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Europa

EU sucht dringend Ebola-Helfer

Die Außenminister der EU schlagen Alarm: Gegen die bedrohliche Ebola-Seuche sollen mehr freiwillige Helfer aufgeboten werden. Doch woher nehmen? Ein neuer Koordinator soll es richten.

Ebola Opfer Angehörige 10.10.2014 Liberia

Ebola-Helfer bergen Tote in Liberia, Angehörige sind verzweifelt

Nach intensiver Diskussion über die weiter um sich greifende Ebola-Epidemie in Westafrika gab sich der deutsche Außenminister beim Treffen mit den EU-Kollegen selbstkritisch. "Wir müssen hier bekennen, dass wir mit unseren Hilfsangeboten relativ spät kommen und jetzt aufholen müssen", sagte Frank-Walter Steinmeier in Luxemburg. Diese Erkenntnis hatten die Außenminister auch schon vor einem Monat am Rande der UN-Vollversammlung in New York gewonnen. Doch jetzt will man in Europa mehr tun, kündigte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton an. "Wir wissen alle, dass dies ein ernstes und wichtiges Problem ist, dass man nicht unterschätzen darf. Das Problem wird nicht auf einen Teil des Globus begrenzt bleiben, es hat das Potenzial überall hin zu reisen", sagte Ashton. Für sie ist klar, dass Ebola sogar eine Gefahr für die nationale Sicherheit der betroffenen Staaten sein könne.

Freiwilliges Personal fehlt

EU Außenministerrat 20.10.2014 Luxembourg Steinmeier

Außenminister Steinmeier: EU-Mission vorbereiten

Die EU-Außenminister waren sich einig, mehr Material und medizinische Hilfskräfte nach Westafrika zu schicken, weil es hauptsächlich um die Isolierung der Infizierten gehen müsse. Der britische Außenminister Philip Hammond forderte eine Verdopplung der bisherigen Hilfsgelder aus der EU von einer halben auf eine ganze Milliarde Euro. "Wir haben es mit einer großen Gesundheits-Krise zu tun und wir haben nur wenig Zeit, um damit fertig zu werden und die Ausbreitung dieser unkontrollierbaren Seuche zu unterbinden. Das Geld wäre gut angelegt und würde ausgegeben, um zusätzliche Krankenbetten und Isolierstationen in den betroffenen Ländern bereit zu stellen", sagte der britische Außenminister vor Journalisten. "Das ist die einzige Möglichkeit, die Seuche einzudämmen, eine Isolierung der Kranken und eine möglichst frühe Behandlung." Neues Geld wurde in Luxemburg aber nicht zugesagt. "Das war hier ja keine Geberkonferenz", sagte Bundesaußenminister Steinmeier. Viele Probleme seien auch mit Geld nicht zu lösen. Es mangelt vor allem an freiwilligem, ausgebildeten Personal, bestätigen auch Hilfsorganisationen wie "Ärzte ohne Grenzen", die stark in Westafrika engagiert sind. "Wir haben wahrscheinlich keine Mühe, Zelte und Feldbetten in die Region zu liefern. Das wird geschehen. Das große Problem ist das Personal", unterstrich Frank-Walter Steinmeier.

Flugzeug für Evakuierung wird vorbereitet

Erste Aufrufe an mögliche Helfer in Deutschland hätten schon Ergebnisse gebracht, berichtete Steinmeier. Die Ausbildung von Bundeswehr-Soldaten, die vor Ort Lazarette aufbauen sollen, hätte begonnen, so Steinmeier. Das Deutsche Rote Kreuz und die Bundeswehr bieten in Würzburg und im schleswig-holsteinischen Appen Intensiv-Schulungen an. Freiwillige Helfer sollen versichert werden, dass sie im Falle einer Infektion mit Ebola schnell aus Westafrika zur Behandlung nach Europa ausgeflogen werden können. Bislang verfügt aber noch kein EU-Staat über ein entsprechendes Flugzeug. Diese werden zurzeit in den USA gemietet. Die Bundesregierung lässt deshalb einen Airbus der Lufthansa entsprechend umrüsten. Nach Schätzungen des Ebola-Experten Roberto Bertollini von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) würden mindestens noch 1000 medizinische geschulte Helfer in Westafrika gebraucht.

EU will "Koordinator" benennen

Die EU-Außenminister treten dafür ein, die Hilfen der Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission besser zu koordinieren. Dazu soll ein spezieller EU-Beauftragter für die Ebola-Hilfe ernannt werden. Auf eine Person und andere Einzelheiten konnte man sich in Luxemburg aber nicht verständigen. Bislang wird die Ebola-Bekämpfung von der zuständigen EU-Kommissarin Kristalina Georgieva verantwortet. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, es dürfe jetzt nicht um Personalfragen gehen, sondern um schnelle Absprachen. "Es hilft jetzt auch nichts, dass alle flügelschlagend hektische Aktivitäten entwickeln, sondern der Bedarf muss halt sehr genau definiert werden." Außerdem sei die EU ja nicht alleine, sondern müsse sich wiederum mit der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen und anderen Nationen wie den USA, China oder Kuba absprechen, die sich beim Kampf gegen Ebola engagieren, sagten EU-Diplomaten.

EU-Mission und "Weißhelme" werden beraten

Den deutschen Vorschlag, eine zivile EU-Mission zu gründen, die mögliche Hilfsmaßnahmen der kleinen und großen EU-Staaten zu einem schlüssigen Gesamtpaket bündelt und dann auch organisatorisch führt, haben die übrigen EU-Außenminister wohlwollend zur Kenntnis genommen. "Beschlossen wurde aber noch nichts", räumte Frank-Walter Steinmeier ein. Ein weiterer Vorschlag Steinmeiers, für künftige Seuchen-Katastrophen einen Pool von freiwilligen Helfern und Medizinern zu gründen, der kurzfristig entsandt werden könnte, stieß auf Interesse in Luxemburg. Beschlossen wurde die von Steinmeier als "Weißhelme" getaufte Seuchen-Eingreiftruppe aber ebenfalls nicht. Die Vereinten Nationen nennen ihre Friedenstruppen "Blauhelme", in Anlehnung an weiße Ärztekittel deshalb der Name "Weißhelme". Nun soll weiter diskutiert werden. Bei den "Weißhelmen" handelt es sich ohnehin um eine Maßnahme, die in der akuten Ebola-Krise nicht mehr greifen würde. Der Ebola-Experte der EU-eigenen Hilfsorganisation ECHO, Philippe Maughan, ging in einem Interview mit der DW davon aus, dass der Ebola-Erreger noch weit ins Jahr 2015 hinein in Afrika grassieren werde. Er rechnete mit mindestens 20.000 Infizierten. Heute liegt deren Zahl bei etwa 9200 nach Angaben der WHO.

Der Flughafen in Brüssel hat unterdessen damit begonnen, Reisende aus den von Ebola heimgesuchten Gebieten stärker zu kontrollieren. Neben einer Fieberkontrolle soll auch das Gepäck nach Lebensmitteln durchsucht werden. Die EU-Gesundheitsminister hatten vergangene Woche entsprechende Maßnahmen empfohlen, aber nicht verbindlich gemacht. In Brüssel kommen wöchentlich vier bis fünf direkte Flüge aus Westafrika an. Ähnliche Kontrollen gibt es bereits an Flughäfen in Großbritannien und Frankreich. Tschechien will sie ebenfalls einführen. In Deutschland landen keine direkten Flüge aus den betroffenen Regionen.

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