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Kultur

Es ist vollbracht

Nun ist es endlich soweit: In London wurde die Miss World gewählt. Siegerin wurde die türkische Schönheitskönigin Azra Akin.

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Die Schönste auf der ganzen Welt?

Bislang waren Miss-World-Wahlen vornehmlich ein beliebtes Thema des Boulevard-Journalismus. In diesem Jahr kamen aber auch die Presseorgane, die sich nicht ausschließlich mit den Schönen, Reichen und Berühmten beschäftigen, nicht an der Veranstaltung vorbei. Schließlich ging es diesmal weit mehr um Politik und Menschenrechte als um lange Beine: Symbolisch wie selten war in den Konflikten um die geplante Miss-Wahl im nigerianischen Lagos ein Symbol das Aufeinanderprallen von Kulturen und Moralvorstellungen in der globalisierten Welt zu erkennen.

"Geschmackvolle Show"

Am Anfang standen gute Vorsätze: "Bei Miss World geht es um Werbung für ein Land", sagte Guy Murray-Booth, ein Sprecher der Veranstalter. "Was Miss World macht, ist, Gelder für die weniger Privilegierten dieser Welt zusammenzubringen." Die Show sei weder sexistisch noch frauenfeindlich: "Das ist ein Familien-Event. Die Frauen erscheinen im Abendkleid - man sieht sie nicht etwa im Bikini auf der Bühne. Das ist eine sehr geschmackvolle Show."

Die Verantwortlichen hatten sich von dem in 130 Ländern übertragenen TV-Ereignis Miss-Wahl eine Aufbesserung des internationalen Images Nigerias erhofft. Eine der einflussreichsten einheimischen Förderer des Wettbewerbs war die Frau von Präsident Obasanjo.

Schlechter Stern

Das Vorhaben stand jedoch von Beginn an unter keinem guten Stern. Mehrere Menschenrechtsorganisationen hatten zu einem Teilnahme-Boykott aufgerufen, weil ein islamisches Gericht im August 2002 die Nigerianerin Amina Lawal zum Tode durch Steinigung verurteilt hatte. Lawal hatte zwei Jahre nach ihrer Scheidung ein Kind bekommen. Das islamische Recht aber verbietet außerehelichen Geschlechtsverkehr. Schönheitsköniginnen aus Belgien, Spanien, Frankreich, Dänemark, Norwegen, der Schweiz, Kenia und Elfenbeinküste verzichteten daraufhin auf ihre Teilnahme. Die deutsche Kandidatin sagte wegen eines Magen-Darm-Virus ab.

Miss-World-Wahlen

Unruhen in Nigeria

Die Veranstalttung sollte jedoch trotzdem durchgeführt werden - was zu pogromartigen Ausschreitungen in Nigeria führte. Anlass des Aufruhrs war ein Zeitungsartikel, in dem die Kritik von Muslimen an der Miss-World-Wahl in der nigerianischen Metropole zurückgewiesen wurde. Die Verfasserin schrieb darin, selbst der Prophet Mohammed hätte vielleicht eine Kandidatin zur Frau genommen, was von Fundamentalisten als Beleidigung ihres Glaubens aufgefasst wurde. Es wurde gar zum Mord an der Journalistin aufgerufen.

" Im Interesse der Mädchen und Nigerias"

Man sei schließlich gezwungen gewesen, die Wahl von Nigeria in ein Hotel im Norden Londons zu verlegen, sagte eine andere Sprecherin von Miss World, Stella Din. Dies sei "im Interesse der Mädchen und im Interesse Nigerias" geschehen. Die Teilnehmerinnen seien jetzt zwar "enttäuscht", hätten sich aber auch alle große Sorgen darüber gemacht, wie sich die Situation weiter entwickelt hätte, wenn die Show in Nigeria geblieben wäre. Den Kämpfen zwischen Christen und Muslimen in der nigerianischen Stadt Kaduna waren etwa 100 Menschen zum Opfer gefallen, 500 weitere wurden verletzt.

Nach der Verlegung nach London war allerdings unter britischen Moslems Kritik an der Veranstaltung laut geworden. Sajjad Khan von der "Islamischen Befreiungspartei Großbritanniens" sagte, bei der Miss World Wahl würden Frauen um des Profits willen ausgebeutet. "Es ist falsch, das in Großbritannien, Nigeria oder in irgendeinem anderen Land stattfinden zu lassen", kritisierte er.

Unter ferner liefen: die Vize-Ersatz-Miss Germany

Miss Germany

Indira Selmic: Geballte Schönheit aus Bayern bringt's nicht

Für Deutschland ging in London statt der erkrankten "Miss Germany" die "Miss Bayern" an den Start. Indira Selmic, 24, aus dem unterfränkischen Marktheidenfeld hatte im Januar bei der Miss Germany-Wahl den dritten Platz belegt. Das galt sogar als gutes Omen: Die bisher einzige deutsche Miss-World, Petra Schürmann, war 1956 ebenfalls als Drittplatzierte angetreten. Allerdings belegte Selmic in London nur den 21. Platz. (arn/sam)

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