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Lateinamerika

"Es gibt Blut" in Venezuelas Parlament

Der Konflikt zwischen Anhängern und Gegnern des venezolanischen Präsidenten hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Regierungsnahe Schlägertrupps sorgen in der Nationalversammlung für Angst und Schrecken - stundenlang.

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Parlament in Venezuela gestürmt

Die Abgeordneten des Parlaments hatten sich an Venezuelas Nationalfeiertag, der an die Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1811 erinnert, zu einer Sondersitzung versammelt. Zunächst ereigneten sich Explosionen - vermutlich ausgelöst durch Feuerwerkskörper - im Garten der Nationalversammlung. Bewaffnet mit Stöcken, Rohren und Steinen gelang es einigen Angreifern, bis auf die Flure des Parlamentsgebäudes vorzudringen, wo sie auf Oppositionsabgeordnete einschlugen. 

"Es gibt Kugeln, es gibt Blut, Autos wurden zerstört, auch meines", sagte Parlamentspräsident Julio Borges. Nach seinen Angaben erlitten mindestens fünf Parlamentarier Verletzungen. Nach der Erstürmung des Parlaments blockierten dutzende regierungstreue Demonstranten dessen Eingang. Sie riefen Parolen wie "Sie werden nicht herauskommen" und beschimpften die oppositionellen Politiker als "Mörder" und "Terroristen". Immer wieder wurden Feuerwerkskörper gezündet.

Sturm des venezolanischen Parlaments durch Anhänger von Nicolas Maduro (Reuters/C.G. Rawlins)

Wüste Szenen im Parlamentsgebäude im Zentrum von Caracas

"Ich will Frieden"

Erst am Mittwochabend (Ortszeit) zogen sich die Demonstranten schließlich zurück. Zahlreiche Oppositionsabgeordnete, Journalisten und Angestellte, die neun Stunden in dem Gebäude festsaßen, konnten den Sitz der Nationalversammlung verlassen, wie Reporter berichteten.

Der sozialistische Staatschef Nicolás Maduro verurteilte die "seltsamen Vorfälle" und forderte Ermittlungen. "Ich will Frieden für Venezuela", versicherte er. Und: "Ich bin kein Komplize dieser Taten."

Die rechtsgerichtete Opposition in Venezuela, die im Parlament die Mehrheit stellt, kämpft für eine Amtsenthebung Maduros. Sie macht ihn für die schwere Wirtschaftskrise und die dramatischen Versorgungsengpässe in dem ölreichen Land verantwortlich. Maduro beschuldigt seinerseits die Regierungsgegner, mit Unterstützung der USA einen Staatsstreich gegen ihn zu planen. Bei den nahezu täglichen Protesten gegen Maduro wurden seit Anfang April schon mehr als 90 Menschen getötet und mehr als tausend weitere verletzt.

wa/qu (afp, rtr, dpa)

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