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Digitales Leben

Es reicht! Musiker protestieren gegen YouTube

Die EU solle endlich gegen die Videoplattform vorgehen - das fordern jetzt 1000 Künstler wie Udo Lindenberg, Coldplay und Helene Fischer in einem offenen Brief an die Kommission in Brüssel.

Es ist ein Kampf um Wertschöpfung und Urheberrechte: Die Musikindustrie zieht gegen YouTube zu Felde. Schließlich fährt sie aufgrund der Videos, die gratis auf der Onlineplattform verbreitet werden, Jahr für Jahr hohe Verluste ein. Während die drei großen Musikkonzerne Universal Music, Sony und Warner Music derzeit in Verhandlungen mit der Google-Plattform über einen neuen Lizenzdeal sind, machen 1000 Musiker zeitgleich Druck auf EU-Ebene.

In einem offenen Brief fordern sie den Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker auf, "Maßnahmen zu ergreifen, die faire Spielregeln für Künstler und Rechteinhaber sicherstellen sollen. Denn wenn Ihnen das gelingt, stellen Sie zugleich die Zukunft der Musik für kommende Generationen sicher", heißt es in dem Brief.

Coldplay, Lady Gaga, Udo Lindenberg haben den Brief unterzeichnet

Super Bowl 2016, Auftritt Sängerin Lady Gaga, Foto: Patrick Smith/Getty Images

Mitunterzeichnerin Lady Gaga

Die Unterzeichner stammen aus 28 Ländern: Coldplay, Lady Gaga, Udo Lindenberg und Kraftwerk machen mit. Dabei kritisieren sie vor allem die seit den 1990er Jahren geltende Regelung, nach der urheberrechtlich geschütztes Material, das von Nutzern hochgeladen wurde, erst dann von den Betreibern der Onlineplattform gelöscht werden muss, wenn sich der Rechteinhaber beschwert. "Diese Situation schadet nicht nur den heutigen Künstlern und Songschreibern. Sie bedroht zugleich die nächste Generation der Kreativschaffenden in ihrer ganzen Vielfalt", heißt es in dem offenen Brief. Kurz zurvor verschickten auch in den USA Musiker wie Taylor Swift und U2 einen ähnlichen Brief an den US-Kongress.

Dabei kann sich die krisengeschüttelte Musikindustrie derzeit nicht beschweren: Durch Streaming-Dienste wie Spotify verzeichnet die Branche erstmalig wieder ein leichtes Plus von rund drei Prozent. Das Geschäft mit Streaming und Downloads überholte dabei erstmals die Verkäufe von CD. Aber gerade das vielversprechende Geschäft mit Streaming-Diensten ist aus Sicht der Musikindustrie ausbaufähig: YouTube verzeichnet derzeit eine Milliarden Nutzer, Spotify hingegen nur einhundert Millionen. Warum soll schließlich ein Nutzer ein Abo für einen Musik-Streamer abschließen, wenn er den Song auch umsonst bei YouTube hören kann?

Kampf der Interessenverbände

Der Büroraum im Hauptsitz von Spotify in Stockholm, Foto: DW/J. Tompkin

Spotify-Hauptsitz in Stockholm

Von YouTube heißt es dazu, dass die Musikbranche doch gut an den Werbeeinnahmen der Plattform mitverdiene: drei Milliarden Dollar Erlöse seien an die Labels geflossen. Kein Zufall also, dass der öffentlichkeitswirksame Brief an die EU-Kommission gerade jetzt vom Dachverband der Europäischen Musikverbände IFPI verschickt wird: So verhandeln derzeit die großen Musikkonzerne Universal Music, Sony Music und Warner Music mit YouTube über neue Nutzungsverträge. Und auch eine Reform des Urheberrechts steht auf europäischer Ebene an.

woy/so (dpa)

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