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Nahost

"Es ist der Staat Israel"

"Wenn Ihr wollt ist es kein Märchen", schrieb der Wiener Journalist und Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, im Jahr 1902. Keine fünfzig Jahre später wurde seine Vision wahr: Der Staat Israel wurde gegründet.

Der 14. Mai 1948 war ein Tag, der den Nahen Osten erschüttert und die Welt bewegt hat. An diesem Tag wurde in einem Museum in Tel Aviv der Staat Israel ausgerufen. Ein paar leicht verschwommene Schwarz-Weiß-Bilder, verwackelte Filmaufnahmen und eine kratzige Tonaufnahme zeugen von diesem Ereignis. Die Bilder zeigen den Chef der jüdischen Selbstverwaltung Palästinas, David Ben Gurion. Über seinem Kopf hängt ein Bildnis von Theodor Herzl, dem Begründer des Zionismus. In seiner linken Hand hält er die Blätter mit dem Text der Unabhängigkeitserklärung.

"Im Lande Israel entstand das jüdische Volk. Hier prägte sich sein geistiges, religiöses und politisches Wesen", erklärte Ben Gurion. Durch Gewalt vertrieben, sei das jüdische Volk auch in der Verbannung seiner Heimat in Treue verbunden geblieben. Seine Hoffnung auf Heimkehr sei nie gewichen. Feierlich proklamierte Ben Gurion dann: "Wir erklären hiermit die Gründung des jüdischen Staates im Lande Israel. Es ist der Staat Israel."

In seinen Tagebüchern hielt der erste Ministerpräsident Israels später fest: "Die Sitzung endete mit dem Absingen der Hatikva, unserer Nationalhymne. Draußen, in den Straßen von Tel Aviv, tanzte das Volk."

Der Unabhängigkeitskrieg

Die Freude über die Staatsgründung war jedoch überschattet von der Erwartung des bevorstehenden Krieges. Die arabischen Staaten hatten den Beschluss der UNO von 1947 abgelehnt, das britische Mandatsgebiet zwischen Juden und Arabern zu teilen. Dabei war den Juden mehr als die Hälfte Palästinas zugesprochen worden. Dieses Gebiet sollten sich die jüdischen Einwohner aber mit ihren palästinensischen Mitbewohnern teilen.

Das war, so der israelische Historiker Ilan Pappe, ein sicheres Rezept für die Tragödie, die nun folgen sollte. Um das demografische Gleichgewicht zugunsten der Juden zu verschieben, habe Ben Gurion damals entschieden, möglichst viele Palästinenser zu vertreiben. 750.000 Palästinenser, mehr als 80 Prozent der Bevölkerung, verließen tatsächlich ihre Heimat. Sie flüchteten in die arabischen Nachbarländer oder in die Gebiete, die Israel nicht beherrschte, ins Westjordanland und nach Gaza. 530 palästinensische Dörfer seien damals ausgelöscht und elf Städte zerstört worden.

Palästinenser auf der Flucht 1948 (Foto: public domain)

Sie mussten weichen: Palästinenser auf der Flucht aus dem neu gegründeten Staat Israel

Der Sechstagekrieg und seine Folgen

Doch weniger als zwanzig Jahre später, im Sechstagekrieg von 1967, dehnte Israel seine Herrschaft auch auf dieses Gebiet aus. Zwischen dem 5. und 10. Juni 1967 besiegten die israelischen Truppen die Armeen Ägyptens, Jordaniens und Syriens und nahmen das Westjordanland, den Gazastreifen und die Golanhöhen ein. Der unerwartete und überwältigende militärische Erfolg löste in der israelischen Bevölkerung eine Welle nationaler und religiöser Begeisterung aus. Vor allem die Eroberung Ostjerusalems mit dem wichtigsten jüdischen Heiligtum, der Klagemauer, setzte messianische Gefühle frei. Schon bald wurden in den besetzten Gebieten die ersten israelischen Siedlungen gegründet. Sie wurden von der Regierung unter der Führung der Arbeiterpartei nicht nur geduldet, sondern gezielt gefördert. Mithilfe der als Wehrdörfer verstandenen Siedlungen wollte man die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland und im Gazastreifen in Schach halten und verhindern, dass sich hier autonome Strukturen bildeten.

Weder der Friedensvertrag mit Ägypten im Jahr 1979, noch der 1993 begonnene Friedensprozess oder der Rückzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 konnten der Siedlungspolitik ein Ende bereiten. Selbst der 1994 ermordete Ministerpräsident Jitzhak Rabin, der ein prononcierter Gegner der Siedler war, schreckte davor zurück, die Siedlungen in den besetzten Gebiete zu räumen.

Heute leben rund 500.000 jüdische Siedler im Westjordanland und in Ostjerusalem. Unter ihnen sind viele Neueinwanderer aus Osteuropa und Zentralasien, die nach dem Zerfall der Sowjetunion nach Israel kamen. Etwa eine Million russische Juden nahm Israel auf. Im Jahr 1991 wurden außerdem in einer aufsehenerregenden Operation rund 14.000 Juden aus Äthiopien nach Israel gebracht.

Beziehungen zu Deutschland

Die Bundesrepublik Deutschland unterhält seit 1965 diplomatische Beziehungen zu Israel. Im Jahr 1952 hatte sie sich im Luxemburger Abkommen zur Zahlung von fast dreieinhalb Milliarden Mark als "Wiedergutmachung" für die Entrechtung und Ermordung der europäischen Juden durch Nazi-Deutschland verpflichtet. "Wir mussten das Unrecht, das den Juden von den Nationalsozialisten angetan worden ist, so weit gut machen, wie das irgend möglich war", erklärte Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Er traf am 14. März 1960 im New Yorker Hotel Waldorf Astoria den israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion zu einem ersten persönlichen Meinungsaustausch. Nach dem Treffen erklärte Ben Gurion vor der Presse: "Ich war froh, Kanzler Adenauer zu treffen. Ich sagte in der Knesset, dass das Deutschland von heute nicht das Deutschland von gestern ist. Nach meinem Treffen mit Adenauer bin ich sicher, dass diese Feststellung richtig war."

David Ben-Gurion (l.) und Konrad Adenauer (Foto: dpa)

Historisches Treffen in New York: Ben Gurion und Adenauer im März 1960

Die Bilder der beiden Patriarchen - Ben Gurion mit breitem Lächeln und einem ungebändigten weißen Haarkranz und Adenauer mit verschmitzten Augen und streng zurückgekämmtem grauem Haar - gingen um die Welt. Ein Jahr später, im Mai 1961 trafen sich die beiden Regierungschefs noch einmal: diesmal im bescheidenen Häuschen von David Ben Gurion im Kibbuz Sde Boker in der Negev-Wüste.

Israels Sicherheit als deutsche Staatsräson

Inzwischen sind die Beziehungen zwischen Berlin und Jerusalem eng und vertraut. Deutschland gilt als einer der treuesten Verbündeten Israels, der das Land politisch und diplomatisch, aber auch mit Waffenlieferungen unterstützt.

Im Februar 2000 sprach mit Johannes Rau zum ersten Mal ein deutscher Bundespräsident im israelischen Parlament. "Ihre Entscheidung, mich einzuladen, erfüllt mich mit Dankbarkeit", sagte Rau, der Israel auch persönlich über Jahre eng verbunden war. "Ich empfinde sie als Zeichen des Willens, Geschichte niemals zu verdrängen und als Zeichen des Mutes, die Schreckenslähmung der Geschichte dennoch zu überwinden."

Im März 2008 hielt Angela Merkel eine vielbeachtete Rede in der Knesset. Wie jeder deutsche Regierungschef vor ihr sei auch sie ganz besonders der historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet, sagte sie und fügte hinzu: "Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar."