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Politik

"Es ist eine Schande"

Seit Jahren engagiert sich die Schauspielerin Vanessa Redgrave für eine friedliche Lösung des Tschetschenien-Konflikts. In einem Interview mit DW-WORLD fordert sie die Anerkennung der tschetschenischen Regierung.

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Vanessa Redgrave bei der Tschetschenien-Konferenz

Für die einen ist Achmed Sakajew ein Rebell. Andere sehen in ihm einen Reformer im Unabhängigkeitsprozess Tschetscheniens. Nach den von der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) geschützten Wahlen wurde Sakajew 1997 Vizepräsident der tschetschenischen Regierung. 1998 wurde er zum Minister für Kultur und Kommunikation ernannt. Seit dem Jahr 2000 lebt Sakajew als Sonderbevollmächtigter des 1997 gewählten tschetschenischen Präsidenten Maskhadov im Ausland - und hat engen Kontakt zur britischen Schauspielerin Vanessa Redgrave.

Empörung über die Verhaftung

Am 30. Oktober wurde Sakajew in Kopenhagen verhaftet, als er an einer Konferenz von Exil-Tschetschenen teilnahm. Redgrave war damals mit Sakajew gemeinsam in Kopenhagen. Seit Jahren engagiert sie sich für eine friedliche Lösung des Tschetschenien-Konflikts. Im Interview mit DW-WORLD äußerte sie sich empört über die Art und Weise der Verhaftung: "Sie kamen um 2 Uhr 17 am Morgen, so, als sei Sakajew jemand ganz schlimmes."

Redgrave ist bekannt als Friedensaktivistin im Tschetschenien-Konflikt. Sie kennt das Land gut. Und sie kennt die Folgen des Konflikts: "Der Krieg gegen die Tschetschenen zerstört nicht nur das Land und das Leben der Bevölkerung. Er hat die historischen Bauten der Tschetschenen zerstört, ihre Häuser, ihre Landschaft, ihre Bodenschätze, das Ökosystem. Und ihre Kinder."

Die Jugend leidet

Wenn man Berichte über die Gewalt innerhalb der russischen Armee lese, stünden einem vor Entsetzen die Haare zu Berge, so Redgrave. Die russische Nicht-Regierungs-Organisation "Soldier's Mothers of St. Petersburg" veröffentlicht regelmäßig entsprechende Texte, in denen von physischer und psychischer Gewalt zu lesen ist. "Sehen sie sich an, was russische Generäle der eigenen russischen Jugend antun. Wenn Sie lesen, wie schrecklich sie die eigene Jugend behandeln, dann können sie sich vorstellen, was sie mit jungen Tschetschenen machen."

Eine Lösung des Konflikts sieht Redgrave in der Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft. Doch sie wirft den europäischen Staaten vor, den politischen Prozess in Tschetschenien nicht zu unterstützen: "Ich glaube, es ist ein Verbrechen, dass die europäischen Staaten es aufgegeben haben, die legitime Regierung anzuerkennen, die 1997 aus der Präsidenten- und der Parlamentswahl hervorging."

Europa muss Verantwortung übernehmen

Europa habe damals diese Wahlen ebenso befürwortet wie Russland und der russische Präsident Boris Jelzin habe die Wahlen und die daraus hervorgegangene Regierung anerkannt. "Es ist eine Schande, gerade weil die europäischen Staaten eine so hohe Verantwortung tragen, dass sie der tschetschenischen Regierung ihre Legitimation aberkannt haben."

Redgrave ist davon überzeugt, dass eine schnelle Lösung in der Auseinandersetzung zwischen Tschetschenien und Russland nur dann herbeigeführt werden kann, wenn Friedensverhandlungen aufgenommen werden. Dafür sei es aber nötig, dass das Ausland nicht alle tschetschenischen Politiker als Terroristen oder Rebellen betrachte.

Internationale Vermittler

Die internationale Gemeinschaft müsse schärfer differenzieren, welche Politiker sie kriminalisiere. Ohne tschetschenische Politiker, die bereit sind zu verhandeln, gebe es keine Lösung. Internationale Vermittler müssten sich dringend einschalten, um die Friedensbemühungen wieder zum Laufen zu bekommen, betonte sie. "Ohne sie wird es keinen Fortschritt geben"

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