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Aktuell Europa

EU berät über Ebola-Weißhelme

Wie kann Europa seine Kräfte im Kampf gegen die Seuche bündeln? Die EU-Außenminister beraten über neue Maßnahmen. Aus Luxemburg kam Rückenwind für den deutschen Chefdiplomaten Steinmeier.

Eine zivile EU-Mission für die Ebola-Gebiete in Westafrika: Das ist der Kernvorschlag des deutschen Außenamtschefs Frank-Walter Steinmeier im Wettlauf gegen die Zeit. Jetzt hat Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn seine Unterstützung für eine solche Mission zugesichert. "Wir brauchen Geld, wir brauchen medizinisches Personal vor Ort, wir brauchen Logistik", sagte Asselborn.

Auch aus Großbritannien wird signalisiert, die Europäische Union müsse sich stärker engagieren. Der britische Außenminister Philip Hammond sprach sich dafür aus, die bisherigen Finanzmittel der EU-Staaten und der Kommission auf eine Milliarde Euro zu verdoppeln. Das Geld solle unter anderem für zusätzliche Krankenhausbetten und Isolierstationen verwendet werden. Der einzige Weg, die Krise zu stoppen, sei die frühe Isolation und Behandlung der Erkrankten, sagte Hammond.

Frank-Walter Steinmeier (Foto: Getty)

Außenminister Steinmeier wirbt für sein Konzept

In Luxemburg beraten die EU-Außenminister über neue Wege im Kampf gegen die Ebola-Seuche. Dabei geht es auch um die Beschaffung von speziell ausgerüsteten Flugzeugen zur Evakuierung von Helfern, die sich in Westafrika mit dem Virus infiziert haben. Derzeit müssen solche Maschinen in den USA gemietet werden. Die Bundesregierung will bis Mitte November ein eigenes Spezialflugzeug zur Verfügung haben.

Experten auf Abruf

Neben einer zivilen Mission hatte Steinmeier am Sonntag auf dem Weltgesundheitsgipfel in Berlin auch einen Expertenpool ins Gespräch gebracht: Ähnlich wie Wahlbeobachter könnten dann auch EU-Seuchenexperten als "Weißhelme" im Bedarfsfall kurzfristig ins Ausland entsandt werden. Der Außenminister will mit einer "europäischen Plattform" auch kleineren EU-Staaten, die über keine eigenen Strukturen in den westafrikanischen Ebola-Ländern verfügen, eine Beteiligung erleichtern.

Damit die am stärksten betroffenen afrikanischen Staaten nicht zerfallen, sollte nach Ansicht des Ebola-Sonderbeauftragten der Bundesregierung, Walter Lindner, die Entwicklungshilfe für diese Länder aufgestockt werden. Neben dem medizinischen Kampf müsse die Weltgemeinschaft mehr Hilfen zur Stabilisierung von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in Liberia, Sierra Leone und Guinea bereitstellen, sagte Lindner auf dem Weltgesundheitsgipfel in Berlin.

WHO: Nigeria ist ebolafrei

Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen offiziell als "ebolafrei" erklärt. Nach 42 Tagen - also zwei Inkubationsperioden - ohne neue Krankheitsfälle könne man sicher sein, dass das Virus im Land besiegt sei, sagte ein WHO-Vertreter in Abuja. Dies sei eine spektakuläre Erfolgsgeschichte, die zeige, dass Ebola auch nach einem Ausbruch eingedämmt werden könne.

Derweil wird aus Madrid gemeldet, dass die an Ebola erkrankte Krankenschwester den Erreger offenbar überwunden hat. Dies ergab nach Regierungsangaben ein erster Test am Sonntag. Es müsse allerdings noch ein zweiter Kontrolltest abgewartet werden. Die 44-jährige Pflegerin war der erste Mensch, der sich im Zuge der jüngsten Ebola-Epidemie außerhalb von Afrika mit dem tödlichen Virus infiziert hatte.

"Keine Gefahr für Europa"

Generell sehen Gesundheitsexperten auch weiterhin keine Gefahr einer Erkrankungswelle in Europa. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Montgomery, sagte, Deutschland sei im Gesundheitssystem sehr gut aufgestellt. Selbst im Falle einer Ansteckung könne man die Infektionskette schnell aufhalten. Auch der Direktor der Mainzer Universitätsmedizin, Peter Galle, hatte zuvor gesagt, eine Ebola-Epidemie in Europa sei "kaum vorstellbar".

jj/as (dpa, epd, afp)