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Wirtschaft

Es tut sich was im JadeWeserPort

Lange Zeit galt der Jade-Weser-Port als Milliardengrab und Investitionsruine. Jetzt boomt der Containerumschlag im Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven plötzlich. Und die Betreiber denken schon über den Ausbau nach.

Mikkel Andersen steht auf der Balustrade des fünften Stocks und blickt vom Terminalgebäude zufrieden hinunter auf Kaje und Stellfläche. "Ich habe immer gesagt, so ein Hafen wie unser braucht ein bisschen Zeit." Andersen ist Geschäftsführer des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven. Für 2,7 Millionen Containerbewegungen ist der Hafen in der ersten Ausbaustufe ausgelegt. 2013 waren es gerade mal 76.000 Container. Lange Zeit galt der Jade-Weser-Port als Milliardengrab und Investitionsruine. Jetzt boomt der Containerumschlag in dem Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven plötzlich.

Im vergangenen Jahr versechsfachte sich das Umschlagsvolumen. Auf immerhin 427.000 Container. Ausgelastet ist der Hafen, der 2012 eröffnet wurde und eine Milliarde Euro gekostet hat, damit noch lange nicht. Am Ende des aufgespülten Areals liegen am Horizont die Gleisanlagen. Ein Containerzug steht dort. Andersen: "Also Zugverkehr haben wir auch. Wir haben auch viel LKW-Verkehr."

Bis jetzt werden überwiegend Container von großen Schiffen auf kleinere umgeladen, die die Fracht nach Skandinavien und in die Ostsee-Häfen verteilen und von dort nach Wilhelmshaven bringen. Künftig sollen aber auch mehr Container über Schiene und Straße von und nach Wilhelmshaven transportiert werden.

Vieles spricht für den JadeWeserPort

Die Containerschiffe werden immer länger, immer breiter, immer tiefer; sie transportieren bald über 20.000 Container über die Weltmeere und sollen - so möchten es die Reedereien, die mit ihren teuren Schiffen auch Geld verdienen wollen - vollbeladen jeden Hafen jederzeit anlaufen können. Die Flusszufahrten zu den Häfen in Hamburg und Bremerhaven sind nicht tief genug. Ohne Einschränkung, rund um die Uhr und unabhängig von Ebbe und Flut, können die Mega-Schiffe nur Wilhelmshaven anlaufen.

Uwe Beckmeyer weiß das. Als gebürtiger Bremerhavener weiß er auch: Kein Hafenstandort würde freiwillig und zu Gunsten eines Mitbewerbers auf Umschlagsvolumen verzichten. Selbst in seiner Funktion als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und als maritimer Koordinator der Bundesregierung sind ihm da die Hände gebunden. "Der Markt treibt die entsprechenden Containerflüsse und ich finde das auch gut so, weil der Markt am Ende am besten weiß, wie auf logistische Abläufe am besten reagiert werden kann."

Jade-Weser-Port Wilhemshaven

Mehr los im Hafen: Da wird auch nachts gearbeitet...

Hoffen auf den Welthandel

Der Welthandel muss wachsen, muss kräftig wachsen, damit sich der Containerumschlag nicht nur erholt, sondern auch die prognostizierten Zuwachsraten erreicht, die einst bei Planung und Bau des JadeWeserPorts zugrunde gelegt worden waren. Beckmeyer bleibt optimistisch, Deutschland sei aktuell in einer sehr guten Verfassung, er verweist auf das Wachstum des Bruttosozialproduktes, auf die guten binnenkonjunkturellen Rahmenbedingungen und die Arbeitsmarktsituation.

"Aber natürlich wissen wir auch, dass unter dem niedrigen Ölpreis die Kaufkraft in unseren wichtigsten Exportländern leidet." Beckmeyer würde einen höheren Ölpreis von etwa 50, 60 Dollar pro Barrel akzeptieren, "damit sich die Handels- und Kauffähigkeit unserer Partner in Asien oder in Afrika und auch im europäischen Kontext wieder stabilisiert."

Der JadeWeserPort ist bestens gewappnet für den nächsten Aufschwung in der Weltwirtschaft. Der Hafen bietet Platz, der womöglich bald auch benötigt wird, weil sich die weltweiten Reederei-Allianzen neu aufstellen. Ende der 60er Jahre transportierten die großen Schiffe rund 700 Container über die Ozeane. In den 90iger Jahren, als die Globalisierung Schwung aufgenommen hatte, waren 5.000, maximal 6.000 Container das Maß aller Dinge.

Jade-Weser-Port Wilhemshaven

So trist sah es in den ersten Jahren im Jade Weser Port aus.

Optimismus trotz Überkapazitäten

Heute sind es 19.000 Stück, die an Bord Platz haben. Bald werden es 20.000 und mehr sein. Ohne nautische Zugangsbeschränkungen können die Mega-Schiffe eben nur Wilhelmshaven anlaufen. Andererseits: Seit der Welthandel stockt, brechen die Frachtraten ein. Die Reeder geben den Preisdruck an die Hafenbetreiber weiter und erwarten Abschläge bei der Abfertigung ihrer Schiffe. Auch hier will der JadeWeserPort vorweg gehen. Als erste in Deutschland wollen die Wilhelmshavener eine Anlage zum vollautomatischen Container-Umschlag testen.

Im vergangenen Jahr fiel der Containerumschlag in den deutschen Nordseehäfen. Uum 9,3 Prozent in Hamburg, um fünf Prozent in Bremerhaven. Insgesamt wurden 15 Millionen Container bewegt. Mit 427.000 Containern fällt der JadeWeserPort da kaum ins Gewicht. Noch nicht, schränkt Geschäftsführer Mikkel Andersen ein. "Wir sind die Neuen, wir müssen immer besser sein als die anderen. Wir geben uns Mühe. Ich bin mir sicher, dass das bei den Kunden auch ankommt."