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Fokus Osteuropa

EU will Nabucco-Pipeline voranbringen

In Budapest haben Politiker aus der EU, dem Kaukasus und dem Nahen Osten über das Nabucco-Projekt beraten. Die EU will sich an den Baukosten der Pipeline beteiligen und erhofft sich davon mehr Energiesicherheit.

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Internationales Treffen zum Nabucco-Projekt (27.1.2009)

„Wir hätten keinen besseren Moment für diese Konferenz finden können", sagte der ungarische Premier Ferenc Gyurcsany zur Eröffnung der internationalen Beratungen über das Nabucco-Pipeline-Projekt in Budapest. Gyurcsany spielte damit auf den Lieferstopp des russischen Erdgases durch die Ukraine an, der Anfang Januar zu Versorgungsausfällen in mehreren europäischen Ländern geführt hatte. „Energie zu haben oder nicht zu haben, kann zu einer Frage der nationalen Souveränität und Stabilität werden", sagte Gyurcsany.

Die Pipeline soll unter Umgehung Russlands Gas vom Kaspischen Meer nach Europa transportieren. Der tschechische Premier Mirek Topolanek, dessen Land derzeit die EU-Präsidentschaft innehat, machte deutlich, das Nabucco-Projekt sei nicht gegen Russland gerichtet: „Nabucco ist nicht gegen irgendjemanden gerichtet, sondern wir wollen es aus Eigeninteresse", betonte er.

Politiker drängen auf Baubeginn

EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso forderte die beteiligten Akteure auf, das Projekt voranzutreiben. „Wir müssen aus der jüngsten Gaskrise lernen und in großem Maße in Energie investieren", sagte er zur Begründung in einer Videobotschaft aus Brüssel. Die Notwendigkeit, die Energiequellen zu diversifizieren, sei nach dem Lieferstopp aus Russland „dringender denn je“.

Insgesamt sollen 3,5 Milliarden Euro in die Verbesserung der Energieversorgung investiert werden, unter anderem auch in neue Pipelines in Polen, Dänemark, Schweden, Italien und Griechenland, aber auch in Windenergieparks und Technologien zur Nutzung von Kohlendioxid-Emissionen von Kohlekraftwerken. Mit den geplanten Projekten könne sowohl die Konjunktur angekurbelt als auch die Sicherheit der Energieversorgung in Europa erhöht werden, hieß es bei dem Treffen in Budapest.

Inbetriebnahme 2015 geplant

Barroso hofft, dass ab 2015 über die Nabucco-Pipeline Gas nach Europa gepumpt wird. Bis zu 31 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr sind geplant. Bisher verfügt die Leitung aber nicht über ausreichende Gasquellen. EU-Kommissar Andris Piebalgs erläuterte, es werde nicht mehr das Jahr 2013 für die Fertigstellung der Pipeline anvisiert, sondern 2015, weil man auf den Beginn der Förderung aus neuen aserbaidschanischen Gasfeldern warte. Auch spiele die Entwicklung der Situation im potenziellen Lieferantenland Irak eine Rolle.

Nach letzten Schätzungen könnte der Bau der 3300 Kilometer langen Leitung durch die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich 8 Milliarden Euro kosten. Die Europäische Investitionsbank stelle in Aussicht, etwa ein Viertel der Baukosten zu finanzieren, sagte ihr Präsident Philippe Maystadt.

Russische Konkurrenz angekündigt

Vertreter der EU-Regierungen äußerten die Hoffnung, dass die Planungen für die Pipeline noch im Frühjahr abgeschlossen werden und der Bau daraufhin bald beginnen könnte. Zum Nabucco-Konsortium gehört der Essener RWE-Konzern, die Gaskonzerne OMV (Österreich), MOL (Ungarn), Transgaz (Rumänien), Bulgargaz (Bulgarien) und Botas (Türkei).

Als Lieferanten werden Aserbaidschan und Turkmenistan favorisiert. Bislang ist die Region für den Export fast ausschließlich auf die noch zu Sowjetzeiten gebauten russischen Pipelines angewiesen. Russland hat mit der Pipeline South Stream ein Konkurrenzprojekt zur Nabucco-Pipeline mit vergleichbarer Routenführung angekündigt. (mo)

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