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Europa

EU stoppt Import ägyptischer Sprossensamen

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist Bockshornsamen aus Ägypten verantwortlich für die EHEC-Epidemie. Die Samen sollen nun europaweit aus dem Verkehr gezogen werden und dürfen nicht mehr importiert werden.

Bockshornkleesamen aus Kairo (Foto: dapd)

Bockshornkleesamen aus Kairo

Mehr als zwei Monate nach dem Ausbruch ist die Ursache der EHEC-Epidemie wohl gefunden. Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind Bockshornkleesamen "mit hoher Wahrscheinlichkeit" verantwortlich. Das bestätigte auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Die Europäische Union verhängte am Dienstag (05.07.2011) ein Einfuhrverbot für sämtliche ägyptische Samen und Bohnen. Der Importstopp soll zunächst bis Ende Oktober gelten. Außerdem müssen alle Bockshornkleesamen, die zwischen 2009 und 2011 in die EU geliefert worden sind, europaweit sofort vom Markt genommen werden. Bevor diese zerstört werden, sollen noch Proben genommen werden, wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte. Die Behörden raten weiterhin vom Verzehr roher Sprossen ab.

Samen in insgesamt elf EU-Staaten gelangt

Eine Expertin öffnet eine Packung mit Bockshornklee-Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel (Foto: dapd)

Eine Packung mit Bockshornklee-Sprossen aus dem Gartenbetrieb in Bienenbüttel

Wie die Samen in Ägypten kontaminiert worden sind, ist den Experten zufolge noch unklar. Grundlage für die Aufklärung waren, wie es hieß, epidemiologische Untersuchungen sowie die Rück- und Vorwärtsverfolgung von Samenlieferungen.

Nach Angaben des Präsidenten des Bundesinstitutes für Risikoforschung (BfR), Andreas Hensel, fanden die Forscher heraus, dass die in Frankreich aufgetretenen Krankheitsfälle über dieselbe Bockshornkleesamen-Lieferung mit dem Gartenbetrieb im niedersächsischen Bienenbüttel in Verbindung stehen. Produziert wurde die Charge den Angaben zufolge im Jahre 2009. Insgesamt sollen die Samen über verschiedene Lieferwege in elf Staaten der Europäischen Union gelangt sein.

Sämtliche EHEC-Ausbrüche in Deutschland seien auf den Betrieb in Bienenbüttel zurückzuführen, der die ägyptischen Samen bezogen hatte, sagte Hensel. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg stellte inzwischen die Ermittlungen gegen den Sprossen-Hof ein. Den Verantwortlichen sei kein strafrechtlicher Vorwurf zu machen, teilte eine Sprecherin mit.

Wohl keine anderen Produkte betroffen

Bockshornkleesamen werden zum Beispiel als Gewürz oder als Heilmittel eingesetzt. Bisher gibt es nach Angaben der Behörden keinen Hinweis darauf, dass außer Sprossen auch andere aus den Samen hergestellte Produkte EHEC-Infektionen verursacht haben. Es könne aber derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass vereinzelte Erreger unter bestimmten Bedingungen auch in oder auf den Samen überleben könnten.

An dem lebensbedrohlichen Darmkeim EHEC waren in Deutschland in den vergangenen Wochen tausende Menschen erkrankt. Mindestens 48 Patienten starben nach einer Infektion. Es handelt sich laut den Behörden um den bisher größten EHEC-Ausbruch in Deutschland. Die Zahl der Neuerkrankungen ist inzwischen rückläufig. Der Höhepunkt der Erkrankungen war den Behörden zufolge bereits Mitte Mai erreicht.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, dapd, afp)
Redaktion: Stephan Stickelmann

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