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Welt

EU-Lateinamerika-Stiftung mit Startproblemen

Die Stiftung unter Leitung der früheren EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner soll ihre Arbeit spätestens Anfang 2012 aufnehmen. Über die inhaltliche Ausrichtung ist allerdings noch wenig bekannt.

Hamburg, Binnenalster (Foto: AP)

Hamburg hat sich gegen Rom und Madrid durchgesetzt und wird Sitz der neuen EU-Lateinamerika-Siftung

Ein Jahr nach der Gründung der Stiftung auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Madrid soll die neue Forschungseinrichtung jetzt so bald wie möglich ihre Arbeit in Hamburg aufnehmen. Ziel der Stiftung ist es, die gesamten Beziehungen zwischen der EU und den Ländern von Mexiko bis Feuerland in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft zu koordinieren und zu vertiefen. Über konkrete Vorhaben ist jedoch bislang kaum etwas bekannt - ein Umstand, den andere europäische Institutionen bereits zu ihrem Vorteil genutzt haben.

So haben sich bereits einige Wissenschaftler des GIGA-Instituts für Lateinamerikakunde (ILAS), ebenfalls mit Sitz in Hamburg, besorgt darüber geäußert, dass Partnerinstitutionen wie das Institut des Amériques in Paris und die Regionalregierung der Lombardei – eine der am dichtesten besiedelten und wohlhabendsten Regionen der EU – vorgeprescht seien und eigene Kompetenzfelder abgesteckt hätten.

"Großes Stück vom Kuchen"

Benita Ferrero Waldner (Foto: AP)

Ex-EU-Außenkommissarin Ferrero-Waldner wird die neue Stiftung leiten

Das Pariser Amerika-Institut hat angekündigt, den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zwischen der EU und Lateinamerika zu koordinieren. Die Lombardei ihrerseits sieht sich als Vorreiter für die Vermittlung von Partnerschaften zwischen kleinen und mittleren Unternehmen zur Förderung von Innovation, Forschung und internationalem Technologietransfer.

ILAS-Direktor Detlev Nolte hatte bereits vor einiger Zeit gewarnt, wenn die EU-Lateinamerika-Stiftung nicht bald ihre Arbeit in Hamburg aufnehme, werde auch Spanien sich noch "ein großes Stück vom Kuchen" sichern. Nolte erinnerte daran, dass Spanien die Stiftung ursprünglich in Madrid ansiedeln wollte, nachdem bereits auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel 1999 über dieses Vorhaben diskutiert worden war.

Gute finanzielle Ausstattung

Auch wenn über die inhaltliche Ausrichtung noch nicht viel bekannt ist, hat ILAS-Direktor Nolte bereits durchblicken lassen, dass die neue Stiftung finanziell gut ausgestattet sein wird. Die EU-Kommission wird für die kommenden zwei Jahre drei Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die Bundesregierung beteiligt sich allein im laufenden Jahr mit knapp 300.000 Euro am Etat. Die Hansestadt Hamburg wird die Räumlichkeiten für das neue Institut zur Verfügung stellen und die Mietkosten mit jährlich rund 60.000 Euro bezuschussen.

Jorge Valdez Carrillo und Jose Manuel Barroso (Foto: AP)

Perus EU-Botschafter Jorge Valdez Carrillo (l.), hier mit EU-Kommissionspräsident Barroso

Die frühere EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner ist Ende April in Santiago de Chile zur Vorsitzenden der EU-Lateinamerika-Stiftung gewählt worden. Zum geschäftsführenden Direktor wurde der derzeitige EU-Botschafter von Peru, Jorge Valdez Carrillo ernannt. Die Stiftung wird der Rechtsform nach eine internationale Organisation sein und nicht dem deutschen Recht unterliegen. Dadurch erhalten die Gesandten der europäischen und lateinamerikanischen Länder diplomatische Immunität. Das entsprechende internationale Abkommen muss jedoch erst noch unterzeichnet und von den Mitgliedsländern auf beiden Seiten des Atlantiks ratifiziert werden. Das kann erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr dauern, so dass die EU-Lateinamerika-Stiftung in Hamburg ihre Arbeit nicht vor 2012 aufnehmen wird.

Die Hansestadt ist bereits Sitz des Instituts für Lateinamerika-Studien (ILAS) und des Lateinamerikavereins der deutschen Wirtschaft.

Autor: Evan Romero-Castillo
Redaktion: Mirjam Gehrke