1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Ostmitteleuropa

"Es gibt keinen Platz für ehemalige Agenten in den polnischen Medien"

Warschau, 14.10.2002, RZECZPOSPOLITA, poln.

Ein Mitglied des Aufsichtsrates des polnischen Hörfunks – Wlodzimierz Syta- wird heute ausscheiden, weil er früher Mitarbeiter des kommunistischen Sicherheitsdienstes SB war. Solch ein Verfahren ist zur Regel in den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten in Polen geworden, da es dort keinen Platz für ehemalige Agenten gibt. Das Gegenteil gilt jedoch für die Politik, obwohl dieselben politischen Gruppierungen in beiden Bereichen an der Macht sind.

Bisher haben die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen kommunistischen Sicherheitsdienst bereits Politiker wie z.B. Slawomir Wiatr (der Bevollmächtigte der Regierung für die europäische Integration), Jan Truszczynski (der polnische Hauptunterhändler bei den Verhandlungen mit der EU), Andrzej Byrt (Vizeminister im Außenministerium), Marek Ociepka (Vizeminister im Finanzministerium) sowie Stanislaw Jaskiewicz und Slawomir Cytrycki (Staatsekretäre in der Kanzlei des Premierministers) zugegeben. Keiner von ihnen wurde jedoch entlassen, weil ihre Vorgesetzten keinen Grund dafür sehen.

In den öffentlich-rechtlichen Medien wird aber ganz anders verfahren. Wer seine Mitarbeit bei den kommunistischen Sicherheitsdiensten zugibt, wird sofort entlassen. Warum?

"Ich kann es nicht begründen. Solch eine Regel funktioniert einfach und ohne vorherige Absprachen. Es gibt einfach keinen Platz für ehemalige Agenten in den staatlichen Medien", sagt Andrzej Dlugosz, der Vorsitzende des Aufsichtrates des polnischen Hörfunks. (...)

"Ich möchte mich zu den Ereignissen auf der politischen Bühne nicht äußern. Ich beschäftige mich ausschließlich mit den Medien und bin davon zutiefst überzeugt, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten besonders empfindlich sind. Aus diesem Grunde wäre es besser, wenn Personen, die früher Agenten waren, nach einer Beschäftigung außerhalb der Rundfunkanstalten suchen würden. Sie sollten ihre Vergangenheit offen legen, bevor sie eine Stelle bekommen" sagt Wlodzimierz Czarzasty, der Sekretär des polnischen Rundfunkrates. (...).

Im August d. J. wurde Marek Madej , der Leiter des Fernsehens in Lodz entlassen, da er zugab, für die kommunistische Spionageabwehr gearbeitet zu haben. Er war nur zwei Monate im Amt gewesen. (...).

"Die leitenden Stellen in den öffentlich-rechtlichen Medien sollten nur Personen bekleiden, die kompetent sind und außer jedem Verdacht stehen. Das ist in einem demokratischen Staat selbstverständlich", erklärte Robert Kwiatkowski, der Vorsitzende des Polnischen Fernsehens (...).

Nach der Affäre um den Leiter des Fernsehens in Lodz schlug die Leitung des Polnischen Fernsehens vor, dass neue Kandidaten für die leitenden Posten im Medienbereich noch vor der Nominierung schriftlich Auskunft über ihre Vergangenheit geben sollten. (...)

Wlodzimierz Syta wird sehr wahrscheinlich noch heute seinen Posten aufgeben müssen. Sofort nach seiner schriftlichen Äußerung über seine Vergangenheit, in der er die Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Sicherheitsdienst SB zugegeben hat, kündigte Andrzej Dlugosz an, dass er einen Antrag auf Abberufung von Wlodzimierz Syta stellen werde.

Dazu ist es jedoch nicht gekommen, weil Wlodzimierz Syta selbst um seinen Rücktritt ersuchte. Obwohl er jeden Kommentar dazu verweigert, ist bekannt, dass er sich zu diesem Schritt nicht aus eigenem Antrieb entschied. (...) (Sta)

  • Datum 14.10.2002
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/2kbk
  • Datum 14.10.2002
  • Drucken Seite drucken
  • Permalink http://p.dw.com/p/2kbk