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Welt

EU und Sahelstaaten beraten Al-Kaida-Gefahr

Marokko und Algerien gelten als Stammländer von Al-Kaida-Gruppen in Nordafrika. Ihr Ziel ist die Terrorisierung dieser Region. Eine politische Konferenz will dieses Problem angehen.

Mehrere Armee-Wagen in der Wüste (Foto: DW)

Mauretanische Armee bei der Terrorbekämfung in der Sahara

Am Mittwoch (07.09.2011) beraten in Algier Vertreter der EU und der Sahelstaaten über die Sicherheit in der Region. Eine Bedrohung sind hier nordafrikanische Terroristen, die im Schutz der Wüste ihre Anschläge planen. Sie nennen sich Al Kaida im Islamischen Maghreb, kurz AQIM, und verstehen sich als lokalen Ableger des internationalen Terrornetzwerks. In vielen Fällen hat die AQIM in den letzten Jahren die Verantwortung für Anschläge in der Region übernommen. Die Attentäter präsentieren sich stolz im Internet: "Oh geliebte Nation! Oh geliebte Nation! Ich rate Dir, Dich auf die Grundsätze unseres Glaubens zurückzubesinnen…", so die Stimme eines Selbstmordattentäters, der seine Propaganda verbreitet. Seinem Akzent nach stammt er aus Marokko oder Algerien. Die beiden Länder gelten als Stammländer der AQIM.

"Kämpfer für den Heiligen Krieg"

Eine Landkarte Algeriens (Grafik: DW)

300 bis 800 bewaffnete Kämpfer in Algerien

Hervorgegangen ist die AQIM Anfang 2007 aus der größten Terrorgruppierung Algeriens, der "Groupe salafiste pour la Prédiction et le Combat" (GSPC), der "Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf". Diese spaltete sich Ende der 1990er Jahre von der militanten Bewaffneten Islamischen Armee – kurz GIA – ab. Sie wird für Massaker an Tausenden Zivilisten während des Algerischen Bürgerkrieges verantwortlich gemacht.

Durch den Zusammenschluss mit Al Kaida wolle man die verschiedenen maghrebinischen Dschihadisten in einem Dachverband und unter Führung der GSPC-Mitglieder vereinen, sagt der marokkanische Islamismus-Experte Mohamad Darif: "Bei Al Kaida spielt die Ideologie eine grundlegende Rolle. Es handelt sich um eine dogmatische Organisation, deren Ideologie die Gewalt gegen die sogenannten Ungläubigen und gegen die Abtrünnigen legitimiert."

Trotz ideologischer Gemeinsamkeiten sieht er keine organisatorische Koordination zwischen dem Kern Al Kaidas in Afghanistan und in Pakistan und den regionalen Ablegern. Darif führt die Entstehung des militanten Islamismus im Maghreb auf jene arabischen Freiwilligen zurück, die mit den Afghanen gegen die sowjetischen Besatzer Afghanistans von 1979 bis 1989 kämpften. Als dann die Sowjets ihre Truppen aus Afghanistan abzogen, kehrten diese Mudschahidin, Kämpfer für den "Heiligen Krieg", in ihre Heimatländer zurück. Als in Afghanistan der Krieg zu Ende ging, erklärt Darif weiter, "sahen sich sowohl die afghanische als auch die pakistanische Regierung gezwungen, viele arabische 'Gotteskrieger' in deren Heimatländer abzuschieben". Und viele Krieger kehrten tatsächlich in ihre Heimatländer zurück - allen voran die algerischen "Gotteskrieger".

Genaue Angaben darüber, wie viele dieser "Gotteskrieger" zurzeit der AQIM angehören, existieren nicht. Die algerischen Behörden schätzen, dass es zwischen 300 bis 800 bewaffnete Kämpfer gibt. Ihr Ziel sei es, die Regime zu stürzen, um ein Kalifat, einen "Gottesstaat", zu errichten, sagt der Islamismus-Experte Darif. Dabei setzen sie auf Gewalt als Mittel zum Zweck. Entführungen von hauptsächlich westlichen Ausländern, die in der Region als Touristen oder als Entwicklungshelfer unterwegs sind, gilt als Haupteinnahmequelle der AQIM.

Von den Massenprotesten überrascht

Hunderttausende von Menschen demonstrieren.(Foto:Amr Nabil/AP/dapd)

Die Massenproteste in Nordafrika trafen auch Terroristen unvorbereitet

Anfang des Jahres stürzten Massenproteste in Tunesien und Ägypten zwei Diktatoren: Zine El-Abidine Ben Ali und Hosni Mubarak stellten sich dem Westen gegenüber als Bollwerk gegen den Islamismus dar. Ihr Niedergang überraschte alle – auch Al Kaida. Beide Länder haben gezeigt, dass ein Wandel mit friedlichen Mitteln möglich ist. Dies habe die ideologischen Grundsätze Al Kaidas erschüttert, erklärt Darif.

Einige Sicherheitsexperten warnen zwar, Al Kaida könne die Umwälzung in der arabischen Welt für sich nutzen. Doch Darif meint, die Handlungsmöglichkeiten der Terrorgruppe im Maghreb seien begrenzt. Al Kaida sei nicht in der Lage, die Regime zu stürzen oder gar an die Macht zu kommen. "Ich halte es für ausgeschlossen, dass die AQIM eine strategische Bedrohung darstellt, im Sinne, dass sie die Kräfteverhältnisse in der Region verändern könnte. Sie stellt dennoch eine sicherheitspolitische Bedrohung dar." Denn durch gezielte Angriffe könne das Terrornetzwerk zumindest eines erreichen: eine Verunsicherung der Regime in der gesamten Region.

Autorin: Chamselassil Ayari

Redaktion: Lina Hoffmann, Jan-Philipp Scholz

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