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Fokus Osteuropa

EU-Enthusiasmus in Albanien

Mit der Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens hat Albanien einen großen Schritt in Richtung EU-Beitritt getan. Die Menschen hoffen auf einen raschen Beitritt. Aber der Weg dorthin ist noch weit.

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Lages Warten auf EU-Beitritt in Tirana?

Auff dem Weg zu einem EU-Beitritt verzeichnet Albanien einen ersten Erfolg. Am Montag (12.6.) wurde das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Doch bis das 3,2 Millionen Einwohner zählende Land den offiziellen Status als EU-Beitrittskandidat erlangt, gibt es noch eine Menge zu tun. Eine Flut von neuen Regeln in Wirtschaft und Politik wird das Leben der Menschen in Albanien verändern.

Viele Hoffnungen

Zugleich wachsen in der EU die Vorbehalte gegenüber neuen Erweiterungsrunden. Die Europa-Euphorie der Albaner wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die albanische Ministerin für Integration, Arenca Troshani, versteht die europäischen Zweifel an weiteren EU-Erweiterungen. Sie weist jedoch auf die Hoffnungen ihrer Landsleute hin: "Die Albaner bleiben optimistisch. Die Albaner wünschen sich seit langem, der europäischen Familie anzugehören. Vielleicht wünschen sie dies auch, weil sie nicht die Einzelheiten eines Beitrittes kennen."

Politisch gut informierte Albaner zeigen Verständnis für die Ängste der Europäer. Huzri Hoxha ist einer von ihnen. Als Vertreter des deutschen Unternehmers "Knauf" in Albanien, kennt er beide Welten sehr gut. Er sagt: "Die europäischen Länder werden eine große Last auf sich nehmen. Denn der Beitritt ärmerer Länder zur EU bedeutet einfach, dass sie ihren Standard senken müssen. Andererseits haben die EU -Länder auch ihre eigenen Interessen dabei."

Ziel Reisefreiheit

Die Erweiterungsmüdigkeit in Europa überhören viele Menschen in Albanien. Für sie, ist und bleibt Europa das Ziel. Vor allem aber bedeutet die EU die lang ersehnte Reisefreiheit, wie die Ministerin für Integration, Arenca Trashani betont:

"16 Jahre nach der Wende stehen die Albaner immer noch stundenlang vor den Toren der westlichen Botschaften, um ein Visum zu bekommen. Jetzt gibt es diese konkrete Hoffnungen, dass diese langen Schlangen ein Ende haben werden. Psychologisch kann man diesen EU-Enthusiasmus verstehen."

Harte Reformen notwendig

Aber es gibt in Albanien auch nüchterne Stimmen. Aleksander Çipa, ein bekannter albanischer Publizist beklagt, die Albaner sähen der Realität nicht ins Auge. Er kritisiert populistische Vorstellungen von einer EU-Integration seines Landes. Viele Politiker nützten Versprechungen für einen raschen EU-Beitritt, um die eigene Beliebtheit zu steigen. Die Menschen würden nicht mit der Wahrheit konfrontiert, dass die Annäherung an Europa harte Reformen in Albanien verlangen würde. Er sagt: "In Albanien herrscht immer noch die Illusion, dass unendliche Erleichterungen auf uns zukommen werden, wenn wir der EU beitreten, welche Gelder dann fließen werden. Die Menschen sehen meistens die EU unter dem Aspekt der Visumsabschaffung. Sie haben keine reale Vorstellung davon, was es heißt, in Europa einen Platz zu haben."

Zu wenig Informationen

Es herrsche Informationsmangel über die Integrationsprozesse, betont Aleksander Çipa. Die albanischen Medien würden meist den Blick nicht über den Tellerrand hinaus richten. Das versucht gerade das Ministerium für Integration zu ändern. Informationsverbesserung und die Aufklärung der Bevölkerung, gehören zu den Prioritäten der Ministerin. Frau Trashani erklärt: "Es ist sehr wichtig, die Bevölkerung zu informieren, was auf uns zu kommt. Es gibt nicht nur das schöne Europa. Es ist nicht so, dass die Europäer es kaum erwarten können, bis wir da sind. Wir müssen den Menschen klar machen, was von uns Albanern erwartet wird. Deshalb haben wir eine Strategie der Kommunikation entwickelt. Ziel ist es, alle konkret zu informieren, bis zum einfachsten Menschen."

Vielleicht wird diese Aufklärung die Albaner ernüchtern. Denn mit der Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU hat für Albanien die eigentliche Arbeit erst begonnen. Brüssel hat es deutlich ausgedrückt: Albanien soll die im Land als "die 51 Aufgaben der EU" bekannten Bestimmungen erfüllen, nur danach soll es im EU-Annäherungsprozess weiter gehen. Konkret heißt das, viele neue Regeln müssen in wirtschaftlichen, politischen und sozialen Bereichen eingeführt werden.

Lindita Arapi
DW-RADIO/Albanisch, 13.6.2006, Fokus Ost-Südost

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