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Eurozone

EU-Kommission erwartet deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum

Die Wirtschaft in der Eurozone wird nach Einschätzung der EU-Kommission im laufenden Jahr sehr viel kräftiger wachsen als bislang angenommen. Löhne und Gehälter sollten schneller steigen.

Die Wirtschaft in den 19 Euro-Ländern wächst nach Ansicht der EU-Kommission in diesem Jahr so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum dürfte um 2,2 Prozent zulegen und damit stärker als noch im Frühjahr mit 1,7 Prozent erwartet. Das geht aus der Herbstprognose der Brüsseler Behörde vom Donnerstag hervor. Für 2018 erhöhte die Kommission ihre BIP-Schätzung auf 2,1 (bisher: 1,8) und für 2019 rechnet sie mit 1,9 Prozent Wachstum.

"Wirtschaft und Beschäftigung wachsen robust, die Investitionen ziehen an und die öffentlichen Defizite und Schuldenstände gehen allmählich zurück", sagte EU-Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis. Die Politik müsse dafür sorgen, "dass das Wachstum überall in der Gesellschaft ankommt". EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici fügte hinzu: "Bestimmte Probleme wie die hohe Verschuldung und die verhaltenen Lohnanstiege bestehen fort."

Optimismus für den Arbeitsmarkt

Für den Arbeitsmarkt zeigte sich die Kommission optimistisch. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote werde 2017 bei 9,1 Prozent liegen und damit auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Der Wert dürfte weiter stetig sinken und 2019 auf 7,9 Prozent sinken. Die Zahl der Beschäftigten wird voraussichtlich neue Rekorde erreichen.

Die Inflation im Euro-Raum dürfte sich in diesem Jahr bei durchschnittlich 1,5 Prozent einpendeln, 2018 auf 1,4 Prozent sinken und 2019 wieder auf 1,6 Prozent klettern. Damit würde die Europäische Zentralbank ihr Ziel einer Jahresteuerung von knapp zwei Prozent auf Jahre hinaus verfehlen.

Spitzenreiter Malta

Spitzenreiter beim Wachstum unter den 19 Euro-Ländern dürfte erneut Malta werden; hier erwartet die EU-Kommission für 2017 ein Plus von 5,6 Prozent. Kräftig anziehen werde die Konjunktur auch in Irland (4,8 Prozent) und Slowenien (4,7 Prozent). Die deutsche Wirtschaft wächst laut Prognose 2017 mit 2,2 Prozent genau so schnell wie der gesamte Euro-Raum und legt demnach 2018 um 2,1 Prozent und 2019 um 2,0 Prozent zu.

Die anderen Schwergewichte Frankreich und Italien hängen der Kommission zufolge 2017 bis 2019 jeweils der Entwicklung in der Währungsunion hinterher. In Frankreich pendelt das Wachstum rund um 1,6 Prozent, in Italien dürfte sich das Plus von 1,5 Prozent in diesem Jahr bis 2019 auf 1,0 Prozent verlangsamen.

Risiken bleiben

Für Spanien erwartet die Kommission für 2017 ein Wachstum von 3,1 Prozent. Die Verfassungskrise um Katalonien habe die Märkte bislang kaum bewegt. Allerdings sei noch nicht abzuschätzen, wie sich der Konflikt in den kommenden Jahren auf das Wachstum auswirken werde.

Als Risiken für die Konjunktur im Euro-Raum sehen die EU-Experten etwa erhöhte geopolitischen Spannungen wie die Krise um Nordkorea, schlechtere weltweite Finanzierungsbedingungen und die Abschottung von Märkten im Welthandel.

ul/dk (rtr, dpa)