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Fokus Osteuropa

EU-Hilfe für Hochschulreform in Kirgisistan

Das kirgisische Hochschulwesen soll mit EU-Fördermitteln verbessert werden. Die Reformen lehnen sich an den Bologna-Prozess an. Ziel ist vor allem die Bekämpfung von Korruption.

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Universität Bischkek

Die Vertretung der Europäischen Kommission in Bischkek stellt erneut über eine Million Euro für Reformen im kirgisischen Hochschulwesen bereit. Die Koordinatorin des Tempus-Programms in Kirgisistan, Gulnara Tschokuschewa, berichtete im Gespräch mit der Deutschen Welle, seit dem Jahr 2000 seien bereits fünf Millionen Euro in Projekte geflossen, an denen sich fast alle großen Hochschulen des Landes beteiligt hätten.

"Die Hochschulen lernen von europäischen Experten, es findet ein Erfahrungsaustausch statt und es werden Fortbildungen organisiert", erläuterte Tschokuschewa. Entsprechende Programme, die sich an den Bologna-Prozess anlehnten, gebe es auch in den anderen fünf zentralasiatischen Staaten. Tschokuschewa zufolge soll die jetzige Finanzhilfe vor allem zur Korruptionsbekämpfung an kirgisischen Hochschulen verwendet werden. Ferner sollten Studenten die Möglichkeit bekommen, auch Hochschulen in Europa zu besuchen. Tschokuschewa meint, die Umsetzung des Bologna-Prozesses werde die Qualität der Ausbildung an kirgisischen Hochschulen verbessern.

Wirtschaft statt Ideologie

Fachleute bewerten das Niveau der Universitäten in Kirgisistan kritisch. Die Bildungsexpertin Gajscha Ibragimowa sagte der Deutschen Welle, das kirgisische Hochschulwesen strebe europäische Standards an. Ihrer Meinung nach hat das Bildungssystem noch immer eine große Schwachstelle: Es sei nicht auf die Bedürfnisse des realen Arbeitsmarktes ausgerichtet.

"Historisch hat es sich so ergeben, dass das Bildungssystem nie dem Arbeitsmarkt diente, sondern der Staatspolitik. Das System erfüllte nicht nur die Funktion, Arbeitskräfte auszubilden, sondern spielte eine gewaltige ideologische Rolle", erläuterte Ibragimowa. Seit 17 Jahren sei Kirgisistan allerdings realen Wirtschaftsbedingungen ausgesetzt, aber noch immer würden die Verantwortlichen das Bildungssystem vor allem als eine ideologische Institution begreifen.

Kritik an bisherigen Reformen

Ein großes Problem im Hochschulwesen ist nach wie vor die Korruption. Der kirgisische Student Roman Wejzel berichtet der Deutschen Welle, es sei kein Geheimnis, dass für gute Noten auch Schmiergeld fließe, und zwar an praktisch allen der 40 Hochschulen des Landes. Der Student meint, alle Reformen würden durch die Korruption an den Hochschulen zunichte gemacht - auch der Bologna-Prozess. Zum Studium nach Europa würden in erster Linie nicht die begabten Studenten fahren, sondern diejenigen, die sich einen entsprechenden Platz "erkaufen" könnten.

"Als das landesweite Abitur eingeführt wurde, hieß es, das sei eine wirklich gute Reform, die alle gleichstellen werde. Aber wir sehen, dass die Leute die Noten einfach ‚kaufen’", so Wejzel. Der Student räumt allerdings ein, auch in Kirgisistan könne man inzwischen mit Selbstdisziplin eine gute Ausbildung erzielen. Wichtig sei es, dass man bereits vor dem Hochschulabschluss in das Arbeitsleben einsteige.

Saida Jusupchanowa/Markian Ostaptschuk
Redaktion: Bernd Johann