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Europa

EU debattiert Einsatz von Nacktscannern

Die Niederlande werden sie einführen, in Deutschland wird überlegt, in Großbritannien eifrig getestet. Die umstrittenen "Nacktscanner" zur Personenkontrolle an Flughäfen könnten bald europaweit zum Standard werden.

Ein Passagier wird im Körperscanner am Flughafen Schiphol in den Niederlanden überprüft (Foto: AP)

Nacktscanner in den Niederlanden am Flughafen Schiphol

Müssen bald alle Flugpassagiere in Europa vor dem Flug in die USA durch einen Ganzkörperscanner laufen? Seit dem missglückten Terroranschlag am 25.12.2009, bei dem ein Nigerianer eine in Amsterdam gestartete Maschine kurz vor der Landung in den USA in die Luft sprengen wollte, wird in der Europäischen Union heftig über den Einsatz so genannter Nacktscanner diskutiert. Experten zufolge hätte damit der Sprengstoff am Körper des Attentäters möglicherweise entdeckt werden können.

EU-Vorreiter bei den Nacktscannern sind die Niederlande

Die Niederlande und Großbritannien kündigten bereits an, die Körperscanner zeitnah einführen zu wollen. In wenigen Wochen sollen alle USA-Reisende auf dem internationalen Flughafen Schiphol bei Amsterdam durch die dort bereits getesteten Nacktscanner laufen. Eine überhastete Entscheidung, findet die niederländische Europabgeordnete Sophia in't Veld: "Die Regierung hat nicht ausreichend darüber nachgedacht, ob die Scanner das sind, was wir wirklich brauchen".

Anstatt eine technische Neuerung nach der anderen einzuführen, sollte lieber die Zusammenarbeit der europäischen Anti-Terrorfahnder intensiviert werden, so die Liberale in't Veld. "Denn technische Hindernisse können die Täter immer umgehen und sich etwas anderes einfallen lassen." Die Ganzkörperscanner könnten zudem nur außen am Körper befindliche Materialen entdecken.

EU-Arbeitsgruppe soll Handlungsbedarf ermitteln

Die Körperscanner seien ein "nützliches, zusätzliches Werkzeug", hieß es dagegen aus der EU-Kommission, die bereits im Jahr 2008 europaweite Standards für Körperscanner vorgeschlagen hatte. Doch nach massiver Kritik und Ablehnung aus dem Europaparlament wurde dieser Vorstoß wieder fallen gelassen.

Die EU-Kommission wird in den nächsten Tagen eine Expertengruppe auf Ebene der Mitgliedsstaaten zusammenrufen. Diese soll über eine mögliche Harmonisierung der nationalen Regelungen sprechen. Die Nationalstaaten benötigen jedoch keine EU-Richtlinie, um die Scanner einzuführen. Jedes Land darf eigenständig Körperscanner einführen, so lange sie nicht gegen nationales Recht oder EU-Vorschriften verstoßen.

Verletzung der Privatsphäre und Gesundheitsrisiken?

Nackscanner-Bild einer Person am Flughafen Schiphol in den Niederlanden (Foto: dpa)

Zu großer Eingriff in die Privatsphäre?

In Großbritannien scheint es ein Problem mit den Kinderschutzgesetzen zu geben. Die Bilder der Nacktscanner seien zu pornographisch, kritisierten Bürgerrechtler. Deshalb dürften bei den aktuell durchgeführten Tests an britischen Flughäfen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht gescannt werden.

Heftig diskutiert wird in der EU auch, ob die Scanner wirklich ungefährlich sind. Viele Europaparlamentarier verweisen auf potenzielle Gesundheitsrisiken neben der Verletzung der Privatsphäre. In Russland, wo die Scanner bereits seit mehreren Jahren ständig eingesetzt werden, gab es noch keine Klagen.

Autor: Susanne Henn
Redaktion: Nicole Scherschun

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