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Politik

EU fordert Aufklärung im Mordfall Estemirowa

Die Europäische Union und die USA haben den Mord an der russischen Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa scharf verurteilt. Die 50-Jährige war am Mittwoch erschossen aufgefunden worden.

Natalja Estemirowa

Natalja Estemirowa 1959-2009

Die EU-Ratspräsidentschaft forderte eine rasche Aufklärung im Mordfall Natalja Estemirowa. "Wir verurteilen diese brutale Tat und rufen die Behörden auf, herauszufinden, wer verantwortlich ist", erklärte Schwedens Außenminister Carl Bildt. Der Mord richte die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit, Menschenrechtler in Russland zu schützen.

Trauer und Entsetzen

Jerzy Buzek (Foto: AP)

Fordert Aufklärung: Jerzy Buzek

Der neue Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, reagierte im Namen der EU-Abgeordneten mit "großer Trauer" auf den "tragischen Tod" Estemirowas. Es müsse alles dafür getan werden, um die Mörder vor Gericht zu bringen, verlangte auch Buzek.

US-Außenamtssprecher Ian Kelly würdigte Estemirowa als "angesehene" Persönlichkeit, die sich ganz der Aufgabe verschrieben habe, vor allem in Tschetschenien Menschenrechtsverletzungen ans Licht zu bringen.

Kollegen der Ermordeten erhoben schwere Vorwürfe gegen die Kreml-treue Regierung in Tschetschenien. "Ich bin überzeugt, dass hinter der Bluttat die Führung der Teilrepublik Tschetschenien steht", sagte Orlow, der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "Memorial".

Entführt in Grosny

Natalja Estemirowa war am Mittwoch (15.07.2009) im Nordkaukasus verschleppt worden. Wie es hieß, wurde sie von mehreren Männern in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny in ein Auto gezerrt. Wenige Stunden später wurde sie erschossen in der Nachbarrepublik Inguschetien aufgefunden, wie das inguschetische Innenministerium mitteilte. Die Aktivistin sei durch zwei Kopfschüsse gestorben, die offenbar aus nächster Nähe abgefeuert wurden.

Dmitri Medwedew (Foto: dpa)

Verspricht Aufklärung: Dmitri Medwedew

Russlands Präsident Dmitri Medwedew habe mit Empörung auf die Tat reagiert, sagte eine Kreml-Sprecherin. Er habe unverzüglich eine Untersuchung eingeleitet.

Viele Feinde

Als führendes Mitglied der renommierten russischen Nichtregierungsorganisation "Memorial" war Estemirowa eine der prominentesten Menschenrechtlerinnen in Russland. Mit ihren auch in der regierungskritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" veröffentlichten Berichten über grobe Menschenrechtsverstöße in Tschetschenien, dem früheren Kriegsgebiet, machte sie sich viele Feinde. Auf Bitten einfacher Leute ging die studierte Historikerin Vermisstenfällen nach, sammelte Hinweise auf Entführungen, Folter und sogar Morde und setzte sich für den Schutz von Kriegsopfern ein.

Vielen westlichen Journalisten war Estemirowa als Informantin vertraut. Doch wer mit ihr sprechen wollte, musste sich oft an geheimen Orten gegen den Widerstand der Behörden des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow mit ihr verabreden. Bei Telefonaten mit Estimirowa brach stets innerhalb weniger Minuten die Leitung zusammen.

Enge Kontakte zu Politkowskaja

Anna Politkowskaja (Foto: dpa)

Ermordet: Anna Politkowskaja

Estemirowa war eine enge Freundin der 2006 ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja, die ebenfalls als engagierte Kämpferin für Menschenrechte im Kaukasus galt. Auch soll die Historikerin mit dem im Januar in Moskau getöteten Rechtsanwalt Stanislaw Markelow zusammengearbeitet haben. Für ihre Arbeit war sie 2007 mit dem Anna-Politkowskaja-Preis ausgezeichnet worden. (wa/se/dpa/ap/afp/rtr)

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