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Kultur

Essener Aalto Theater ist "Opernhaus des Jahres"

Die Zeitschrift "Opernwelt" hat 50 unabhängige Kritiker nach ihrem Urteil über die deutschsprachigen Opern-Häuser gefragt. Die Experten würdigten vor allem die Leistung des Essener Intendanten Stefan Soltesz.

Logo des Aalto Theaters Essen (Quelle: dpa)

Das Opernhaus im "Revier" bringt die Kritiker ins Schwärmen

Das Aalto Theater in der Ruhrmetropole ist der erklärte Favorit der Opern-Fachleute. Das geht aus dem Jahrbuch "Oper 2008" des Fachblattes "Opernwelt" hervor, das am Dienstag (30.09.2008) veröffentlicht wurde.

Die Kritiker hoben besonders die Aufbauleistung von Intendant und Generalmusikdirektor Stefan Soltesz hervor, der seit 1997 als künstlerischer Kopf und Dirigent beispielhafte Qualitätsstandards setze. Soltesz habe eine "gesunde Skepsis gegenüber Trends und Moden, gegenüber der Macht und dem Markt der Eitelkeiten", schreibt die Zeitschrift.

Auch Essener Philharmonie wurde geehrt

Aalto-Intendant Stefan Soltesz (Quelle: dpa)

Aalto-Intendant Stefan Soltesz

So wurden auch die von Soltesz geleiteten Essener Philharmoniker erneut zum Orchester des Jahres gekürt. Den zweiten Platz im Ranking teilen sich die Oper Frankfurt am Main und das Schweizer Theater Basel.

Die Auszeichnung wurde wenige Tage nach der fristlosen Entlassung des bisherigen Intendanten der Philharmonie, Michael Kaufmann, bekanntgegeben. Er hatte die Leitung des Konzerthauses vor vier Jahren überrnommen und musste wegen Etatüberschreitungen gehen.

Neuenfels und Loy sind Top-Regisseure

Regisseur Hans Neuenfels (Quelle: dpa)

Ausgezeichnet als Regisseur: Hans Neuenfels

Als beste Regisseure nannten die Kritiker Hans Neuenfels und Christof Loy. Gewürdigt wurden Neuenfels' "Tannhäuser"-Revue in Essen und seine Inszenierung von Othmar Schoecks "Penthesilea" in Basel, die zur "Aufführung des Jahres" gewählt wurde.

Bei Loy überzeugten die Experten sein intimer Blick auf Mozarts "Cosí fan tutte" in Frankfurt und die Produktion der "Bassariden" von Hans Werner Henze an der Bayerischen Staatsoper in München.

Berlin sorgt für Highlights und Ärger

Als wichtigste Neuentdeckung lobten die Kritiker die während des Zweiten Weltkriegs entstandene Oper "Jeanne d'Arc - Szenen aus dem Leben der Heiligen Johanna" von Walter Braunfels, die an der Deutschen Oper Berlin nach mehr als 50 Jahren erstmals szenisch aufgeführt wurde.

Auch die "Uraufführung des Jahres" ging nach Meinung der Experten in der Hauptstadt über die Bühne: Henzes "Phaedra" an der Staatsoper Unter den Linden.

Aber auch beim "Ärgernis des Jahres" ist auf Berlin Verlass: Wieder äußerten die Kritiker ihren Unmut über die ungeklärte Neuordnung der Opernlandschaft in der Stadt. Genannt wurden dabei die Krise um die Leitung der Lindenoper mit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und dem mittlerweile abgetretenen Intendanten Peter Mussbach sowie die mangelnde Kooperationsbereitschaft zwischen den drei Berliner Häusern und die Kurzsichtigkeit der Opernpolitik.

Damrau und Volle singen am besten

Diana Damrau bei einer Vorstellung in Salzburg (Quelle: dpa)

Diana Damrau bei einer Vorstellung in Salzburg

"Sängerin und Sänger des Jahres" sind die Sopranistin Diana Damrau und der Bariton Michael Volle. Damrau wurde vor allem für ihre Rolle als Gilda in Verdis "Rigoletto" an der Semperoper in Dresden sowie für ihre Susanna in Mozarts "Le nozze di Figaro" bei den Salzburger Festspielen nominiert. Volle beeindruckte die Kritiker als Beckmesser in Wagners "Meistersinger" und in Tschaikowskys "Eugen Onegin" an der Münchner Staatsoper.

"Dirigent des Jahres" ist Claudio Abbado für seine Opernarbeit mit dem Mahler Chamber Orchestra. Aus der Deutschen Oper Berlin kommt der "Chor des Jahres". Der Briefwechsel zwischen Arnold Schönberg und Alban Berg wurde zum "Buch des Jahres" gewählt, beste DVD ist die Walter-Felsenstein-Edition (Arthaus). "Bühnenbildner des Jahres" wurde Johannes Leiacker für sein Bregenzer "Tosca"-Auge, als beste Kostümbildnerin wurde Anna Viebrock für ihre Pariser "Wozzeck"-Ausstattung genannt.

Auszeichnung pünktlich zum Jubiläum

Das nach den Plänen des finnischen Architekten Alvar Aalto (1898- 1976) gebaute Essener Musiktheater hat erst vor wenigen Tagen mit Musik von Richard Wagner sein zwanzigjähriges Jubiläum gefeiert. Es war am 25.9.1988 eröffnet worden.

Seitdem präsentierte das Theater mit 90 Opernproduktionen mehr Inszenierungen als die Wiener Staatsoper. In der Musikwelt ist das Theater vor allem für die Pflege von Richard Strauss und Giuseppe Verdi bekannt. Das weiße, asymmetrisch geschwungene Gebäude gilt zudem als eines der schönsten Theater Deutschlands. (gri)