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Wirtschaft

EU macht Stromfresser-Glühbirnen den Garaus

Für Anhänger der Glühbirne ist der 1. September 2009 ein dunkler Tag. Ab dann geht für die herkömmliche Glühlampe schrittweise das Licht aus. Die Alternative: Energiesparlampen. Doch die sind noch recht unbeliebt.

Leuchtende Glühbirne (Foto: AP)

Am 1. September tritt die erste Stufe des EU-Glühbirnenverbots in Kraft

Eine leuchtende Glühbirne auf einer Europafahne (Foto: dpa)

Das Aus für die klassische Glühbirne ist in der EU besiegelt

Ab Dienstag (01.09.2009) verbietet die EU die Produktion und den Import von 100-Watt-Glühbirnen und von matten Modellen. Händler dürfen ihre Restbestände aber noch über den 1. September hinaus verkaufen. Bis 2012 sollen dann auch alle schwächeren Glühbirnen schrittweise vom Markt genommen und durch umweltfreundlichere Produkte ersetzt werden. Die Abschaffung traditioneller Glühlampen dient dem Klima- und Umweltschutz, denn sie sind Stromfresser und kurzlebig. Die 3,5 Milliarden Glühlampen in Europa verwandeln 95 Prozent der elektrischen Energie in Wärme und nur 5 Prozent in Licht.

Nach Einschätzung der EU-Kommission entspricht das Einsparpotenzial bis 2020 dem Stromverbrauch Rumäniens oder dem von elf Millionen Haushalten. Der Ersatz traditioneller Glühbirnen durch Energiesparlampen werde den Treibhausgas-Ausstoß der EU um 15 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) vermindern. Der Energieverbrauch pro Haushalt sinkt nach Angaben der Kommission bei Ersatz aller Glühbirnen durch Energiesparlampen um 10 bis 15 Prozent. Trotz des höheren Anschaffungspreises für Energiesparlampen ließen sich auf diese Weise rund 50 Euro jährlich einsparen.

Hamsterkäufe nicht sinnvoll

Doch viele Verbraucher hängen an der guten alten Glühbirne und schlugen kurz vor Schluss noch einmal kräftig zu. Der Umsatz von Glühbirnen stieg laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im ersten Halbjahr 2009 um 34 Prozent. Experten bewerten den Run auf die Glühbirnen aber nicht als sinnvoll. Die Hamsterkäufe könnten den Austausch der herkömmlichen Glühbirne gegen ihre Konkurrenten verzögern.

Dass Verbraucher den Glühbirnen-Kauf nicht immer rational kalkulieren, zeigt ein genauerer Blick auf die Zahlen. So stieg der Umsatz nicht nur für die 100-Watt Birnen und die matten Modelle, die Anfang September vom Markt verschwinden, sondern für alle - auch schwächeren - Glühbirnen.

Trotzdem ist sich die GfK sicher, dass die deutsche Glühbirnen-Nostalgie nur ein vorübergehendes Phänomen ist. "Das ist ein kurzfristiger Hype, der nicht lange halten wird", sagt GfK-Marktforschungsexpertin Alice Pirgov. In anderen EU-Ländern ging der Absatz nach einer GfK-Studie bereits deutlich zurück: In den Niederlanden wurden knapp 35 Prozent weniger Glühbirnen verkauft, in Großbritannien 23 Prozent und in Frankreich fast neun Prozent weniger.

Alternativen nicht pauschal verurteilen

Energiesparlampen leuchten in einem Baumarkt in Leipzig (Foto: dpa)

Über den Komfort von Energiesparlampen herrscht Uneinigkeit

Die Alternativen, die den Verbrauchern angeboten werden, heißen Energiesparlampe, Halogenleuchte und Leuchtioden (LED). Ihre Stärken liegen vor allem im niedrigen Stromverbrauch und in der bis zu zehnfachen Lebensdauer. Bei den aktuellen Hamsterkäufen von Glühbirnen schauen die Verbraucher aber in erster Linie auf den Preis. Eine herkömmliche Glühbirne kostet etwa einen Euro, eine Energiesparlampe dagegen fünf, eine Halogenglühlampe acht bis zehn und LED-Lampen sogar 25 bis 30 Euro.

Neben dem Preis gefällt vielen Verbrauchern das Licht der Energiesparlampen nicht. "Es gibt immer noch viele, die es als zu kalt empfinden", erklärt GfK-Expertin Pirgov. Doch Jan de Boer, der den Bereich Lichttechnik des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik leitet, warnt vor Pauschalurteilen. Es gebe inzwischen eine große Bandbreite an Energiesparlampen und Halogen-Leuchten, die dem Licht der herkömmlichen Glühbirne mehr oder weniger nahe kämen.

Der zweitgrößte europäische Hersteller, die Siemens-Tochter Osram, setzt schon lange auf die Alternativen zur Glühbirne: "Wir haben in den letzten 25 Jahren versucht, die Energiesparlampe in den Markt zu bringen", sagt Osram-Manager Christian Schraft. Glühbirnen machten heute nur noch fünf Prozent am Osram-Umsatz aus, der 2008 weltweit bei 4,6 Milliarden Euro lag. Gemessen an der Stückzahl verkauft das Traditionsunternehmen aber immer noch mehr von den herkömmlichen Birnen als von seinen Energiesparmodellen, räumt Schaft ein.

Verschiedene Glühlampen auf einem Haufen (Foto: dpa)

Verbraucher schlecht beraten

Der Weg zu einer beliebten und energiesparenden Beleuchtungs-Methode ist also noch lang. Ein Grund dafür: Verbraucher werden beim Kauf von Energiesparlampen einer Untersuchung zufolge schlecht beraten. Auch die Verkäufer seien nur unzureichend informiert, kritisierte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Viele Energiesparlampen verbrauchen weniger als ein Fünftel des Stroms, den vergleichbar helle Glühbirnen benötigen. Dass deshalb eine 100-Watt Glühbirne durch eine 20-Watt Energiesparlampe ersetzt werden kann, wussten laut Verbraucherzentrale NRW allerdings nur zwei Drittel aller Verkäufer. Ein Drittel habe zudem nicht gewusst, dass die quecksilberhaltigen Lampen im Sondermüll entsorgt werden müssen. Für das giftige Quecksilber als lichtspendende Chemikalie gebe es derzeit keine brauchbare Alternative, sagt Osram-Manager Schraft. "Alle anderen Möglichkeiten sind weniger effektiv", sagt er.

Zudem macht der Augsburger Produktion die Abschaffung von Anti-Dumping-Zöllen durch die EU-Kommission zu schaffen, die bis zum vergangenen Sommer den europäischen Markt vor Billigimporten von Energiesparlampen aus China großteils abschirmte. Osram hatte angekündigt, an seinen beiden Standorten Augsburg und Schwabmünchen 525 Stellen abzubauen, knapp ein Viertel der Belegschaft. 120 Mitarbeiter hätten das Unternehmen inzwischen freiwillig verlassen, sagte ein Osram-Sprecher. Über eine Produktionsumstellung und die künftige Ausrichtung werde im September mit Arbeitnehmervertretern und Lokalpolitiker weiter verhandelt.

Autorin: Julia Elvers-Guyot
Redaktion: Zhang Danhong

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