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Europa

EU plant Rückzieher beim Klimaschutz

Die neue Energiestrategie der EU-Kommission überrascht: Darin wird vom Plan abgerückt, den Energieverbrauch in Europa bis 2020 um 20 Prozent zu senken. Das EU-Parlament protestiert.

Kohlekraftwerk Schwarze Pumpe (Quelle: AP)

Kohlekraftwerke wie dieses in Schwarze Pumpe sind CO2-Schleudern

Die EU-Kommission schraubt Europas Ziele zum Energiesparen zurück. Ihr zweiter Strategieplan zur Energiepolitik, den die Brüsseler Behörde am Donnerstag (12.11.2008) vorlegen will, rückt vom ursprünglichen Ziel einer Senkung des Energieverbrauchs um 20 Prozent bis zum Jahr 2020 ab. Der in Brüssel vorliegende Entwurf für den Kommissionsbeschluss geht in seinem Zahlenwerk nur noch von einem Rückgang des Verbrauchs zwischen 12 und 15 Prozent aus.

"Manipulierte Daten"

Aus dem Europäischen Parlament kam bereits heftiger Protest: Die Kommission wolle Bürger und Politiker offenbar in die Irre führen, kritisierte der Energiefachmann Claude Turmes von den Grünen. "Es sind manipulierte Daten, um Atom und Kohle besser dastehen zu lassen", sagte der Abgeordnete. In einem Brief an die kommenden EU-Vorsitzländer Schweden, Spanien und Belgien forderten Abgeordnete verschiedener Parteien, bei der Kommission auf eine konsequente Politik des Energiesparens zu dringen.

Der Anteil von Atom und Kohle müsste Turmes zufolge eigentlich stark zurückgehen, wenn die EU wie ursprünglich geplant den Anteil erneuerbarer Energien wie Wind und Sonne bis 2020 auf 20 Prozent erhöhe und 20 Prozent ihres Energieverbrauchs einspare. Tatsächlich sieht der Kommissionsentwurf aber weiterhin einen hohen Anteil der beiden Energieformen am europäischen Gesamtverbrauch vor.

Nur noch 12 bis 15 Prozent Reduktion

EU-2007-Plakat (Quelle: AP)

Die EU hatte 2007 einen großen Energiesparplan beschlossen

Die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Staaten hatten im März 2007 unter dem Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossen, den europäischen Energieverbrauch um 20 Prozent unter den für 2020 vorhergesagten Wert zu drücken. Auch die neue Energiestrategie betont dieses Ziel. Im anhängenden Zahlenwerk, das die Daten von Voraussagen und dem Ziel der neuen Energiepolitik nebeneinanderstellt, schrumpft die Einsparung je nach Modell allerdings auf 12 bis 15 Prozent.

Das Kommissionspapier beziffert die derzeitige Nachfrage nach Energie auf 1903 mtoe (Millionen Tonnen Öl-Equivalent) bei einem angenommenen Ölpreis von 100 US-Dollar pro Barrel. Gemäß des neuen Strategiepapiers, soll die Energiemenge bis zum Jahr 2020 auf 1672 mtoe gedrückt - ein Minus von lediglich 12 Prozent. Legt man ein anderes Berechnungsmodell zugrunde, würden maximal 15 Prozent eingespart. (kas)

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