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Wirtschaft

Espírito-Santo-Rettung: Portugals Härtetest

Gerade erst hat Portugal den Euro-Rettungsschirm verlassen, jetzt muss das Land doch wieder Troika-Geld einsetzen und eine Bank retten. Droht sich die Euro-Krise zu wiederholen?

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Oh Heiliger Geist - Familiendynastie im Wanken

Alle Zeichen standen auf Erholung: Im April kehrte Portugal nach dreijähriger Abstinenz erfolgreich an die Kapitalmärkte zurück. Im Mai

verließ das Land den europäischen Rettungsschirm

. Und im Juni gab die portugiesische Regierung bekannt, auf die letzte Tranche der Hilfskredite von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds verzichten zu wollen. Doch nun gab es den ersten Rückschlag: Der Bank Espírito Santo (BES), führende Privatbank des Landes, droht der Kollaps.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank Foto: imago/Becker&Bredel

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank

Aus Sorge vor einer neuen Banken- und Finanzkrise hat Portugals Regierung angekündigt, die

BES mit 4,4 Milliarden Euro zu retten

. Das Geld stammt von dem EU-Hilfspaket, das Portugal in der Krise von EU, IWF, und Europäischer Zentralbank bekommen hatte. Von den insgesamt zwölf Milliarden Euro sind noch 6,4 Milliarden Euro übrig.

"Das ist natürlich ein Rückschlag für Portugal, dass es jetzt eine Bank retten muss", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, zur DW. Das Land könne diesen Rückschlag jedoch verkraften: "Wichtig ist, dass Portugal dieses Problem jetzt energisch und schnell angeht. Damit dürften die Auswirklungen auf die portugiesische Wirtschaft begrenzt bleiben."

Eine Bankersfamilie auf Abwegen

Turbulenzen um das Familien-Imperium Espírito Santo

halten die portugiesische Finanz- und Bankenbranche schon seit Monaten in Atem. Ende Mai waren Unregelmäßigkeiten bei der Dach-Holding Espírito Santo International (ESI) bekannt geworden. Sie soll Verluste in Höhe von 1,3 Milliarden Euro verschleiert haben. Ausgelöst wurden die Schwierigkeiten wohl durch Geldprobleme der Gründerfamilie der Bank Espírito Santo. Mehrere Unternehmen der Familie sind insolvent. Vor wenigen Tagen erst wurde das Oberhaupt der Bankiersfamilie, Ricardo Espírito Santo Salgado, im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung festgenommen. Die Familie ist nach wie vor der größte Einzelaktionär der BES.

Dass der Fall BES Vorbote einer neuen Finanzkrise sein könnte, glaubt David Kohl, Chefvolkswirt der schweizer Privatbank Julius Bär, nicht: "Wir haben hier ein sehr bankenspezifisches Problem und es hat weniger mit der systemischen Krise zu tun, mit der wir es in Gesamteuropa noch vor ein paar Jahren hatten." Damals wurden in Irland nach dem Platzen der Immobilienblase zahlreiche Banken und die Staatsfinanzen von einer tiefen Krise erfasst. Die im September 2008 gegebene uneingeschränkte Garantie für die 400 Milliarden Euro umfassenden Einlagen bei sechs großen Banken erwies sich als extrem hohe Belastung für den Staatshaushalt. Am Ende sah sich das Land gezwungen, internationale Hilfsgelder zu beantragen. Wegen der prekären wirtschaftlichen Lage musste auch Portugal wenig später um Hilfe bei der EU ersuchen. Das Land musste mit internationalen Notkrediten über 78 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt werden.

Neue Mechanismen greifen

"Probleme in einzelnen Banken wird es immer geben", sagt Berenberg-Volkswirt Schmieding. Wichtig sei, zu verhindern, dass Probleme einzelner Banken auf andere Banken oder auf die Gesamtwirtschaft übergreifen. "In Portugal ist es zum Glück genau so, dass diejenigen, die die Probleme verursacht haben, also die Eigentümer und Manager, mit massiven Verlusten für ihr Verhalten bestraft werden, ohne dass die Gesamtwirtschaft und ohne die Sparer leiden."

Julius-Bär-Volkswirt David Kohl Foto: DW

Julius-Bär-Volkswirt David Kohl

Die BES soll dafür in einen "guten" Teil sowie eine "Bad Bank" für die faulen Kredite und Geschäfte aufgespalten werden. Erstere soll unter dem Namen "Novo Banco" ihre Geschäfte normal weiterführen, letztere soll in den Händen der derzeitigen Aktionäre bleiben. Die Sparer seien dadurch geschützt und hätten keine Verluste zu befürchten, erklärt Schmieding: "Deshalb ist die Gefahr relativ gering, dass es zu größeren Finanzproblemen, zum Beispiel zu einem massiven Abzug von Spareinlagen von anderen Banken in Portugal kommen könnte."

Auch Julius-Bär-Volkswirt Kohl glaubt nicht, dass Rettung der BES Auswirkungen für den Finanzmarkt haben wird: "Hier zahlt sich aus, was an neuen Mechanismen während der Eurokrise etabliert wurde." An den Finanzmärkten hat sich Portugal zudem in den vergangenen Jahren einen Vertrauensvorschuss erarbeitet. Das Land kann sich zu recht günstigen Bedingungen finanzieren, die Rating-Agentur Moody's stufte erst kürzlich die Kreditwürdigkeit des Landes herauf. Moody's Einschätzung: Die Unsicherheiten um die Bank Espírito Santo sollte keinen spürbaren Einfluss auf den Staatshaushalt haben. Portugal befinde sich in einer bequemen Liquiditätslage, das Land habe wieder Zugang zu den internationalen Kreditmärkten und verfüge über nennenswerte Barreserven.

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