EU-Länder billigen Zulassung von Glyphosat für weitere fünf Jahre | Aktuell Europa | DW | 27.11.2017
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Umstrittener Unkrautvernichter

EU-Länder billigen Zulassung von Glyphosat für weitere fünf Jahre

Die EU hat die Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat verlängert. Auch Landwirtschaftsminister Schmidt stimmte zu. Das sorgt nun für Ärger: Laut Umweltministerin Hendricks war dies nicht abgesprochen.

Von den 28 EU-Ländern stimmten 18 für einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission, wie die Behörde mitteilte. Sie werde die Entscheidung vor dem Ablauf der Glyphosat-Genehmigung Mitte Dezember umsetzen. In der EU wird seit Jahren über den weit verbreiteten Unkrautvernichter gestritten.

Streit um Neuzulassung

Das Verfahren um die Neuzulassung zog sich monatelang hin, weil sich im Kreis der Mitgliedsländer lange weder dafür noch dagegen eine ausreichende Mehrheit fand. Die EU-Kommission wollte zunächst eine Verlängerung um zehn, dann sieben, dann fünf Jahre. Damit setzte sie sich jetzt durch. 

Das Europaparlament hatte sich im Oktober dafür ausgesprochen, Glyphosat ab sofort nur noch sehr eingeschränkt zuzulassen und bis 2022 schrittweise zu verbieten. 

Vertrauensbruch innerhalb der Bundesregierung

Deutschland gehört zu den 18 EU-Ländern, die für den Vorschlag der Kommission stimmten. Dies kritisierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) als Vertrauensbruch. Sie habe noch am Montag gegenüber Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) erklärt, sie sei "mit einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat weiterhin nicht einverstanden". Dennoch habe der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums in Brüssel für eine Verlängerung gestimmt - wer an "Vertrauensbildung zwischen Gesprächspartnern interessiert" sei, könne sich so nicht verhalten. 

Krebserregend oder nicht?

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. Untersuchungen von europäischen Lebensmittelsicherheits- und Chemiebehörden sowie aus Kanada und Japan bestätigen diesen Verdacht allerdings nicht.

Der Wirkstoff wird seit 40 Jahren auf Feldern eingesetzt. Er ist Kernbestandteil in dem umsatzstarken Mittel Roundup des US-Saatgutriesen Monsanto, den Bayer für mehr als 60 Milliarden Dollar kaufen will.

cr/se (dpa, afp, rtr)