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Kultur

Eton & Co unter Verdacht

Britische Privatschulen sind exklusiv, traditionsbewusst und vor allem teuer. Angeblich haben die Einrichtungen ihre Gebühren untereinander abgesprochen. Der exzellente Ruf könnte Schaden nehmen.

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Skandal hinter altehrwürdigen Mauern?

Bereits Ende Juni 2003 begann die britische Wettbewerbsaufsicht Office of Fair Trading (OFT) mit Ermittlungen gegen so renommierte Institutionen wie Eton, Winchester, Westminster und Harrow wegen des Verdachts auf Preisabsprachen. Nach Informationen des "Sunday Telegraph" wurden die Ermittlungen inzwischen auf etwa 700 Schulen ausgeweitet – das ist rund ein Viertel aller Privatschulen Großbritanniens.

Den Wettbewerbshütern fiel auf, dass viele private Bildungseinrichtungen ihre Schulgebühren um einen ähnlichen Betrag erhöhten – im Jahr 2003 um etwa zehn Prozent. Zur Verteidigung des erheblichen Aufschlags verweisen die Schulen auf einen Anstieg der Rentenversicherungsbeiträge für Lehrer um fast 50 Prozent sowie eine allgemeine Steigerung der Sozialversicherungskosten. Das hervorragende Ansehen der Privatlehrer ist dennoch gefährdet. Ausgerechnet die Vorbilder der Jugend nahmen es wohl nicht so genau mit dem Gesetz ihrer Majestät.

Jahrelang Informationen ausgetauscht

Englischen Medienberichten zufolge informierten sich die so genannten Public Schools bereits seit Jahren gegenseitig über die geplanten Studienbeiträge für die anstehenden Schulperioden. Vertreter der Privatschulen gaben dies auch offen zu. Es sei interessant zu wissen, was die anderen Einrichtungen verlangten. So könne man den eigenen Platz im Markt richtig einschätzen. Mit

Eton College

Eton College, Schüler zeichnen im Innenhof

illegalem Geschäftsgebaren habe dies nichts zu tun. Wie aus bekannt gewordener Korrespondenz jedoch hervorgeht, waren sich einige Verantwortliche der fragwürdigen Legitimität ihrer Praktiken durchaus bewusst. "Diese Informationen bitte vertraulich behandeln, damit man uns nicht als Kartell bezeichnet", schrieb beispielsweise der Schatzmeister von Winchester in einer E-Mail mit der Auflistung der Gebührenplanung von 20 Schulen.

Bildung ist teuer

Zwar sind die privaten Bildungshäuser in England meist als Stiftungen organisiert, aber das Kartellrecht müssen sie dennoch beachten. Saftige Strafen drohen: Bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes könnte das Bußgeld ausmachen. Bei den bekannten, gut etablierten Institutionen beläuft sich dieser auf mehr als 15 Millionen Pfund. Sind keine Rücklagen angespart, werden die Kosten wohl an die Eltern weitergegeben.

Je nach Renommee der Schule greifen diese ohnehin schon tief in die Tasche, um ihren Zöglingen eine gute Bildung zukommen zu lassen. Was sind schon 20.000 Pfund im Jahr (umgerechnet 30.000 Euro)? Unterbringung und Verpflegung sind dabei zwar inbegriffen, Freizeitspaß wie Musikunterricht oder Rudern kostet aber extra. Bei zwei Kindern sind da unversehens 50.000 Pfund pro Jahr drin. Nach neuesten Meldungen haben die Schulen Eton und Winchester einen Handel mit der OFT abgeschlossen: Für Geständnisse und die Offenlegung aller Dokumente wird die Strafe halbiert.

"No frills" statt neuer Lehrbücher?

Die Forderung nach Alternativen wird laut. So verlangt der "Daily Telegraph" mehr Wettbewerb unter den Schulen, wie ihn die Billigflieger à la Ryanair in die Reisebranche gebracht hätten. Der vom Staat unabhängige Bildungssektor konzentriere sich zu sehr auf hochtrabende, extravagante Schulen. Statt Geld in neue Turnhallen zu stecken, solle man sich lieber auf einige wenige gute Lehrer verlassen und dafür das Schulgeld reduzieren.

Die Affäre um die traditionsreichen Bildungsinstitute erregt auch außerhalb Großbritanniens Aufmerksamkeit. Immerhin zieht es etliche Ausländer an die distinguierten Schulen. Rund 16.000 von 600.000 Kindern stammen nicht aus dem Königreich. Unter den kontinentaleuropäischen Ländern schickt Deutschland die meisten Schützlinge ins Königreich. Ob diese allerdings noch ebenso zahlreich auf die Insel strömen werden, wenn dafür entweder die Kosten ins Unermessliche steigen oder sie in einem notdürftig aufrecht erhaltenen Schulbetrieb landen, ist fraglich. Heruntergekommene Gebäude und veraltete Schulbücher kennen sie bereits von zu Hause.

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