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Testseite Wirtschaft

EU-Länder fischen schwarz

Wegen illegaler Fischerei schrumpft der Fischbestand in EU-Gewässern stetig. Nun hat die EU-Kommission ein Fangverbot für Thunfisch verhängt, doch Umweltschützer und Fischer kritisieren: Es fehlt an Kontrollen.

Fischerboot mit Netz, Foto: AP

In diesem Jahr haben EU-Fischer ihre Fangquote für Thunfisch schon ausgeschöpft

EU-Fischer im östlichen Atlantik und im Mittelmeer dürfen keinen Thunfisch mehr fangen: Die EU-Kommission hat am Mittwoch (19.9.) ein Fangverbot für den Roten Thun verordnet. Umweltschützer von Greenpeace kritisieren, die Entscheidung komme "Monate zu spät".

Laut EU-Kommission werden die Thunfischbestände im östlichen Atlantik und im Mittelmeer seit vielen Jahren überfischt - häufig illegal. "Es liegt auf der Hand, dass wir es hier sowohl mit der Überfischung eines ohnehin schon vom Zusammenbruch bedrohten Bestands als auch dem Problem der gerechten Lastenverteilung zwischen den Mitgliedstaaten zu tun haben“, so der zuständige Kommissar Joe Borg.

Unterwasser-Aufnahme eines Tunfisches, Foto: AP

Wir immer seltener: Der Thunfisch im Atlantik

In diesem Jahr hat die EU ihre Fangquote von knapp 17.000 Tonnen für den Roten Thun ausgeschöpft. Da Italien und Frankreich im Juli und August den Thunfischfang eingestellt haben, sind von dem Fangverbot noch Zypern, Griechenland, Malta, Portugal und Spanien betroffen. Mitgliedstaaten, die ihren Anteil noch nicht abgefischt haben, werden entschädigt.

Anreize zum Schwarzfischen

Roter Thun ist besonders in Japan als Sushi beliebt. Je nach Größe des Exemplars werden auf dem Weltmarkt Preise in Höhe von mehreren Tausend Dollar erzielt. "Das bietet natürlich einen enormen Anreiz für die Ländern, sich nicht an die Quoten zu halten", sagt Karoline Schacht von der Umweltschutzorganisation WWF. Weil die Bestände abnehmen, hat die Internationale Kommission zur Erhaltung des atlantischen Thunfisches (ICCAT) schon 2006 empfohlen, die Fangquote zu halbieren.

"Statt dessen blieb die Quote fast so hoch wie im Vorjahr – die Fischerei-Lobby hat mal wieder gesiegt", sagt Stefanie Werner von Greenpeace. Vor allem die Mittelmeer-Anrainerstaaten hätten ihre Quoten überschritten. Greenpeace fordert nun, den Fang so lange einzustellen, bis die ICCAT einen "verantwortungsbewussten" Managementplan verabschiedet hat.

Illegaler Fang auch in der Ostsee

Der Thunfisch ist aber nicht die einizige Art, der es an den Kragen geht. Auch die Bestände von Aal oder Dorsch sind der EU-Kommission zufolge in keinem guten Zustand. Als Hauptgrund des Fischschwunds nennt die Kommission vor allem wachsenden illegalen Fischfang.

Thunfischfang vor Sizilien: Fischer legen ihre Netze aus, Foto: dpa

Vor allem Staaten an Mittelmeer und Ostsee überschreiten ihre Fangquoten

Dem WWF zufolge sind etwa 50 Prozent aller Dorschfänge in der Ostsee gesetzeswidrig - das sind etwa jährlich bis zu 22.000 Tonnen, wie das Bundesministerium für Landwirtschaft bestätigt. Das Ministerium geht zudem davon aus, dass in den vergangenen Jahren jährlich über 100.000 Tonnen Barentsseekabeljau illegal gefangen wurden.

Auch hier ist die EU-Kommission eingeschritten: Weil die polnischen Fischer nach ihren Erkenntnissen im ersten Halbjahr 18.000 Tonnen Kabeljau gefischt, aber nur 6000 Tonnen gemeldet haben, hat Brüssel Polen im Juli verboten, weiter Kabeljau zu fangen.

Kontrollen sind nicht effektiv

Damit sich die Bestände erholen können, soll im kommenden Jahr die Fangquote für Dorsch in der Ostsee um bis zu einem Drittel gesenkt werden. Die deutschen Fischer finden das ungerecht. Sie fordern die EU auf, durch bessere Kontrollen die illegale Fischerei zu unterbinden: "Wenn die Schwarzfischerei um die Hälfte reduziert würde, gäbe es keine Probleme mit dem Dorschbestand", sagt Lothar Fischer, Vorstandsmitglied des Deutschen Kutter- und Küstenfischereiverbands. Das Fangverbot mache deutlich: "Die EU traut ihren eigenen Kontrollmaßnahmen nicht."

Mann mit einer Portion Fisch & Chips, Foto: dpa

Große Nachfrage: Fast 22 Kilo Fisch isst jeder EU-Bürger im Schnitt pro Jahr

Kontrollen führen die Mitgliedsstaaten selbst durch, indem sie etwa Ausladungen an Häfen überwachen oder Fangflotten auf hoher See überprüfen. Die Fischereiaufsicht der EU kontrolliert, ob die Länder ihre Aufgaben erfüllen. Allerdings zeige die Erfahrung, dass die Mitgliedsstaaten nicht ausreichend prüfen, so Werner von Greenpeace.

Die EU-Kommission sieht die Schuld bei den Mitgliedsstaaten: Die Aufdeckungsrate und Höhe der Strafen blieben viel zu niedrig, um potenzielle Täter effektiv abzuschrecken. "Die Bußgelder sind von Staat zu Staat unterschiedlich", sagt Schacht vom WWF. Sie lägen in Deutschland etwa 400 Prozent höher als in Lettland. "Was wir brauchen, ist eine EU-weite gleichartige Kontrolle."

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