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Fußball

Essener Skandal-Club steigt auf

Eine Kreisliga boykottiert die Spiele eines Essener Fußballteams und will so das "unfaire" und "brutale" Verhalten des Clubs verurteilen. Der Meistertitel ist dem gescholtenen Verein dadurch aber nicht mehr zu nehmen.

Die Gewalt im Amateurfußball erreichte in diesen Wochen einen neuen Höhepunkt. Der BV Altenessen II hat wegen seiner Beteiligung an verschiedenen Ausschreitungen überregional für negative Schlagzeilen gesorgt. Nun wird die zweite Mannschaft des Amateurfußballklubs aus dem Ruhrgebiet quasi auch noch für seine gewalttätigen Vorfälle sportlich belohnt. Weil die gegnerischen Teams der Kreisliga B Essen Nord/West in der laufenden Rückrunde nicht mehr gegen den BVA II antreten, werden den Altenessenern an jedem Wochenende drei Punkte am grünen Tisch gutgeschrieben. Dem Skandalklub ist der Aufstieg in die A-Liga so nicht mehr zu nehmen. Die Amateurmannschaft steuert so dem sicheren Meistertitel entgegen.

"Fußball soll Spaß machen"

Der Boykott der 14 Kreisliga-Teams ist ein symbolträchtiger Protest gegen Gewalt im Amateurfußball: Die anderen Clubs werfen den Altenessenern vor, von ihnen auf und abseits des Feldes beleidigt, beschimpft oder bedroht worden zu sein, erklärt der Vorsitzende des Fußballkreises Essen Nord/West Thorsten Flügel. Die Situation eskalierte, als ein BVA-Spieler nach einem Ausraster gegen einen Schiedsrichter im März lebenslang gesperrt worden war. Während einer Partie Ende Februar wollte der Unparteiische den 23-Jährigen mit Gelb-Rot vom Platz stellen. Der Spieler warf den Schiedsrichter zu Boden und schlug auf ihn ein.

Der Platz in Altenessen bleibt am Wochenende leer. (Foto: dpa)

Der Platz in Altenessen bleibt am Wochenende leer

Die Liga reagierte geschockt und wandte sich mit einem Brief an den DFB: Der Wettkampf sei zuletzt mehrfach durch "unfaires, sogar brutales Verhalten einzelner Spieler, Zuschauer sowie Offizieller gestört worden", kritisierten die Clubs in ihrem Schreiben. "Der Fußball ist für uns alle ein Hobby, das Spaß machen soll. Dieser Spaß ist aktuell leider nicht mehr im Vordergrund. Gewalt auf und neben dem Fußballplatz lässt es nicht zu, Fußball zu spielen."

"Lehnen Aufstieg nicht ab"

Dass Mannschaften aus Protest nicht zu Spielen antreten, ist deutschlandweit indes kein Einzelfall. Nach DFB-Angaben kommt es bei den Amateuren unabhängig vom Landesverband immer wieder zu Boykotten, jedoch sei dies selten der Fall. Weitere Einzelheiten wollte der Dachverband des deutschen Fußballs nicht nennen. Beim BVA sehen die Verantwortlichen die Reaktion der Konkurrenz derweil mit gemischten Gefühlen. In Altenessen sei zum Saisonende keine große Meisterschaftsfeier geplant, sagt der sportliche Leiter Walter Minewitsch. "Wir sind zwiegespalten. Aber andererseits lehnt man einen Aufstieg auch nicht ab."

tk/MM