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Wirtschaft

EU: Milliarden für Sachsens Zukunft

Europa - das sind arme Landstriche und reiche Ballungsräume zugleich. Mit Milliarden von Euro will die EU diese Unterschiede ausgleichen. Doch wie geschieht das konkret? Ein Besuch in Sachsen.

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Syndi Lasch macht sich mit EU- Fördermitteln selbstständig

Saigerhütte in Olbernhau

In der DDR völlig heruntergekommen: Die Saigerhütte

17 rustikale, mannshohe Häkelmaschinen - bestückt mit bunten Garnrollen - rattern in der Produktionshalle von Syndi Lasch. Die Schmucktextilien-Herstellerin aus dem erzgebirgischen Jahnbach wollte sich mit ihrer Arbeitslosigkeit nicht abfinden. Vor vier Jahren kaufte sie ihrem pleitegegangenen Ausbildungsbetrieb den Maschinenpark ab und produziert seitdem Posamenten. Das sind Fransen, Borten, Verzierungen - etwa für Schultüten oder Trauerschleifen. Den Mut zur Selbständigkeit nahm Syndi Lasch aus der Verzweiflung: "Ich wollte das Erzgebirge nicht verlassen! Da habe ich eben den Entschluss gefasst: Jetzt machst du dich selbständig. Mehr als schiefgehen kann es nicht."

Unterstützung von potenziellen Arbeitsgebern

Startschuss für das Eine-Frau-Unternehmen war ein Existenzgründer-Programm des "Europäischen Sozialfonds". Der ESF ist vor allem für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und für die Förderung von Ausbildungsprojekten da. Ergänzt durch Hilfen vom Arbeitsamt erhielt Syndi Lasch im ersten halben Jahr 6.300 Euro monatlich vom ESF.

Wichtiger als der ESF ist für Sachsen jedoch der "Europäische Fonds für regionale Entwicklung", kurz EFRE. Er unterstützt vor allem Investitionen der kleinen und mittelständischen Unternehmen, potenzielle Arbeitgeber also. Eric Dufeil ist in der EU-Kommission für die Regionalpolitik in Deutschland zuständig. Er schwört auf eine gemeinsame Förderung durch ESF und EFRE: "Was wir brauchen, ist eine Kombination von physischen Investitionen mit EFRE-Mitteln und einer weiteren Aus- und Fortbildung mit ESF-Geldern. Also zuerst Arbeitsplätze schaffen, dann die Leute weiter qualifizieren."

Saigerhütte Olbernhau

In der Saigerhütte entstehen Räuchermänner und Nussknacker

Saigerhütte - ein lebendiges Minidorf

Beispiel für die Verknüpfung von ESF und EFRE ist die Saigerhütte in Olbernhau. Das Areal der mittelalterlichen Kupferschmelze und -schmiede war in der DDR völlig heruntergekommen. Nach der Wende stand Bürgermeister Steffen Laub vor einer Herkulesaufgabe: "Es gab viele verfallene Gebäude, keine Straßen, kein Abwassersystem. Die Trinkwasserversorgung hat nicht richtig funktioniert, keine Telekommunikation. Wir haben versucht, alles schrittweise aufzubauen, so dass hier wieder Leben reinkommt." Mit den EU-Geldern wurden auch private Gewerbetreibende angezogen. Damit wurde die Saigerhütte zu einem lebendigen Mini-Dorf: Zwischen den pittoresken Wohnhäusern stehen ein Hotel, kleine Läden und Schauwerkstätten, eine Museumsschmmiede oder etwa ein Spielehaus.

Insgesamt rund fünf Milliarden Euro erhielt Sachsen aus Brüssel in der vergangenen Förderperiode der Jahre 2000 bis 2006. "Entscheidend für den wirtschaftlichen Aufschwung", betont Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk. Doch ab 2007 wird er weniger Geld aus Brüssel erhalten. Denn nun werden auch die ost- und mitteleuropäischen Länder aus dem Fördertopf unterstützt. Und im Verhältnis zu diesen Ländern sind bisher ärmere Regionen der EU, wie Sachsen, mit einem Mal statistisch reicher. Die Kürzung der Fördergelder macht Angst, weiß Thomas Jurk: "Wir dürfen kein zu großes Fördergefälle zulassen. Das wäre zum Nachteil der Menschen in der Region und fördert gerade nicht das Zusammenwachsen."

"Investitionen in Köpfe"

Die Vertreter der Europäischen Union verstehen die Bedenken. "Aber es ist doch natürlich", entgegnet Sven Kjellström von der EU-Kommission, "dass die 10 neuen Mitgliedsstaaten, die viel ärmer sind als die alten Mitgliedsstaaten, im Namen der europäischen Solidarität mehr Fördermittel bekommen. Das heißt allerdings auch, dass Sachsen seine Fördermittel noch effizienter einsetzen muss."

Das steht schon auf der Agenda der sächsischen Landesregierung. In Zukunft sollen die Fördermittel verstärkt in zukunftsträchtige Bereiche investiert werden, also in Forschung und Entwicklung. Nach dem Motto: "Investitionen in Köpfe, nicht in verlängerte Werkbänke".

Für Syndi Lasch gibt es heute keine EU-Mittel mehr. Sie kann nur noch auf die Qualität ihrer Posamenten und eine positive Mundpropaganda hoffen. "Wenn ein Kunde zufrieden ist mit deiner Arbeit, kann er es an hundert Kunden weitergeben. Wenn nicht, kann er Dir mit einem Mal alles ruinieren." Deshalb wird sie bei der Herstellung der nächsten Quasten besonders sorgfältig sein. Die Bommeln gehen nämlich ins Ausland. An die Vorhänge des Züricher Opernhauses.

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