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Politik

"Es reicht nicht aus, dagegen zu sein"

Der G8-Gipfel wird auch in den Redaktionen der Deutschen Welle kontrovers diskutiert. Henrik Böhme ist für den Gipfel. Die G8 könne nicht für alles Schlechte in der Welt verantwortlich gemacht werden.

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Wenn eine Gruppe von Staaten zusammen mehr als zwei Drittel des Weltsozialprodukts erwirtschaftet, wenn sie für die Hälfte des Welthandels verantwortlich ist, wenn sie mehr als drei Viertel der weltweiten Entwicklungshilfe zahlt: Warum soll man sich dann nicht zusammensetzen und miteinander reden?

Was ist verwerflich daran, die weltwirtschaftliche Lage zu analysieren, mögliche Gefahren zu erkennen und zu reagieren? Ist es falsch, seit vielen Jahren Vertreter afrikanischer Staaten mit an den Tisch zu bitten, ihnen zuzuhören, um ihre Sorgen besser zu verstehen? Warum nicht China, Indien und die anderen rasant wachsenden Volkswirtschaften einbeziehen in diesen Dialog?

G8 ist mehr als ein Treffen

Wohl wahr: Etwas mehr Nähe zum Volk wäre gut. Es gab diese Nähe noch beim letzten Gipfel in Deutschland, 1999 in Köln, als ein US-Präsident noch vom Hotel über die Straße ins Brauhaus gehen konnte. Doch dann kam das Jahr 2001, Genua und der erste Tote, später dann kam der 11. September. Seither ist diese Welt eine andere – und die Zäune eben höher. Soll man deswegen nicht mehr miteinander sprechen? Ist es nicht der Erinnerung wert, dass eben beim Treffen in Köln eine große Entschuldungsinitiative für die Ärmsten der Armen auf den Weg gebracht wurde? Dass man Geld und Hilfe gibt für die globale Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose, zur Ausrottung von Kinderlähmung?

Sicher kann man an drei Tagen nicht die Welt verbessern. Aber die G8 funktioniert ja nicht nur an diesen drei Tagen. Das ist ein fortwährender Prozess mit zahlreichen Treffen auf allen Ebenen – und rund um die Welt. Es ist sicher kein Ersatz für die UNO. Aber dann dürfte es auch keine Gruppe der 15, keine Gruppe der 20 und keine G77 geben.

Globalisierung gestalten

Übrigens: Globalisierung ist keine Erfindung der G8. Im Jahre 1610 kam der erste Tee aus Japan mit Segelschiffen in Amsterdam an. Von G8 damals keine Spur. Globalisierung ist kein Phänomen, das über uns gekommen ist. Wir haben es in der Hand, sie zu gestalten. Das ist es, was die vielen Demonstranten den Acht sagen wollen. Sie aber für alles verantwortlich zu machen, was schlecht läuft in der Welt, das ist der falsche Ansatz. Aber weil die Globalisierung eben nicht irgendwo ein Büro hat, muss jetzt Heiligendamm herhalten.

Deswegen: Es reicht nicht aus, nur dagegen zu sein. Nur einfach Gut und Böse – das ist nicht mehr die Welt, in der wir leben. Oder anders gefragt: Was wäre, wenn es die G8 nicht gäbe?

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