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Europa

EU streitet um Klonfleisch und Gen-Food

Beim EU-Landwirtschaftsministerrat prallen die Meinungen aufeinander. Der Verbraucherkommissar fordert wissenschaftliches Denken beim Thema genmanipulierte Lebensmittel.

geklonte Kälber (dpa)

bald frisch auf den Tisch? Geklonte Kälber in Brasilien

Auch die EU-Landwirtschaftsminister kommen um das Thema Japan und seine nukleare Katastrophe nicht herum. Die Kommission hat die Mitgliedsstaaten aufgerufen, aus Japan eingeführte Lebensmittel auf Strahlenbelastung hin zu überprüfen. Dabei rennt sie meist offene Türen ein. Ansonsten war es ein Tag der Nicht-Einigungen, zum Beispiel beim Umgang mit Produkten von geklonten Tieren, vor allem Fleisch und Milch. Bisher gibt es keine EU-Regelungen zum sogenannten Klonfleisch. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner fordert von der Kommission, “dass sie eine eigene Regelung zum Verbot von Klonen generell vorlegt, und zweitens geht es bei uns natürlich auch um das Verbot von Klonfleisch selbst.".

“Klonfleisch essen, ohne es zu erfahren“?

eine lächelnde Ilse (dapd)

Landwirtschaftsministerin Aigner (Archivbild): hält zu detaillierte Kennzeichnung für unpraktikabel

Die Kennzeichnung von Fleisch von Nachkommen geklonter Tiere hält sie dagegen für kaum praktikabel. Bei der Frage der Kennzeichnung gehen aber nicht nur die Meinungen zwischen einzelnen Mitgliedsstaaten auseinander, sondern noch mehr zwischen dem Rat der Mitgliedsstaaten, Kommission und Parlament. Die dreiseitigen Verhandlungen sind erst einmal gescheitert. Der deutsche christdemokratische Europaabgeordnete Peter Liese meinte dazu, der Verbraucher solle offenbar “Klonfleisch essen, ohne es zu erfahren“. Einigen sich nicht alle drei Seiten bis Ende des Monats auf eine gemeinsame Regelung, werden wohl Länder wie die USA Klonfleisch in die EU einführen dürfen.

"Debatte auf rationale Ebene bringen"

Die Landwirtschaftsminister haben sich auch nicht auf die Zulassung von Produkten aus zwei gentechnisch veränderten Maissorten und einer genveränderten Baumwollsorte einigen können. Da weder eine Mehrheit für noch gegen die Zulassung zustandekam, muss jetzt die Kommission entscheiden. Und sie wird die Zulassung wohl genehmigen, denn die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die Produkte für unbedenklich erklärt. EU-Gesundheits- und Verbraucherkommissar John Dalli ist die ganze Diskussion zu emotional. “Es ist wichtig, dass wir die Debatte über genmanipulierte Organismen auf eine rationale Ebene bringen und dass wir festgestellte Risiken von möglichen Risiken und Fakten von Eindrücken trennen.“ Er selbst setze in dieser Frage allein auf die Wissenschaft, so Dalli. Doch es gibt wenige Themen in der EU, bei der so heftig und so ideologisch gestritten wird wie bei genmanipulierten Lebensmitteln.

Bei einer Reform würden die Großen verlieren

Mähdrescher im Einsatz (dpa)

EU-Landwirtschaftssubventionen: bisher zählt vor allem Fläche

Auch mit ihren Reformplänen der gemeinsamen Landwirtschaftspolitik liegt die Kommission im Clinch mit einigen Mitgliedsstaaten. Um die umfangreichen Subventionen besser rechtfertigen zu können, sollen nach den Vorstellungen der Kommission kleine und besonders umweltfreundlich wirtschaftende Höfe in Zukunft relativ mehr Geld aus Brüssel bekommen. Im Moment werden die Subventionen vor allem nach Fläche berechnet, was die Großen begünstigt. Entsprechend wollen klassische Agrarländer wie Frankreich die Subventionsregelungen am liebsten so lassen, wie sie sind.

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Marko Langer