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Wirtschaft

Es schäumt im deutschen Biermarkt

Der deutsche Lebensmittelkonzern Oetker übernimmt den Getränkehersteller Brau und Brunnen und wird damit zum größten deutschen Bier-Anbieter. Auch ausländische Anbieter mischen kräftig auf dem deutschen Biermarkt mit.

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Oetker-Chef Ulrich Kallmeyer (links) und Brau und Brunnen-Vorstand Michael Hollmann


Der deutsche Biermarkt ist der größte in Europa - und nach Ansicht von Experten der einzige, auf dem Zukäufe derzeit überhaupt noch möglich sind. Ursache ist die noch immer große Zersplitterung: Knapp 1300 Brauereien gibt es in Deutschland - die allesamt ungefähr so viel Bier produzieren wie der US-Brauriese Anheuser-Bush allein.

Seit gut vier Jahren aber ist Bewegung gekommen in einen Markt mit gut eingeführten Marken: Warsteiner etwa, Krombacher, Bitburger oder Radeberger. Ein Markt, der seit Jahrhunderten nach außen abgeschottet war. Nun aber ist die Konkurrenz durstig: Zwar ist der Bierabsatz in Deutschland seit einiger Zeit rückläufig - aber 105 Millionen Hektoliter Bier, die im vergangenen Jahr durch die durstigen Kehlen der Deutschen flossen, können sich noch immer sehen lassen.

Ausländische Brauriesen mischen mit

Und was für die Bierbrauer zwischen Flensburg und Füssen, zwischen Bitburg und Dresden einst unvorstellbar war, ist mittlerweile Realität: Der Einstieg finanzstarker, ausländischer Brauriesen. Mittlerweile kontrollieren sie rund ein Drittel des in Deutschland gebrauten Gerstensaftes. Das begann 2001, als der niederländische Heineken-Konzern mit der Münchner Schörghuber-Gruppe ein Gemeinschaftsunternehmen gründete. Dann ging es Schlag auf Schlag: Mittlerweile ist der belgische Brauriese Interbrew die Nummer Eins in Deutschland - nachdem er sich neben der Gilde-Gruppe auch die Bremer Traditionsbrauerei Becks einverleibt hatte. Und selbst auf dem weltbekannten Oktoberfest weht seit dem vergangenen Herbst Belgiens Flagge, als Interbrew auch Geschmack an Löwenbräu und Spaten gefunden hatte.

Seit Mitte Januar mischt ein weiterer internationaler Spieler mit auf dem deutschen Biermarkt: Die dänische Carlsberg-Gruppe nahm einen ganz großen "Schluck aus der Pulle", legte gemeinsam mit der größten deutschen Privatbrauerei Bitburger eine Milliarde Euro auf den Tisch und kaufte mit der Hamburger Holsten-Brauerei einen der großen deutschen Wettbewerber auf.

Aktienpaket von Hypo-Vereinsbank abgekauft

Zur gleichen Zeit etwa kündigte der Chef von Deutschlands Nummer Vier, Brau und Brunnen aus Dortmund, einen Übernahmeknaller in den nächsten Wochen an. Daraus wird nun nichts: Am Freitag (13.2.2004) wurde bekannt, dass die Bielefelder Oetker-Gruppe neuer Großaktionär von Brau und Brunnen wird. Oetker nämlich kauft dem bisherigen Mehrheitseigner, der Hypo-Vereinsbank für 220 Millionen Euro deren Aktienpaket ab. Zu Oetker gehört bereits die gut aufgestellte Radeberger-Gruppe, nun kommen die Marken Jever, Berliner Pilsner und Sion Kölsch hinzu. Experten schätzen den künftigen Marktanteil auf 15 Prozent. Mit der Übernahme stärkt der Oetker-Konzern aus Bielefeld seine Getränkesparte, sie dürfte nunmehr noch vor dem Lebensmittelbereich liegen - immerhin ist der Familienkonzern mit Pudding, Pizza und Backmischungen Deutschlands größter Lebensmittelhersteller. Größte Säule bleibt allerdings die Schifffahrt mit der Reederei Hamburg Süd. Daneben gehören dem Konzern ein Bankhaus, eine Versicherung, eine Chemiefabrik und mehrere Luxushotels. Dennoch: Auch Oetker bleibt im internationalen Brauerei-Geschäft eine kleine Nummer. Die Musik spielt anderswo: Riesen wie Anheuser-Bush aus den USA oder South African Brewery übertreffen die deutschen Anbieter um Längen: Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann die Nummer Eins der Welt beginnt, den deutschen Biermarkt anzuzapfen.