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Wirtschaft

Es geht wieder aufwärts

Die schwerste Rezession seit 80 Jahren ist vorbei. Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal wieder gewachsen. Doch im Finanzbereich ist alles, was in die Krise geführt hat, weiterhin möglich, meint Karl Zawadzky.

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Das Muster für den klassischen Aufschwung in Deutschland ist eine Drei-Stufen-Rakete: Erst kommt der Export in Gang, dann steigen die Investitionen, schließlich nimmt der private Konsum zu. Das Ergebnis ist ein selbsttragender Aufschwung.

Die erste Stufe hat gezündet. Im Juni zum Beispiel haben die deutschen Ausfuhren um sieben Prozent zugelegt; das ist der stärkste Anstieg seit fast drei Jahren. Vor allem dem Anstieg der Exporte ist die überraschende Wende der Konjunktur zu verdanken. Aber auch die staatlichen Konjunkturprogramme zur Förderung von Infrastrukturinvestitionen sowie der private Konsum stützen die Konjunktur.

Wirtschaft leidet weiter unter Folgen der Finanzkrise

Karl Zawadzky (Foto: DW)

Karl Zawadzky

Das heißt: Diese konjunkturelle Erholung verläuft nicht nach dem klassischen Muster, sondern im Zusammenspiel mehrerer Faktoren hat die deutsche Wirtschaft nach einem rasanten Absturz schneller als allgemein erwartet einen Ausweg aus der Rezession gefunden.

Im zweiten Quartal - also zwischen Anfang April und Ende Juni - ist die Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gestiegen. Wie stark die Wirtschaft aber immer noch unter den Folgen der Finanzkrise leidet, zeigt sich beim Vergleich mit dem zweiten Quartal des vergangenen Jahres. Da liegt das Bruttoinlandsprodukt - also die Summe aller in Deutschland hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen - immer noch um 7,1 Prozent zurück. Das ist der stärkste Verlust an Wirtschaftsleistung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der konjunkturelle Absturz war unverhofft und tief; selbst bei einem vergleichsweise starken Wirtschaftswachstum wird es eine Weile dauern, den Verlust auszugleichen.

Konjunkturelle Wellenbewegungen

Gerade zu Beginn einer Erholung verläuft die Konjunktur oft in Wellenbewegungen, bevor sich die Kräfte des Aufschwungs durchsetzen. Zum Beispiel: Nach dem plötzlichen Absturz der Konjunktur im vergangenen Jahr haben die Unternehmen im In- und Ausland keinen Nachschub mehr geordert, sondern die wenigen Aufträge, die sie noch hatten, vom Lager bedient bzw. für die Produktion die vorhandenen Vorräte genutzt. Nachdem die Vorräte an Vorprodukten und Zulieferteilen aufgebraucht sind, müssen die Lagervorräte wieder aufgefüllt werden. Das hat zum Wachstum der vergangenen Monate beigetragen.

Hinzu kommen die Konjunkturprogramme in fast allen Industriestaaten sowie in den großen Schwellenländern. Weltweit wird durch diese Programme die Nachfrage nach Autos sowie im Bereich der staatlichen Infrastruktur gestützt. Dabei profitiert die deutsche Wirtschaft nicht nur von den Konjunkturprogrammen der Bundesregierung, sondern auch von den Stimulanzen in anderen Ländern. Denn Autos und Infrastruktur sind genau die Produkte, bei denen die deutsche Wirtschaft besonders leistungsfähig ist.

Eine Reihe von Risiken bleibt

So erfreulich der Zuwachs an Wirtschaftsleistung ist - erst in einigen Monaten wird erkennbar sein, ob sich mit dem zweiten Quartal ein stabiler Aufwärtstrend angekündigt hat. Erhebliche Risiken sind bereits absehbar. Noch haben viele Banken damit zu tun, ihre Bilanzen von "Giftmüll" zu säubern, da nehmen die Unternehmenspleiten kräftig zu. Das heißt: Auf die Banken kommen hohe Abschreibungen auf ausgeliehene Kredite zu. Wenn das zu einer zweiten Bankenkrise führt, ist es mit der wirtschaftlichen Belebung schnell vorbei.

Ein anderes Risiko ist der Arbeitsmarkt, der bislang durch mehrmals verbesserte Regelungen für die Kurzarbeit vor einem Einbruch bewahrt worden ist. Wenn demnächst die Kurzarbeit ausläuft und die anziehende Konjunktur noch nicht für deutlich mehr Beschäftigung sorgt, wird die Arbeitslosenzahl dramatisch ansteigen. Das würde die Defizite in den öffentlichen Haushalten und den Sozialversicherungen erhöhen und den privaten Konsum schwächen und wäre ein schwerer Dämpfer für die Konjunktur.

Erholung auch anderswo

Schließlich ist Deutschland wegen seiner hohen Exportabhängigkeit stark auf die Erholung in anderen Märkten angewiesen. Dabei ist erfreulich, dass sich die Konjunktur sowohl in Frankreich, dem wichtigsten Absatzmarkt für deutsche Waren, und auch in Amerika ebenfalls erholt. Freilich ist nicht absehbar, dass die USA schon bald wieder ein so starkes Wachstum haben werden, dass sie damit die Weltkonjunktur antreiben. Eine Rückkehr zu den alten Verhältnissen, die den letzten Boom kennzeichneten, ist auch nicht zu wünschen. Denn exzessive Übertreibungen im Finanzbereich und die außerordentlich großen Ungleichgewichte in der realen Wirtschaft waren die Ursache für die Rezession. Leider sind aus dem Desaster so gut wie keine Konsequenzen gezogen worden. Alles im Finanzbereich, was in die Krise geführt hat, ist weiterhin möglich.

Autor: Karl Zawadzky
Redaktion: Julia Elvers-Guyot