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Fokus Osteuropa

EU friert Beitrittsverhandlungen mit Türkei teilweise ein

Die EU-Außenminister haben sich geeinigt: In acht von 35 Bereichen sollen die Verhandlungen mit der Türkei auf Eis gelegt werden. Ein Ultimatum ist vom Tisch. Zudem scheint ein Ende der Isolierung Nordzyperns möglich.

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Nach zehnstündigen Beratungen haben sich die 25 EU-Außenminister am Montagabend (11.12.) doch noch auf einen Kompromiss geeinigt. Die Beitritts-Verhandlungen mit der Türkei werden zum Teil auf Eis gelegt.

Einige Staaten, wie die Niederlande, Griechenland und Zypern wollten zehn der 35 Verhandlungs-Kapitel nicht eröffnen. Eine andere Gruppe um Großbritannien und Spanien wollte lediglich drei Kapitel aussetzen. Schließlich verständigten sich die Außenminister auf den ursprünglichen Vorschlag der EU-Kommission, so Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier: "Die Zahl der Verhandlungs-Kapitel, die vorläufig nicht geöffnet werden, bleibt, wie von der Kommission vorgeschlagen und von uns unterstützt, bei acht Kapiteln."

Regelmäßige Kontrollen

Die Verhandlungen in diesem Teil-Bereich sollen solange nicht eröffnet werden, wie die Türkei sich weigert, ihre Häfen und Flughäfen für das EU-Mitgliedsland Zypern zu öffnen, und damit das Ankara-Protokoll über die Zoll-Union umzusetzen. Jedes Jahr will der Minister-Rat nun überprüfen, ob die Türkei ihren Verpflichtungen in Bezug auf Zypern nachkommt, sagte Außenminister Steinmeier nach der Sitzung: "Damit ist klar, dass dieser Kompromiss, den wir heute gefunden haben, weder Fristen enthält, wie das von einigen gewünscht wurde, noch ein Ultimatum enthält, wogegen ich in den letzten Tagen gestritten habe. Wir haben es bei diesem Überprüfungs-Mechanismus mit einem offenen und flexiblen Instrument zu tun."

Damit ist auch die strengere Revisions-Klausel vom Tisch, die sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vorstellen konnte. Er habe dies mit der Kanzlerin mehrfach telefonisch während des zähen Ringens in Brüssel abgestimmt, versicherte Außenminister Steinmeier. Zwischen ihm und Merkel gebe es keine Meinungsunterschiede. Die Staats- und Regierungschefs der EU müssen bei ihrem Gipfel-Treffen am Donnerstag (14.12.) und Freitag (15.12.) jetzt nicht mehr zwingend die Beitritts-Gespräche mit der Türkei behandeln.

Neue Ansätze für Zypern-Problem

Die Republik Zypern, deren Nordteil seit über 30 Jahren von türkischen Truppen besetzt ist, sagte zu, den direkten Handel zwischen dem türkischen Nordzypern und der EU nicht länger zu blockieren. Dies solle im Januar unter deutscher Präsidentschaft formell beschlossen werden, kündigte Außenminister Steinmeier an.

Außerdem fordert die EU die Vereinten Nationen auf, einen neuen Anlauf zu wagen, um eine politische Lösung des Zypern-Problems zu finden. 2004 hatten die griechischen Zyprer kurz vor dem Beitritt Zyperns zur EU eine Wiedervereinigung nach einem UN-Plan mit dem türkischen Norden abgelehnt. Der deutsche Außenminister nannte das Paket, das die EU am Montag (11.12.) verabschiedete, angemessen und ausgewogen: "Ich finde auch, wenn man den ganzen Tag Beratungen hinter sich hat, es findet sich ziemlich in der Mitte. Damit liegen wir mit dem Paket nicht ganz falsch und ich hoffe, dass es seine beabsichtigte Wirkung entfaltet."

Die EU-Außenminister hoffen, dass die Türkei jetzt einlenkt und in absehbarer Zeit ihre Häfen und Flughäfen öffnet und damit Zypern völkerrechtlich zumindest indirekt anerkennt. Das Angebot Ankaras von vergangener Woche, nur einen Hafen unter Bedingungen zu öffnen, wurde von EU-Diplomaten als nicht ausreichend zurückgewiesen. Es spielte bei den Beratungen der Außenminister keine Rolle.

Bernd Riegert, Brüssel
DW-RADIO, 11.12.2006, Fokus Ost-Südost