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Deutschland

"Es wird zu viel gejammert"

Was denken Deutsche im Ausland über ihre Heimat und die Neuwahlen? DW-WORLD hat bei deutschen Zeitungen und Online-Magazinen im Ausland nachgefragt. Diesmal: Einschätzungen des DomRep-Magazins aus Puerto Plata.

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Rund 25.000 Deutsche, so schätzt man, leben derzeit in der Dominikanischen Republik. Viele kehrten ihrer Heimat den Rücken, um den politischen, steuerlichen und juristischen Zwängen, die ihrer Meinung nach der deutschen Gesellschaft im Laufe der Jahre durch die Regierung auferlegt wurden, zu entfliehen.

Das Motiv ist fast immer das gleiche: Hoffnung auf eine Perspektive! Sicherlich hat Deutschland den einen oder anderen Vorteil gegenüber anderen Nationen. Der allgemeine Lebensstandard ist hoch, die Einkommen können sich (immer noch) sehen lassen, und die soziale Absicherung ist relativ ausgewogen. Doch welchen Handlungsspielraum hat der "kleine Mann"? Wo liegen die Chancen zwischen der "Endstation Hartz IV" und den immensen Hürden, um in Deutschland sein existenzielles Schicksal selbst in die Hand zu nehmen?

Spezialbild DomRep Magazin

Zu viel Jammerei

Das sind Themen, die auch die Auslandsdeutschen in der Dominikanischen Republik interessieren. Hingesehen wird vor allem dann, wenn es um politische Richtungsentscheidungen geht, die Lage am Arbeitsmarkt erörtert oder das steuerliche Niveau diskutiert wird. Der Blick aus der Distanz scheint dabei kritischer geworden zu sein. Wahrgenommen wird vor allem eins: Es gibt keine klare Linie! Und: Es wird zu viel "gejammert".

Bereits Anfang Juli hatte die Deutsche Botschaft in Santo Domingo Hinweise des Bundeswahlleiters für Deutsche, die an einer möglicherweise stattfindenden vorgezogenen Bundestagswahl teilnehmen wollen, veröffentlicht. Die Reaktion blieb per dato jedoch eher verhalten. "Wunder gibt es nicht! Ob vor oder nach der Wahl, die Bürger in Deutschland werden kaum wissen, welche Richtung das Land nimmt", so ein ansässiger Hotelier der seit 1995 im Land lebt. Sein Resümee: "Es dürfte eher noch schlechter werden, bevor es in Deutschland für alle wieder bergauf geht!"

Gemischte Reaktionen auf Neuwahlen

Dennoch begrüßen viele "Deutsch-Dominikaner" die Neuwahlen. Wie allerdings eine Umfrage des DomRep-Magazins unter mehreren Residenten schildert, genießt die deutsche Politik bei der Mehrheit der "Deutsche-Dominikaner" kein besonders gutes Image. So sagt beispielsweise die 50-jährige Hannelore K. "Ich empfinde das Thema Neuwahlen als Bankrotterklärung der jetzigen Regierung! Seit ich hier lebe, hat sich mein Deutschland-Bild ziemlich gewandelt. Ich kann einige Entscheidungen der Politiker nicht mehr nachvollziehen. Dazu kommt das Gefühl, dass sich zu viele Deutsche auf dem Sozialstaat ausruhen, ihn nur benutzen und dabei noch jammern und klagen. Wenn man - wie hier - ohne Sozialnetz lebt und sich durchschlägt, ändert sich halt auch die Sicht der Dinge.

Man wird heute leicht ärgerlich, wenn in Deutschland Leute klagen, die sich doch wesentlich mehr leisten können, als viele Menschen hier im Land. Hinzu kommt, dass die Jammerer oft nur wenig zu ihrem eigenen Lebensunterhalt beigetragen haben. Es braucht einen starken Mann (oder auch Frau) an der Spitze. Jemand, der den Mut hat, die Dinge wirklich anzufassen und auch unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen. Doch mit Hinblick auf das 'wiedergewählt-werden-wollen' bringt das wohl keiner fertig. Die Deutschen sollten lernen, mehr auf ihren eigenen Füßen zu stehen und nicht immer nur nach dem Staat zu schreien."

Harte und kritische Worte

Der Unternehmer Peter J. steht Neuwahlen zwar positiv gegenüber. Allerdings hat auch er keine gute Meinung von der deutschen Politik: "Vielleicht bringen die Neuwahlen ja frischen Wind in die 'verstaubte Gesellschaft'. Ich bin in den 1990er Jahren wegen der Beschlüsse und Machenschaften der Regierung ausgewandert. Das Image von Deutschland ist hier in seinen Grundzügen (Sauberkeit, Ordnung, soziale Absicherung, usw.) eigentlich recht gut, es müsste nur anders regiert werden. Mehr Abzüge für die Reichen, mehr Zugaben für die Armen. Mehr Unterstützung des Mittelstands! Wir bekommen leider zu wenige Informationen über das Fernsehen und wissen vieles nicht.

Aber politische Themen werden eher wahrgenommen, als die aus dem Arbeitsmarkt, vor allem, wenn es mal wieder gegen den 'kleinen Mann' geht. Dennoch erscheinen hier zahlreiche politische Diskussionen lächerlich, da vieles um den heißen Brei herumdiskutiert wird. Viele hier sehen die deutschen Politiker zudem eher als Marionetten. Richtige Persönlichkeiten mit Verstand gibt es meiner Meinung nach momentan nicht in Deutschland. Übrigens: Wenn ein Dominikaner zwischen mehreren Übeln wählen muss, wählt er meist das 'hübschere'."

Gerda Papenfuß, Chefredakteurin des DomRep-Magazins

Hinweis: Dies ist ein Gastbeitrag. Die Inhalte geben die Meinung der Gastautorin, nicht die Meinung der Redaktion von DW-WORLD wieder.

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