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Wirtschaft

EU-Bericht: Gravierende Sicherheitsmängel bei E.ON

Der größte deutsche Energiekonzern E.ON trägt die Schuld für den Stromausfall in weiten Teilen Westeuropas im vergangenen November. Dies stellt die EU in einem Bericht fest, der am Dienstag vorgestellt wurde.

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"E.ON hat den Stromausfall verursacht und ist dafür haftbar", sagte EU-Energiekommissar Andris Piebalgs am Dienstag (30.1.) bei der Vorstellung des Abschlussberichts des europäischen Stromnetzverbands UCTE. Bei der Sparte E.ON Netz, von der die Strompanne ausging, gab es demnach gravierende Sicherheitsmängel. Außerdem sei zu wenig investiert worden. Nach der Panne saßen 15 Millionen Menschen in weiten Teilen Westeuropas im Dunkeln.

Andris Piebalgs

EU-Kommissar Andris Piebalgs (Archivbild)

In dem UCTE-Bericht im Auftrag der EU-Kommission heißt es, E.ON Netz habe "keine Sicherheitsverfahren eingeführt und verfügte nicht einmal über alle technischen Instrumente, um überprüfen zu können, ob das Netz innerhalb der Sicherheitsgrenzen betrieben wurde". Die Experten kritisieren auch die Informationspolitik von E.ON scharf: Andere europäische Netzbetreiber seien über die Panne und ihre gravierenden Auswirkungen nicht informiert worden. Dadurch habe es einen "Dominoeffekt" gegeben, der zum Zusammenbruch der Netze in vielen EU-Staaten führte, sagte Piebalgs.

Schwerste Störung in der Geschichte

Der Kommissar widersprach zugleich Aussagen des Unternehmens, die Panne gehe allein auf menschliches Versagen zurück. Der Fehler sei zwar durch zwei Ingenieure ausgelöst worden. E.ON sei aber dafür verantwortlich, da Milliardengewinne nicht in die Netze und ihre Sicherheit investiert worden seien. "E.ON muss aufkommen für den entstandenen Schaden", unterstrich er. Ein Schadenersatz setze allerdings eine Klage vor Gericht voraus.

BdT Norwegian Pearl fährt über die ems zur Nordsee

Das Kreuzfahrtschiff 'Norwegian Pearl' wurde im November 2006 von Papenburg zur Nordsee überführt

Der Stromausfall war dem Bericht zufolge die "schwerste Störung" in der Geschichte des vor mehr als 50 Jahren gegründeten Verbands. Die Panne war eine halbe Stunde nach der Abschaltung einer Höchstspannungsleitung über die Ems aufgetreten, die einem Kreuzfahrtschiff die Durchfahrt ermöglichen sollte. Danach kam es nach dem UCTE-Bericht in anderen Leitungen zur Überlastung, die eine Kettenreaktion auslöste. Neben Deutschland war auch Frankreich mit rund fünf Millionen Kunden stark betroffen. Aber auch in Belgien, den Niederlanden, Italien und Spanien gingen für bis zu zwei Stunden die Lichter aus.

Stark unter Druck: die europäischen Netze

Energiekommissar Piebalgs bekräftigte die Forderung der Behörde nach einer gemeinsamen europäischen Netzaufsicht und der von deutschen Stromriesen bekämpften Abtrennung ihrer Netzsparten. Eine entsprechende Strategie hatte der Kommissar Anfang Januar vorgestellt. UCTE-Präsident José Penedos, der 23 europäische Netzbetreiber vertritt, sagte der Kommission dabei seine weitgehende Unterstützung zu. Die europäischen Netze, die zum Teil 30 bis 40 Jahre alt sind, seien "sehr stark unter Druck" und müssten dringend modernisiert werden, sagte Penedos. Als Grund nannte er den stark gewachsenen europäischen Stromhandel und die Einspeisung von Windenergie.

Die Windenergie-Betreiber trifft nach Angaben Piebalgs aber keine Schuld. Dieser Vorwurf war nach der Panne laut geworden. Durch Windenergie könne es zwar zeitweise zu hohen Strommengen und einer höheren Netz-Belastung kommen. Die europäischen Netze müssten aber für die neue Technologie gerüstet sein. "Wir müssen stärker investieren ins Netz, um das absorbieren zu können", sagte der EU-Energiekommissar. (wga)

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