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Es war kompliziert: Heinrich Böll und die Fotografie im Museum Ludwig

Nicht alles schwarzweiß: Die Ausstellung "Die humane Kamera" zeigt, wie wichtig die Fotografie für das Schaffen des Literaturnobelpreisträgers Böll war - und wie kritisch er ihr zugleich gegenüber stand.

Heinrich Bölls Verhältnis zur Fotografie war zwiespältig. Als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, Nobelpreisträger und politischer Aktivist wurde er selbst häufig zum Objekt der Fotografen, ließ sich aber gar nicht gerne ablichten. Und einerseits hat der gebürtige Kölner, der am 21. Dezember 2017 hundert Jahre alt geworden wäre, neun Fotobände mit seinen Texten bereichert, andererseits sah er die Fotografie sehr kritisch und warnte vor ihren Gefahren. Diesem komplizierten Thema widmet sich seit Freitag (01.09.) die Ausstellung "Die humane Kamera. Heinrich Böll und die Fotografie" im Kölner Museum Ludwig. Sie zeigt etwa 50 Fotos, Manuskripte und Filmdokumente rund um Böll.

Darunter sind diverse Porträts des Fotografen Heinz Held, einem Freund Bölls, der ihn in seinem privaten Umfeld ablichten durfte. Außerdem sind Bilder seines Sohnes René zu sehen, selbst Fotograf, die dieser in Bonn für den Roman "Frauen vor Flusslandschaft" in enger Absprache mit seinem Vater machte, und Aufnahmen des Fotografen Chargesheimer aus den drei gemeinsam erstellten Fotobänden, darunter das ungeschönte Pott-Porträt "Im Ruhrgebiet" (Artikelbild, 1958).  

Heinrich Böll, Porträt von Heinz Held (1953) aus: Die humane Kamera. Heinrich Böll und die Fotografie, Ausstellung des Museum Ludwig | (VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

Heinrich Böll, porträtiert von Heinz Held (1953)

Böll als Mahner

Böll begleitete jedoch nicht nur Fotos mit seinen Texten. Er nutzte die Fotografie auch als Hilfsmittel für sein literarisches Schaffen. "Böll war ein Augenmensch", erklärt Ausstellungs-Kuratorin Miriam Halwani. Das genaue Sehen und Beobachten sei für ihn Voraussetzung seiner schriftstellerischen Tätigkeit gewesen. "Ein gutes Auge gehört zum Handwerkszeug des Schriftstellers", schrieb Böll 1952. Dabei war es ihm immer wichtig, die Menschen nicht zu entblößen - eine Regel, die er auch auch für die Fotografie anmahnte.

Mädchen mit Roller, Bild des Fotografen Chargesheimer in der Ausstellung Die humane Kamera. Heinrich Böll und die Fotografie | Chargesheimer Mädchen (Museum Ludwig/Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln)

Mädchen mit Roller, Fotografie von Chargesheimer für den Bildband "Unter Krahnenbäumen" (1958)

In "Die humane Kamera", seinem Vorwort zum Katalog der "Weltausstellung der Photographie" , das im Zentrum der Ausstellung steht, schrieb er 1964: "Wo die Kamera zudringlich wird, ihr Instrument, das Objektiv, zum Instrument [...] des Photographen wird, der darauf aus ist, den Menschen zu ertappen, zu denunzieren, zu entlarven, überschreitet die Photographie ihre ästhetische und gleichzeitig ihre moralische Grenze." Diese Grenzüberschreitung thematisierte Böll auch in seinem Roman "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", in dem eine Frau wegen ihrer Freundschaft zu einem Straftäter auf menschenverachtende Weise von der Boulevardpresse verfolgt wird. Szenenbilder der Verfilmung von Regisseur Volker Schlöndorff zeigt die Ausstellung.

Wohl kein Selfie-Fan

Noch immer aktuell, fast hellsichtig klingen Bölls Worte zur allgegenwärtigen Kamera in Zeiten der Selfie-Begeisterung: "Täglich werden Photos um Photos gemacht und verschlungen, bewegte, unbewegte, ein großer Ausverkauf, der auf Kosten des menschlichen Auges geht, in einem doppelten Sinn, auf Kosten seiner Fähigkeit zu sehen und seiner Humanität."

Böll selbst soll kein begabter Fotograf gewesen sein, wie sein Sohn René berichtet. Er habe höchstens im Urlaub in Irland hin und wieder zur Kamera gegriffen. Beispiele aus dieser privaten Sammlung zeigt die Ausstellung allerdings nicht. Der Großteil des Böll-Nachlasses 2009 ging beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs verloren. "Die humane Kamera" ist noch bis zum 7. Januar 2018 für Besucher geöffnet.

ka/so (dpa/kna)

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