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Wirtschaft

EU und Lufthansa streiten um Air Berlin

Ticketpreise für Flüge in Deutschland steigen nach der Pleite von Air Berlin. Die Lufthansa soll ihr Übernahmeangebot nachbessern, um ein Monopol zu verhindern, fordert die EU-Kommission. Bernd Riegert aus Brüssel.

Erst kurz vor Weihnachten will die EU-Kommission jetzt entscheiden, ob die Lufthansa wie geplant Teile der bankrotten Fluggesellschaft Air Berlin und die Tochter NIKI übernehmen kann. Die oberste Wettbewerbshüterin der EU, Margrethe Vestager, hat Bedenken. Die Lufthansa-Gruppe könnte nach der Übernahme von 81 Flugzeugen und den dazu gehörenden Start- und Landerechten auf einigen Strecken und an einigen Standorten "einen sehr hohen Marktanteil oder sogar ein Monopol" bekommen, mahnte Vesthager kürzlich. Um diese Bedenken zu zerstreuen, hat die Lufthansa nach einem Krisentreffen mit Vertretern der Bundesregierung am späten Donnerstagabend, kurz vor Ablauf der Frist, Vorschläge zur Nachbesserung des Deals in Brüssel eingereicht.

Lufthansa könnte auf NIKI verzichten

Belgien Margrethe Vestager (Reuters/F. Lenoir)

Vestager: Monopole für Lufthansa verhindern

Die EU-Kommission hat nach den Verfahrensregeln jetzt 14 Tage Zeit, diese Vorschläge zu prüfen. Dann kann Margrethe Vesthager der Lufthansa entweder ein Weihnachtsgeschenk machen und die Übernahme - vielleicht mit Auflagen - absegnen oder sie kann anordnen, eine vertiefte Prüfung des Geschäfts vorzunehmen. Dafür hätte sie dann noch einmal 90 Tage Zeit. Dadurch würde sich auch  noch einmal die Zeit der Ungewissheit für die ehemaligen Beschäftigten von Air Berlin verlängern, die von der Lufthansa-Gruppe übernommen werden sollen.

Offiziell hat die EU-Kommission über den Inhalt der Lufthansa-Vorschläge nichts mitgeteilt. Vom Konzernsitz in Frankfurt am Main hieß es aber, dass die Lufthansa auf bestimmte Start- und Landerechte verzichten will, um den Eindruck eines Monopols zu verhindern. Außerdem könnte die Lufthansa bereit sein, auf den Kauf des NIKI - Ferienfliegers zu verzichten. Diese Teilgesellschaft von Air Berlin ist nicht pleite. An ihr haben unter anderem auch die British Airways und Niki Lauda selbst Interesse angemeldet. Der ehemalige Formel-1-Rennfahrer Lauda hatte die Fluggesellschaft gegründet, veräußert und will sie jetzt mit Partnern wieder zurückkaufen.

Video ansehen 02:28

Die Geschichte von Air Berlin

Ticketpreise steigen

Seit Air Berlin den Flugbetrieb im Oktober eingestellt hat, sind die Ticketpreise auf innerdeutschen Strecken stark angestiegen, teilt der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) mit. An Werktagen liegen die Preise bei Flügen nach Berlin um durchschnittlich 26 Prozent und an Wochenenden um 39 Prozent höher. Die Lufthansa begründet das damit, dass pro Tag durch den Wegfall von Air Berlin rund 60 000 Sitzplätze fehlen. Die erhöhte Nachfrage führe zu höheren Preisen. Je länger die EU-Kommission für die Prüfung der Air Berlin-Verwertung braucht, desto länger verfestigt sich auch das gestiegene Preisniveau. Auf einigen Strecken habe die Lufthansa keine Konkurrenz mehr, meint dazu der Verband der Reisemanager. Die EU-Kommission ist jetzt dabei, den Wettbewerb Strecke für Strecke zu prüfen. Das kann einige Zeit dauern.

Die geschäftsführende Bundesregierung unterstützt die Lufthansa. Experten aus dem Verkehrsministerium gaben Hinweise, wie den Bedenken der EU-Wettbewerbshüter am besten begegnet werden kann. Die Bundesregierung hatte Air Berlin nach der Insolvenz 150 Millionen Euro geliehen, um den Flugbetrieb geordnet zu Ende führen zu können. Dieses Geld möchte der Finanzminister natürlich wieder haben. Das bekommt er aber wohl nur, wenn die Überbleibsel von Air Berlin für einen ordentlichen Preis verkauft werden können. Die Lufthansa wäre bereit, 210 Millionen Euro zu bezahlen.

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