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Kultur

EU plant Einfuhrverbot für Vögel

Die Europäische Union will den Import von Vögeln verbieten. Derweil machen sich in Kopenhagen und Ottawa Experten Gedanken, wie die Seuche gestoppt werden könnte.

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Reicht einsperren? Experten suchen Strategien gegen Vogelgrippe

Angesichts der Vogelgrippe erwägt die Europäische Kommission die Schaffung EU-weiter Vorschriften für die private Einfuhr von Wild- und Ziervögeln. Bisher seien die Mitgliedstaaten für von Privatleuten mitgebrachte Vögel zuständig, erläuterte ein Sprecher der Brüsseler Behörde. Experten der 25 Mitgliedstaaten berieten am Dienstag (25.10.2005) über entsprechende Schritte.

Der zuständige Ausschuss sollte auch über ein Verbot kommerzieller Vogelimporte in die EU befinden. Die EU-Kommission hatte am Montag vorgeschlagen, alle solchen Einfuhren von Wild- und Ziervögeln für zunächst einen Monat zu verbieten. In den vergangenen drei Monaten hatten Importeure nach Angaben des Kommissionssprecher 232.000 Wild- und Ziervögel in die EU gebracht. In der Vergangenheit hatte die Kommission ein von Tierschützern gefordertes Importverbot mit dem Argument abgelehnt, dies könnte Schmuggel und Schwarzhandel fördern.

Für den privaten Gebrauch dürfen Reisende bis zu fünf Vögel in die EU-Staaten mitbringen, sagte der Sprecher von Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. Wie europäische Vorschriften für diese Einfuhren geregelt werden könnten, werde noch verhandelt. Voraussichtlich müssten die Reisenden für ihre gefiederten Mitbringsel ein tierärztliches Zeugnis vorlegen und versichern, dass die Vögel keinen
Kontakt mit infizierten Artgenossen haben konnten.

Einfuhrverbot aus Kroatien

Die Europäische Union hat wegen der Vogelgrippe Einfuhren lebender Vögel aus Kroatien verboten. Wie die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mitteilte, dürfen auch keine unbehandelten Federn eingeführt werden. Die Entscheidung ist die Antwort der EU auf den Nachweis des Vogelgrippe. Derzeit wird getestet, ob es sich um den auch für Menschen gefährlichen Virus-Untertyp H5N1 handelt.
Kroatien hatte schon von sich aus ein entsprechenden

Ausfuhrstopp verhängt.

Angst in Deutschland

Die Sorge vor einem Ausbrechen der Vogelgrippe in Deutschland wächst weiter. In einem See in der Nähe von Neuwied in Rheinland-Pfalz waren am Montag (24.10.05) 25 tote Gänse und Enten entdeckt worden.

Eine Sprecherin des Landesuntersuchungsamts Koblenz betonte, bei den toten Vögeln gebe es keine äußeren Anzeichen für Vogelgrippe. Bislang ist nach Angaben der Behörde nicht einmal klar, ob es sich bei den toten Gänsen überhaupt um Zugvögel handelt oder um einheimische Tiere. Das Bundesinstitut für Tierseuchen hält die Vogelgrippe als Todesursache für unwahrscheinlich. "Alles was wir bisher erfahren haben, deutet eher darauf hin, dass die Tiere an einer Vergiftung gestorben sind", sagte eine Institutssprecherin. Vorläufige Untersuchungsergebnisse wurden noch am Dienstag erwartet. Dann soll feststehen, ob ein Virus die Vögel getötet hat, nicht aber der Virustyp.

Kritik an Roche

Im kanadischen Ottawa berieten am Montag Fachleute aus mehr als 30 Ländern über eine globale Strategie gegen die Vogelgrippe. Der Generaldirektor der WHO, Jong-Wook Lee, warnte, die nächste globale Grippe-Pandemie unter Menschen könne "jeder Zeit" auftreten. Die wirtschaftlichen und sozialen Kosten einer solchen Pandemie wären "riesig". Darum müssten Milliarden von Impfdosen produziert werden.

Der kanadische Gesundheitsminister Ujjal Dosanjh kritisierte den Schweizer Roche-Konzern. Die internationale Gemeinschaft sei besorgt über die Unwillen des Pharmaunternehmens, generische Versionen seines
Medikaments Tamiflu zuzulassen. Millionen Menschen könnten durch Generica geschützt werden. Roche hält das Patent für Tamiflu, das die Krankheitssymptome lindern kann, noch bis 2016.

Gute Chancen, aber große Bedrohung

Gleichzeitig berieten am Montag Experten in Kopenhagen auf einer vom Europäischen Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU-Kommission organisierten Konferenz. "Die europäischen Länder haben eine exzellente Chance, das Virus einzudämmen", sagte Gudjon Magnusson vom WHO-Regionalbüro für Europa in Kopenhagen. Er warnte jedoch zugleich davor, die Bedrohung zu unterschätzen.

Das größte Risiko stelle die Vogelgrippe nach wie vor in Asien dar, sagte Shigeru Omi, Direktor der WHO für die Region des westlichen Pazifiks. Europa sei besser auf einen Grippeausbruch vorbereitet, da zwischen den einzelnen Staaten eine engere Zusammenarbeit bestehe. Zudem könne Europa auf bessere finanzielle und technische Ressourcen zurückgreifen, sagte Omi.

Papagei mit Virus

Tratschende Papageien

Importierte Vögel könnten H5N1 einschleppen. Deshalb will die EU die Einfuhr verbieten.

Das EU-Vogel-Importverbot hatte Großbritannien nach dem Tod eines Papageis beantragt, der an einer auch für Menschen gefährlichen Variante der Vogelgrippe gestorben war. Der Papagei war im September von Surinam nach Großbritannien geliefert und mit Vögeln aus Taiwan in Quarantäne gehalten worden. Nach Behördenangaben kam er nicht mit einheimischem Geflügel in Kontakt. Die Behörden in Surinam betonten, der Vogel sei bei seinem Export gesund gewesen.

Todesfall in Indonesien

Das indonesische Gesundheitsministerium teilte am Dienstag mit, es habe einen vierten Todesfall aufgrund der Vogelgrippe in dem südostasiatischen Inselstaat gegeben. Ein Labor der WHO in Hongkong habe die Todesursache des 23-jährigen Mannes aus West-Java bestätigt. Der Patient war Ende September im Krankenhaus gestorben. (kas)

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