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Ostmitteleuropa

"Etwas, das der menschlichen Natur sehr widerspricht"

Primas Glemp zur Homosexuellen-Ehe und zum Thema Abtreibung

Warschau, 21.10.2003, PAP, poln.

Abtreibung ist ein sehr schweres Verbrechen - sagte am Dienstag (21.10.), vor dem Beginn der 324. Plenarversammlung der Polnischen Bischofskonferenz, der Primas von Polen, Kardinal Jozef Glemp. Er nahm damit zum Vorschlag der SLD (Bündnis der Demokratischen Linken - MD) Stellung, das Abtreibungsrecht zu liberalisieren. Dies sei nicht der Beginn eines ideologischen Krieges, denn über das Thema Freiheit werde schließlich nach wie vor gestritten - fuhr er fort. "Wie weit geht die Freiheit, die das Recht missachtet? - denn das ungeborene Kind ist nicht Teil der Mutter, sondern eigenständiges Leben, mit eigenem Herzen, eigenen Sinnesanlagen und eigenen Nerven", so der Primas.

Das Thema Abtreibung sei aber nicht nur eine Angelegenheit der Kirche. "Die Kirche ist keine Ideologie, sie schaut nur auf die menschliche Wirklichkeit aus der Sicht des vernünftigen Menschen. Es ist nicht vernünftig, das Töten zu erlauben, insbesondere wenn wir demografisch immer kleiner werden (...) Der Mensch muss entsprechend erzogen werden, und wir werden in dieser Frage nicht mit irgend einer Abgeordneten polemisieren, denn das ist nicht das Niveau", betonte der Primas. Dies sei eine sehr tiefgründige Angelegenheit und es wäre sehr schlecht, wenn es nur auf irgendeine politische Konjunktur zurückzuführen wäre.

Auf die Frage, was er vor dem Vorschlag halte, Homosexuellen-Ehen zu legalisieren antwortete der Primas: "Für mich ist das etwas, das mich sehr deprimiert, denn das ist etwas, das der menschlichen Natur sehr widerspricht." Gleichzeitig betonte er, es sei möglich, dass man durch bestimmte Anreize eine solche Neigung entwickelt und sich an irgendwelche falschen Verhaltensweisen gewöhnt. "Ich kann Männer, die sich küssen, einfach nicht ausstehen, vielleicht bin ich altmodisch", fügte der Primas hinzu.

Auf die Frage von Journalisten, ob die SLD sich nicht heuchlerisch verhalte, wenn das Parlament noch vor einigen Tagen per Akklamation einen Beschluss anlässlich des 25. Jubiläums des Pontifikats von Johannes Paul II. verabschiedet, in dem die Verdienste des Papstes, unter anderem in moralischen Fragen, gewürdigt werden und einige Tage später die selben Parlamentsmitglieder mit einer anderen Stimme zu sprechen beginnen, sagte der Primas, er würde dies nicht mit der Haltung des Papstes oder dem kirchlichen Glauben in Verbindung bringen. Es sei ein Problem der gesamten Menschheit, insbesondere eine Frage dessen, wie wir uns sehen und ob wir uns gegenseitig helfen wollen. (...) (TS)

  • Datum 22.10.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/4F70
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