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Aktuell Europa

EU will für Bienenschutz Pestizide verbieten

Zur Bekämpfung des Bienensterbens stehen drei umstrittene Pestizide in der Europäischen Union vor einem zweijährigen Teilverbot. 15 EU-Länder votierten dafür, doch das letzte Wort hat die EU-Kommission.

Königin Mehrere Bienen klettern über Waben (Foto: Aly Hassanein)

Insel der Bienen

In der Europäischen Union soll der Einsatz von drei Pflanzenschutzmitteln künftig großflächig untersagt werden, um die Bienenvölker besser zu schützen. Vertreter der EU-Staaten machten in Brüssel den Weg frei, den Einsatz von drei umstrittenen Nervengiften für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle zu verbieten. Das Verbot soll vom 1. Dezember an für zunächst zwei Jahre gelten. Mit den Chemikalien vorbehandelte Samen dieser Pflanzen dürfen ab dann weder verkauft noch ausgesät werden. Die sogenannten Neonicotinoide stehen im Verdacht, das seit langem beobachtete Bienensterben mit zu verursachen.

Vorerst erlaubt bleiben soll der Gebrauch der Chemikalien für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anlocken. Nach zwei Jahren will die EU-Kommission die Maßnahmen überprüfen. In der entscheidenden Sitzung in Brüssel stimmten 15 EU-Länder dafür, den Einsatz der Mittel einzuschränken, wie EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg mitteilte. Die endgültige Entscheidung liegt nun bei der EU-Kommission, die ein Verbot befürwortet.

Bayer wehrt sich gegen Verbot

Zu den Produzenten der Pestizide gehören die Chemiekonzerne Bayer und Syngenta. Bayer hatte das Verbot als unverhältnismäßig kritisiert. Kritiker warnen, dass Neonicotinoide neben tödlichen Vergiftungen auch dazu führen, dass Bienen ihren Orientierungssinn verlieren und nicht mehr in die Bienenstöcke zurückfinden. Bayer betont hingegen, dass die Stoffe bei richtiger Anwendung nicht schädlich für Bienen sind. Das Unternehmen sieht Umwelteinflüsse und Krankheiten wie Milben als Hauptgründe für das Bienensterben.

Video ansehen 01:07

More than honey - Filmdokumentation über das mysteriöse Bienensterben (23.11.2012)

Eine erste Abstimmung im März ergab ein Patt, Deutschland enthielt sich. Daher kam es nun zur entscheidenden Abstimmung im Berufungsausschuss. Diesmal stimmte der deutsche Vertreter für das Verbot, wie ein EU-Diplomat der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Bundesregierung ließ sich demnach schriftlich zusichern, dass bereits 2009 in Deutschland eingeführte strenge Bestimmungen zum Neonikotinoid-Einsatz durch die EU-Regelung nicht unterlaufen werden.

Greenpeace freut sich

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte das Abstimmungsergebnis. "Das heutige Votum zeigt glasklar, dass es eine überwältigende wissenschaftliche, politische und öffentliche Unterstützung für das Verbot gibt", sagte Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Marco Contiero.

Der Pestizid-Experte des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, Tomas Brückmann, rief die Kommission auf, eine zügige Umsetzung eines Verbots in den Mitgliedstaaten zu kontrollieren. "Außerdem sehen wir darin nur einen ersten Schritt. Der Einsatz anderer Agrarchemikalien muss ebenfalls untersagt werden", sagte Brückmann AFP.

kle/wl (afp, dpa, rtr)

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