überwachungskameras hatte.

Nach dem Willen der EU-Kommission sollen für Haushaltsgeräte mit Internetanschluss künftig europaweit einheitliche Sicherheitsstandards gelten. Ähnlich wie bei Lebensmitteln könnten Verbraucher durch Sicherheitszertifikate erkennen, ob diese Standards erfüllt seien, teilte die EU-Behörde mit. Die Zertifikate sollen von der EU-Agentur für Cyber-Sicherheit in Griechenland entwickelt werden.

Bis zum Jahr 2020 dürfte es nach Einschätzung von Kommissions-Vizepräsident Ansip um die sechs Milliarden vernetzte Geräte in der EU geben. Das Gefahrenbewusstsein sei bislang jedoch eher gering: "Die Mehrheit der Leute kümmert sich nicht um die Sicherheitseinstellungen."

jj/sti (dpa, rtr)

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