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Es geht um die Wurst!

Ob Currywurst, Weißwurst oder Rostbratwürstchen: Wurst gehört zu Deutschland wie Bier, Wein und Brot. In verschiedenen Redewendungen und Ausdrücken finden sich viele Belege für die kulinarische Vorliebe vieler Deutscher.

Audio anhören 07:59

Es geht um die Wurst! – die Folge als MP3

Wurst kann in Deutschland eigentlich zu jeder Tageszeit auf den Tisch kommen: als warme Mahlzeit gekocht, gebraten oder gegrillt, alternativ dazu kalt, in Scheiben geschnitten und aufs Brot gelegt oder als eine Art Paste drauf gestrichen. Salatfreunde essen gerne Wurstsalat. Für Vegetarier gibt es zum Beispiel Tofuwürstchen, die fleischlos an den Wurstgenuss erinnern sollen. Insgesamt etwa 1500 verschiedene Sorten soll es geben – und damit ist Deutschland „Wurstweltmeister“. Trotz aller Gesundheitswarnungen verzehrt jeder Deutsche laut Statistik pro Jahr schätzungsweise so um die 30 Kilogramm Wurstwaren. Eine deutsche Erfindung ist die Wurst allerdings nicht.

Wurstkämpfe und arme Würstchen

Wer sie erfunden hat und wo, weiß allerdings niemand so genau. Die Wurst wird schon früh – wie andere Nahrungsmittel auch – in überlieferten Schriften erwähnt. Ab etwa 5000 vor Christus konnten entsprechende Abbildungen in Ägypten, Syrien und China nachgewiesen werden. Der griechische Schriftsteller Homer berichtet in seinem Epos, der „Odyssee“, gar von einem Wurstkampf.

Aus dem Mittelalter ist überliefert, dass auf dem heutigen deutschen Territorium die Sieger eines Kampfes mit Würsten belohnt wurden. Es ging damals also im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst. In der Umgangssprache wird die Redewendung heutzutage benutzt, wenn eine wichtige Entscheidung ansteht, beziehungsweise wenn jemand erfolgreich etwas geschafft hat. Über eine Person, die gänzlich erfolglos ist oder sich in einer schlechten Situation befindet, wird dagegen mitleidig gesagt: „Er ist ein ganz armes Würstchen.“

So ein Gewurstel

Eine Frau steht an einer großen Wurstmaschine, in der Wurst vermengt wird

Der ursprüngliche Wortsinn von „Wurst“: etwas wird vermengt, „verwurstet“

Wurst war ursprünglich in erster Linie eine Form, Fleisch haltbar zu machen und essbare Teile vom Tier zu verwerten. Erst im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sie sich zur begehrten Delikatesse. Das eigentliche Geheimnis der Wurst liegt in ihrer Rezeptur, den Zutaten und Gewürzen. Die Etymologie des Wortes Wurst weist darauf hin. Das Wort stammt aus dem Indogermanischen und bedeutete vermengen.

Die Bedeutung ist umgangssprachlich in Wörtern wie verwursten oder Gewurstel wiederzufinden. Wird etwas verwurstet, wird es verwertet, wobei das Verb eine negative Bedeutung hat. Ähnlich sieht das mit Gewurstel aus. Es ist ein Synonym für ein Durcheinander. Echte Wurstgourmets wissen allerdings, dass in qualitativ guter Wurst nicht irgendetwas verwurstet wird.

Die Wurst ist einem Deutschen nicht wurscht

Eine Metzgerei mit vielen verschiedenen Wurtssorten in der Theke

Die Qual der Wahl beim Einkauf an der Wursttheke

Dass es etwa 1500 Wurstsorten gibt, hat sicherlich auch mit dem Erfindergeist zu tun, den man den Deutschen nachsagt. Ihnen ist deshalb überhaupt nichts wurst, wurscht oder ganz wurscht, also egal, wenn es um die geliebte Wurst geht, egal ob sie aus Rind-, Schweine- oder Hühnerfleisch hergestellt wird.

Schwierig bis unmöglich ist es auch, einem Deutschen zu sagen: „Bring mir bitte 100 Gramm Wurst mit!“ Denn eine durchschnittliche Wursttheke hat immerhin mindestens 40- 60 Sorten zu bieten. Zum Standardangebot gehören beispielsweise Namen wie: Bierschinken, Schinkenwurst, Fleischwurst, Lyoner, Gelbwurst, Blutwurst, Leberkäse, Leberwurst, Teewurst, Mettwurst, Landjäger, Frankfurter Würstchen – auch Wiener genannt –, Knackwurst, Bratwurst, und so weiter, und so weiter. Bei einer solchen riesigen Vielfalt mag man durchaus von einer Art Nationalessen sprechen.

Kinderwurst und Currywurst

Eine Currywurst liegt zusammen mit Pommes Frites auf einem Teller

Sie wurde von einer Berlinerin nach dem Zweiten Weltkrieg erfunden: die Currywurst

Schon Kinder werden an Wurst gewöhnt. Denn es ist üblich, dass sie beim Metzger oder an der Wursttheke im Supermarkt eine Scheibe geschenkt bekommen und bei jedem Einkauf schon sehnsüchtig darauf warten. Zudem haben sich die Wursthersteller vor Jahren einfallen lassen, Wurst zu produzieren, die Kinder anspricht, wie beispielsweise Fleischwurst mit einem Bärengesicht oder mit Comicfiguren.

Das Lieblingsessen in Firmenkantinen und beliebtes Fastfood ist die Currywurst. Als Erfinderin gilt Herta Heuwer aus Berlin; sie erhielt 1959 sogar ein Patent darauf. 50 Jahre später wurde in ihrer Heimatstadt ein Currywurstmuseum eröffnet, ein Anziehungspunkt nicht nur für Touristen aus aller Welt.

Die beleidigte Leberwurst spielen

Johann Wolfgang von Goethe schaut ein Porträt Charlotte von Steins in seiner Hand an

Warum hast du mir nicht meine fränkischen Rostbratwürste geschickt?

International bekannt sind auch die Thüringer und Nürnberger Bratwürste. Beide sind – wie auch viele andere Wurstsorten – regionale, gesetzlich geschützte Spezialitäten und gehören zur Gattung der Rostbratwürste. Die Regionen Thüringen und Franken streiten sich allerdings seit langem darum, wer von ihnen diese Art der Bratwurst zuerst erfunden hat. Die Thüringer besitzen jedoch den älteren amtlichen Beleg: eine Wurstrechnung aus dem 15. Jahrhundert.

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe, der zuletzt im thüringischen Weimar lebte, war ein Verehrer der fränkischen Würste. Er ließ sie sogar extra per Post von Nürnberg nach Weimar liefern. In einem Brief an seine Freundin Charlotte von Stein spielte er die beleidigte Leberwurst, weil sie ihm seine Nürnberger Würste noch nicht zugeschickt hatte. Ihn deshalb als Hanswurst, als Dummkopf, zu bezeichnen, wäre ihr aber nicht in den Sinn gekommen!

Der Weißwurstäquator

Weißwürste geschnitten mit Senf auf einem Teller, der auf einer Decke in den bayrischen faren blau-weiß steht

Die Weißwurst gehört zu den bayrischen „Nationalgerichten“

Das Wort Wurst taucht im Deutschen sogar als regional-politische Metapher auf, nämlich in den Worten Weißwurstgrenze beziehungsweise Weißwurstäquator. Natürlich existiert keine wirkliche Grenze zum Freistaat Bayern und der Äquator liegt auch woanders. Aber da die Bayern ihre Eigenarten haben und die Weißwurst als ihr „Nationalgericht“ gilt, werden beide Begriffe scherzhaft als Abgrenzung zu den übrigen deutschen Regionen verwendet und verstanden.

Die Bayern ihrerseits braten für diejenigen oberhalb des Weißwurstäquators – manchmal – die eine oder andere Extrawurst. Eine Extrawurst bekommen oder braten heißt, dass jemand bevorzugt behandelt wird oder eine andere Person bevorzugt behandelt.

Alles hat ein Ende …

Zu guter Letzt soll hier noch – allen gegenteiligen Klischees zum Trotz – etwas deutscher Humor zum Besten gegeben werden. Soll zum Ausdruck gebracht werden, dass im Leben alles einmal endet – und damit kann die Liebe, ein schöner Moment oder das Leben an sich gemeint sein –, dann kommt folgender Spruch: „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“. Wie wahr!







Arbeitsauftrag
Stellt euch vor, ihr bekommt den Auftrag, 100 Gramm Wurstaufschnitt zu kaufen. Recherchiert im Internet und erstellt anschließend eine Liste mit Wurstsorten, die ihr kaufen würdet. Achtet dabei auch auf schweinefleischfreie beziehungsweise vegetarische Varianten. Präsentiert eure Einkaufsliste – mit den entsprechenden Beschreibungen der jeweiligen Wurstsorten – in eurer Lerngruppe.

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