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Politik

Est Europa nunc unita?

Sollte der letzte Satz aus Beethovens 9. Sinfonie doch noch offizielle Europahymne werden, so bliebe diese Hymne zunächst einmal stumm. Textvorschläge gibt es zuhauf. Einer davon kommt aus Wien und ist - auf Latein.

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Christian F. Trippe

Christian F. Trippe

Latein, die alte abendländische Lingua franca, wird zwar nur noch im Vatikan gesprochen. Doch gerade deshalb, weil der römische Kirchenstaat so winzig ist, steht das Lateinische nicht im Verdacht, andere Sprachen verdrängen zu wollen. Was von Englisch, Französisch oder Deutsch - um nur die drei größten in der Europäischen Union zu nennen - nicht unbedingt behauptet werden kann. Alle drei, das Deutsche noch am wenigsten, haben ihre Ansprüche, in allen drei Sprachfamilien gibt es ausgeprägte Animositäten gegen "fremde“ Sprachen, selbst wenn man irgendwann einmal "Fremdsprachen“ gelernt hat. Linguistische Grundierung Bliebe als völlig unverdächtige Lingua franca also bestenfalls Esperanto, die Kunstsprache. Die aber kann nun wirklich niemand. Was von Latein, der "toten“ Sprache so nicht gesagt werden kann. Nicht umsonst gilt ja die Sprache Ciceros und Cäsars als eine Art linguistische Grundierung für alle modernen europäischen Verkehrssprachen. Der Wiener Romanist Peter Roland hat schon vor Jahren eine lateinische Version gedichtet, die auf Beethovens Musik passt. "Est Europa nunc unita - et unita maneat ….“ Kommt Zeit, kommt Consilium Der lateinische Text liegt als Vorschlag auch in Brüssel, seit 2003. Aber die Hymne, die ist erst mal weg, verschwunden mit der Verfassung, die zu einem unförmigen Reformvertrag mutiert ist. Für Symbole wie Hymne oder Flagge war in ihm kein Platz. Was aber das Europäische Parlament und enthusiastische Anhänger des europäischen Gedankens nicht daran hindert, Beethoven erklingen zu lassen, wann immer es passt. Kommt Zeit, kommt Consilium - lateinisch für "Rat“; dieses lateinische Wort steht auch in fetten Lettern an dem Gebäude in Brüssel, in dem der "Europäische Rat“ seinen Sitz hat.

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