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Aktuell Europa

ESC: Deutschland richtet sich auf dem letzten Platz ein

Eurovision Song Contest ist, wenn Deutschland hinten liegt: Während die Verantwortlichen angesichts des erneuten Desasters um Erklärungen ringen, ist die durchgefallene Künstlerin mit ihrem Auftritt zufrieden.

Deutschland hat beim Eurovision Song Contest zum zweiten Mal in Folge nur den letzten Platz erreicht. Mit lediglich elf Punkten landete Jamie-Lee Kriewitz in Stockholm mit dem Lied "Ghost" ganz hinten im Feld der 26 Finalteilnehmer. Die 18-Jährige meisterte ihren Auftritt mit der Startnummer zehn in einem blauen Manga-Outfit-Kleid mit Kopfschmuck und Wald-Bühnenbild (Artikelbild). Im vergangenen Jahr war Deutschland mit Ann Sophie ("Black Smoke") ebenfalls nur auf den letzten Platz gekommen - mit null Punkten. Den Sieg holte diesmal die krisengeplagte Ukraine, vor Australien und Russland.

In der Nacht zum Sonntag sagte Jamie-Lee im ARD-Fernsehen, sie sei natürlich ein bisschen traurig, aber sie gebe sich keine Schuld. "Ich war sehr zufrieden mit meinem Auftritt und ich glaube, ich habe mir nichts vorzuwerfen." Sie habe in Stockholm eine "unglaublich geile Zeit" gehabt. "Ich bereue hier auf keinen Fall irgendwas." Sie hoffe darauf, dass sie nun vielleicht auf internationale Angebote warten dürfe.

Jamie-Lee gehörte zu den Künstlern, die sowohl beim Publikum als auch bei der Jury durchfielen. Von den Juroren bekam sie nur aus Georgien einen Punkt. Beim Publikum holte Jamie-Lee im Nachbarland Schweiz acht Punkte und in Österreich zwei Punkte und ging ansonsten überall leer aus.

Die deutsche Vertreterin Jamie-Lee in Stockholm (Foto: dpa)

Die deutsche Vertreterin Jamie-Lee in Stockholm

Die Siegerin der Castingshow "The Voice of Germany" war Ende Februar beim deutschen Vorentscheid von den TV-Zuschauern gekürt worden. Ursprünglich hatte der zuständige Sender NDR Xavier Naidoo schicken wollen, dessen direkte Nominierung aber wieder kassiert, als Proteste gegen einige politische Äußerungen des Sängers ("Dieser Weg") laut geworden waren.

"Eher Unverständnis"

ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber versuchte noch in der Nacht eine mögliche Erklärung für das schlechte Abschneiden: "International und beim Publikum in allen Altersschichten ist es offenbar eher auf Unverständnis gestoßen, dass ein Manga-Mädchen aus Deutschland antritt." Ihr Auftritt sei aber "eins a" gewesen.

Die Ukrainerin Jamala gewann mit ihrem Lied 1944 (Foto: dpa)

Die Ukrainerin Jamala gewann mit ihrem Lied "1944"

Der Musiker Bürger Lars Dietrich, der Jamie-Lee in den vergangenen Tagen in Stockholm begleitet hatte, zeigte sich ratlos über das Ergebnis. "Besser hätte sie es eigentlich nicht machen können", sagte er in der ARD zum Auftritt der 18-Jährigen. Dass Deutschland schlecht abschneiden könnte, hatten allerdings auch die Buchmacher prognostiziert. Die ARD hatte eine Top-Ten-Platzierung als Ziel ausgegeben.

Trostpreis für Deutschland

Immerhin schaffte es eine Starterin mit engen Verbindungen zu Deutschland in die Top Ten: Die für Armenien angetretene Iweta Mukutschjan wurde Siebte. Die 29-Jährige war in Hamburg aufgewachsen und lebt erst seit wenigen Jahren wieder in ihrem Geburtsland.

Dami Im aus Australien landete mit Sound of Silence knapp auf dem zweiten Platz (Foto: dpa)

Dami Im aus Australien landete mit "Sound of Silence" knapp auf dem zweiten Platz

Auf Platz eins mit 534 Punkten landete diesmal überraschend die Ukraine. Der Song "1944" der Krimtatarin Jamala (32) ist eine moderne Klage-Ballade. Das Lied mit Elektro-Elementen beschreibt die Vertreibung ihrer Minderheit unter Sowjetdiktator Josef Stalin und wurde zum Teil auch als Kritik an Russlands Krim-Annexion 2014 verstanden. Beschwerden gegen den angeblich aktuell-politischen Gehalt hatten die ESC-Veranstalter aber zurückgewiesen.

Das Finale fand in der Globe Arena in Stockholm statt. Der ESC ist der meistgesehene Musikwettbewerb der Welt. Geschätzt etwa 180 Millionen Zuschauer weltweit verfolgten die Finalshow diesmald vor dem Bildschirm, in der Stockholmer Globe Arena schauten etwa 16.000 Fans zu. Erstmals lief in diesem Jahr die Live-Übertagung der Show auch in den USA, auch China übertrug die Sendung.

stu/SC (afp, dpa)

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