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Kultur

Es weht ein warmes, winterliches Lüftchen

Die EU-Kommission legt eine düstere Klima-Studie vor. Doch nicht nur Europa klagt über den viel zu warmen schneelosen Winter. Auch die New Yorker liegen in der Sonne. Und die Bären vergessen fast ihren Winterschlaf.

Schneeglöckchen blühen in einem Garten in Freiburg (Quelle: AP)

Schneeglöckchen ohne Schnee: Die Natur spielt verrückt

Der Klimawandel lässt das Wetter immer mehr verrückt spielen: Während es im New Yorker Central Park am Wochenende gut 22 Grad warm war, litt fast 2000 Meilen weiter westlich Colorado unter dem dritten Schneesturm in Folge. An der Westküste der USA stieg die Waldbrandgefahr wegen Sandstürmen. Und für Deutschland sagen die Wetterforscher anstelle des von vielen weiterhin erhofften Winters Regen, Sturm und Frühlingstemperaturen voraus.

Klimawandel ist tödlich

Mutter und Tochter genießen Anfang Januar ein Sonnenbad in Manhattan (Quelle: AP)

Mutter und Tochter genießen Anfang Januar ein Sonnenbad in Manhattan

In dieses Klima hinein wird die EU-Kommission am Mittwoch (10.1.) eine düstere Klima-Studie veröffentlichen, die Dürre-Katastrophen im Süden und reiche Ernten im Norden vorhersagt. Ein ungebremster Klimawandel hätte demnach dramatische wirtschaftliche Auswirkungen auf Europa. Sollte sich das globale Klima bis zum Jahr 2071 im Durchschnitt um 2,2 oder sogar 3 Grad Celsius im Vergleich zu 1990 erwärmen, dann gäbe es 36.000 beziehungsweise 86.000 Klimatote mehr pro Jahr.

Die Studie der Kommission, die zu dem am Mittwoch erwarteten Strategiepaket für eine gemeinsame EU-Energie- und Klimapolitik gehört, warnt auch vor den Folgen der Erderwärmung für das milliardenschwere Tourismus-Geschäft im Mittelmeerraum. Derzeit bildeten 100 Millionen sonnenhungrige Nordeuropäer jährlich an den Stränden Spaniens, Griechenlands, Portugals und Italiens den größten Touristenstrom weltweit, heißt es. Sollte der Klimawandel voranschreiten, würden sich die Reiseziele bis an die Nordsee verschieben - zum Nachteil der Mittelmeeranrainer, warnen die Autoren. Dadurch würde das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle dramatisch vertieft.

Hatschi!

Jenseits dieser düsteren Zukunftsprognosen bekommen viele Menschen schon heute die negativen Folgen des Klimawandels zu spüren. So leiden viele Allergiker ungewöhnlich früh in diesem Jahr unter der erwachenden Natur: juckende Augen, triefende Nasen, rasselnde Bronchien. "Auf dem Kalender haben wir Anfang Januar, aber die Natur ist mindestens drei bis vier Wochen weiter", ist der Allergologe Thomas Fuchs von der Universität Göttingen überzeugt. In dem vorgezogenen Pollenflug sehen Experten eine von vielen Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit.

"Es ist eindeutig: Die Folgen des Klimawandels sind da und werden immer stärker sichtbar", sagt auch der Münchner Tropenmediziner Thomas Löscher. Als Beispiel nennt er die längeren Lebenszeiten von Insekten, die für die Übertragung von Viruskrankheiten verantwortlich sind. Experten befürchten aber nicht nur einen massiven Anstieg von Krankheiten wie Hirnhautentzündung, die von Zecken übertragen werden. Auch über die Rückkehr der Malaria nach Mitteleuropa wird inzwischen spekuliert.

Ein Gutes hat das warme Wetter dann doch

Unterdessen beten nicht nur die Kinder in Europa und den USA für Schnee. Auch das Stoßgebet mancher Investoren und Herrscher am Persischen Golf dürfte derzeit ähnlich klingen: Bitte lass es kälter werden!

Denn der Ölpreis ist auf breiter Front gefallen. Am Dienstag erreichte er seinen niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahren. Grund für den Rückgang war aber nicht der Streit um Öllieferungen zwischen Russland und Weißrussland, sondern die milden Wintertemperaturen vor allem im Nordosten der USA. Sie führten zu einem Einbruch der Nachfrage nach Heizöl auf dem wichtigsten Abnehmermarkt.

Schlaflos in Schweden

Doch nicht nur Politiker, Allergiker und Ölbarone klagen über das warme Wetter. Auch den Bären ist es viel zu heiß: Verwirrt vom ungewöhnlich warmen Klima sind die Bären in einem von Schwedens beliebtesten Zoos mit mehr als zwei Monaten Verspätung in den Winterschlaf gegangen. Obwohl der Boden nicht gefroren sei, seien inzwischen alle Braunbären eingeschlafen, sagte der Direktor des Tierparks Kolmaarden Safari, Lennart Sunden.

Im Dezember hatten die Temperaturen im Süden Schwedens bis zu zehn Grad über dem Durchschnitt gelegen. In dem Land leben rund 2500 Braunbären in der Wildnis und etwa 50 in Gefangenschaft. Normalerweise halten sie Winterschlaf von Ende Oktober bis April. (ana)

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