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Kultur

Es rockt und blättert: Kultur im Netz

Früher hätte sich niemand träumen lassen, eine Band ohne Produzenten zu vermarkten, eine Ausstellung zu besuchen, ohne vor die Tür zu gehen, oder Bücher zu bestellen, ohne eine Buchhandlung oder Bibliothek zu betreten.

Außenaufnahme des US Holocaust Memorail in Washington, Quelle: dpa

Wem der Weg nach Washington zu weit ist, der kann sich auch einfach die Online-Ausstellung des Holocaust Museums anschauen

Heutzutage ist das alles Bestandteil der ganz normalen kulturellen und weltweiten Kommunikation – das Internet macht's möglich. Drei Beispiele für Kultur im Netz:

Beispiel Musikvermarktung

Früher las man Musikzeitschriften und ging in den Plattenladen. Heute hat man einen Internetzugang. Neue Bands, neue Trends und neue Musik - das alles gibt es auf der Kommunikationsplattform Myspace. Dort kann man sich kostenlos selbst darstellen, Fotos hochladen und Nachrichten austauschen. Mehr als 1,7 Millionen Menschen weltweit machen das bereits. Viele davon sind Künstler oder Musiker.

Dominique alias Ladybird an eine Wand gelehnt, Quelle: Katharina Poblotzki

Vermarktet ihre Songs über Myspace: Ladybird

Und einige von ihnen vermarkten sich so erfolgreich, dass sie übers Internet berühmt - oder zumindest bekannt werden. Ladybird zum Beispiel. Die 19-Jährige heißt eigentlich Dominique und hat sich ein Profil unter dem Namen "Electronica / Samba" angelegt. Darauf kann man vier Songs von ihr hören. Auf die wurde der englische Musiker und Produzent Adamski aufmerksam - und lud Ladybird ein, mit ihm zu produzieren. Jetzt gibt es vielleicht eine CD - vielleicht aber auch nicht.

Beispiel Online-Ausstellungen

Für ein Museum ist ein Internet-Auftritt ein Muss. Das US Holocaust Memorial Museum in Washington geht weiter: es arbeitet ganze Ausstellungen nur fürs Internet auf und nutzt dabei die ganze Bandbreite der technischen Möglichkeiten. "Give me your children" - gebt mir Eure Kinder - ist die jüngste Online-Ausstellung des Museums. Die "richtige" Ausstellung dazu ist im Museum seit Dezember 2006 zu sehen. Es geht um die Kinder im polnischen Lodz – und wie sie den Holocaust überlebten.

United States Holocaust Memorial Museum

Auf der Seite ist die Ausstellungseröffnung nachzulesen, es gibt eine 20minütige Videopräsentation und die Biographien der Kinder. Dabei ist neben Bildern, Grafiken und Animationen das geschriebene Wort, der Text zum Ausdrucken, immer präsent. Larry Swiader, Pressesprecher des Museums, erklärt, dass man zuerst versucht habe, die technischen Möglichkeiten auszureizen und Audios, Videos und Texte zu kombinieren. Das habe aber nicht allen Nutzern gefallen: "Es gibt Leute, die wollen nur den Text. Die wollen ihn in ausgedruckter Form lesen und nicht warten müssen, bis die Bilder runtergeladen sind." Jetzt können die einzelnen Elemente getrennt werden: wer möchte, bekommt nur den Text der Videopräsentation.

Aus der ganzen Welt klicken sich die Menschen in das Museum, sagt Swiader. 2006 hatten die Internetseiten 15 Millionen Besucher. Dabei sei das Budget im Vergleich zu dem der richtigen Ausstellungen bescheiden. "Wir können mit weniger Geld ein größeres Publikum erreichen", sagt der Pressesprecher, doch ohne das "richtige" Museum wäre der Erfolg der Online-Seiten sicherlich auch nicht so groß.

Beispiel Buchsuche im Internet

Ein Mann legt ein Buch auf eine Buchstütze in einem Scanner, Quelle: Bayerische Staatsbibliothek

Digitalisierung von Büchern der Bayerischen Staatsbibliothek in München

Aufs Internet setzt auch die Bayerische Staatsbibliothek in München (BSB): Über neun Millionen Bände hat sie in ihrem Bestand. Eine Million davon will Google jetzt digitalisieren. Damit soll das gesammelte Wissen noch leichter auffind- und abrufbar werden. Die BSB ist die erste deutsche Bibliothek, die an der Google Buchsuche teilnimmt. Insgesamt beteiligen sich bisher 15 Bibliotheken weltweit an dem Projekt. Mit dabei auch die Uni-Bibliotheken Harvard, Stanford und Oxford.

Google will so viele Bücher in so vielen Sprachen und von so vielen Ländern wie möglich digitalisieren. Die BSB verspricht sich davon, ihr Renomee als internationale Forschungsbibliothek noch zu steigern. "Wir sind für alle, die an Bildung und Fortbildung interessiert sind, weltweit zugänglich. Insofern ist das Internet, auch wenn sich das etwas paradox anhört, quasi das natürliche Medium für uns", sagt Klaus Ceynowa, stellvertretender Generaldirektor der BSB.

Ziel sei dabei nicht, Bücher vollständig am Bildschirm zu lesen. Es gehe vielmehr darum, Bücher auffindbar zu machen und dorthin zu verweisen, wo man das Buch kaufen oder insgesamt konsumieren kann, sagt Jens Redmer, Leiter der Google Buchsuche für Europa.

Ob Bücher, Musik, Videos oder Online-Ausstellungen: das Bereitstellen und Konsumieren von Kunst im Internet findet immer mehr Anklang und ist schon lange nicht mehr nur noch was für Computerfreaks.

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