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Politik

Etwas fehlt

Weblog 9/11 - 5.9.2002: Bernd Riegert über die Lücke in der Skyline von New York.

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New York, 5.9.2002

Bernd Riegert

Bernd Riegert

Kurz nach der Landung auf dem John F. Kennedy Flughafen in New York macht der Airbus eine scharfe Linkskurve auf dem Rollfeld vor Terminal Eins. Im Nachmittagsdunst taucht am sonnigen Horizont die Skyline von Manhattan auf. Steil und einsam ragt das Empire State Building in den Himmel. Weiter südlich fehlen die markanten Türme. Natürlich wußte ich, dass sie nicht da sein würden. Doch der Anblick ist immer noch ungewohnt. Daran werde ich mich auch nicht gewöhnen. Die Lücke, die das World Trade Center gerissen hat, ist riesig. Sind nicht auch die anderen Passagiere stiller als üblich? Und schauen nicht alle links aus den Fenstern?

Im Taxi vom Flughafen nach Midtown schaue ich kurz bevor wir in den Queens-Tunnel abtauchen noch einmal auf die Skyline des Financial District an der Südspitze Manhattans. Das tut weh. Mein Taxifahrer Vidrail ist vor vielen Jahren aus Ghana eingewandert. Auch er sagt, er müsse täglich auf dieser Strecke in den leeren Himmel blicken, um sich zu überzeugen, dass die Türme wirklich weg sind. Im Szene-Blättchen "Village Voice" lese ich in einem Kommentar zum 11. September, dass mit den 110 Stockwerken Stahlbeton-Türmen die Terrorpiloten den New Yorkern ihre Orientierung, ihren Wegweiser genommen haben. Vielleicht wächst etwas Neues. Darüber wird in der Stadt heftig gestritten. Alle bisherigen Modelle der Architekten sehen schlichte Bürobauten vor, die allenfalls nur halb so hoch werden sollen, wie die markanten Zwillingstürme. Eine Lücke wird wohl bleiben.

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