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Kultur

Ethische Verantwortung in der Wirtschaft

Beim Evangelischen Kirchentag in Hamburg war die Wirtschaftsethik ein Schwerpunkt. Die Verantwortung von Unternehmern für ihre Mitarbeiter spielt dabei ebenso eine Rolle wie ethische Standards im weltweiten Handel.

Wolfgang Huber, ehemals Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, setzt auf Eliten. Er meint Verantwortungs-Eliten, in der Politik, aber vor allem in den Unternehmen, die angesichts globaler Probleme eine wirtschaftsethische Vorbildfunktion übernehmen sollen. "Wer zur Verantwortungs-Elite gehört, muss das Allgemeinwohl im Blick haben. Gerechtigkeit und Menschenrechte bilden den Rahmen, innerhalb dessen sich Wirtschaftsinteressen verwirklichen. Der Wettbewerb, der die Wirtschaft prägt, wird an das Gebot der Fairness gebunden", sagt Huber.

Die Wirtschaft braucht Verantwortungseliten

Sinn des Wirtschaftens. Unternehmen in Verantwortung in der Hauptkirche St. Michaelis: Reich und arm: Zur Rolle von Wirtschaftseliten Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Bischof i.R., Berlin Was Unternehmen übernehmen: Ist das Verantwortung? Dr. Antje von Dewitz, Geschäftsführerin Vaude Sport, Tettnang, Konstanze Frischen, Gründerin Ashoka Deutschland, München, Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, Vorstandsmitglied, Integrität und Recht, Daimler, Stuttgart, Ines Kolmsee, Vorstandsvorsitzende SKW Stahl-Metallurgie Holding, Unterneukirchen, Regine Stachelhaus, Vorstandsmitglied Eon, Düsseldorf Neue Wege nachhaltigen Wirtschaftens Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie Moderation: Dr. Karen Horn, Wirtschaftsjournalistin, Berlin Anwälte des Publikums:, Angela Krug, Bonn, Dr. Bernd-Georg Spies, Hamburg Musik: Land Über, Radebeul (Foto: Kirchentag.de)

Alt-Bischof Wolfgang Huber

Soziale und ökologische Verantwortung müssten selbstverständliche Unternehmensziele darstellen und nicht wie etwa beim green-washing nur eine vordergründige Werbefassade sein, fordert Alt-Bischof Huber: "Meistens fehlt dabei die Stimme prominenter Wirtschaftsführer. Ihr Eintreten für Menschenwürde, von Leistungsbereitschaft und Empathie, ihr Eintreten für all diese Werte ist aber genau so wichtig wie dasjenige von Schriftstellern oder Bischöfen, Politikern oder Philosophen, Gewerkschaftern oder Sportlern." Etwa dann, wenn deutsche Unternehmen in Entwicklungsländern aktiv seien.

Ines Kolmsee ist Vorstandsvorsitzende der SKW Stahl-Metallurgie Holding. Eines ihrer Werke steht in Bhutan. Weil Arbeitsschutz ist dort eher unbekannt ist, kam sie in einen Gewissenskonflikt, denn "dort ist es tatsächlich so, dass die Standards ganz andere sind als wir sie in Deutschland haben. Und dieser Bau da waren zwischenzeitlich 250 Arbeiter und unsere Partner haben uns gesagt, auf so einer Baustelle in der Zeit so zwei bis drei Tote, das ist ganz normal. Da zahlen sie 100 Dollar an die Familien, dann ist das okay", berichtet die Unternehmerin.

Kambodschanische Arbeiterinnen in der Textilindustrie (Foto: AP Photo/Isabelle Lesser)

Ethisches Wirtschaften ein Fremdwort? Kambodschanische Arbeiterinnen in der Textilindustrie

Deutsche Standards auch im Ausland durchsetzen

Für Kolmsee war es eben nicht okay! Sie schickte eine eigene Sicherheits-Beauftragte in das asiatische Land, um Unfälle zu vermeiden. Mit Erfolg, denn sie schildert, "dass sie die Baustelle, so weit es irgendwie möglich ist, nach deutschen Standards organisiert. Das hat sie auch ganz wunderbar gemacht. Ich glaube die schlimmste Verletzung, die wir hatten, war eine Zehenquetschung."

Das Outdoor-Familienunternehmen Vaude etwa wirbt nicht nur mit ihrem Öko-Image, sondern bemüht sich mit aufwendigen Zertifizierungen, dieses auch zu untermauern. Der dadurch entstehende höhere Preis für die Produkte zahle sich letztlich aber aus. "Das kostet ca. 15 Prozent mehr als wenn wir das nicht tun würden mit all diesen Kosten. Den immateriellen Mehrwert spüren wir ganz deutlich - in motivierten Mitarbeitern, dass wir ein beliebter Arbeitgeber sind. Wir werden von den Händlern als partnerschaftlich wahrgenommen. Ohne ökonomische Gegenrechnung bin ich der Ansicht, es lohnt sich", sagt Vaude-Geschäftsführerin Antje von Dewitz.

Christine Hohmann-Dennhardt (Foto: Privatarchiv Christine Hohmann-Dennhardt)

Christine Hohmann-Dennhardt

Christine Hohmann-Dennhardt, bis 2011 Richterin am Bundesverfassungsgericht, ist heute Vorstandsmitglied bei der Daimler Benz AG. Dort kümmert sie sich um die Korruptionsbekämpfung, allein schon deshalb, weil es die amerikanische Börsenaufsicht verlangt. Compliance nennt man das in Übersee: "Was verbirgt sich hinter diesem Begriff Compliance eigentlich? Einfach Regeln einhalten, Gesetze einhalten, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Denn Unternehmen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich daran zu halten."

Eigene Standards höher setzen als gesetzliche Grenzwerte

Doch Gesetze definieren gewöhnlich nur das Mindestmaß wirtschaftsethischer Regeln, an die sich Unternehmen halten müssen. Darüber hinaus könnten die Global Player der Weltwirtschaft durchaus von sich aus auch höhere Standards setzen, meint Christine Hohmann-Dennhardt von Daimler: "Wer, wenn nicht wir? So ein großes Unternehmen wie die Daimler AG, die hat schon eine Marktmacht und kann schon verlangen, dass ihre Partner sich einlassen auf bestimmte Verträge."