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Welt

Es geht auch ohne Männer - die Frauenkasse in Mosambik

Mosambik ist eines der ärmsten Länder der Welt. Etwa 50 Prozent der Einwohner leben in absoluter Armut. Doch die Situation ändert sich: Mit Mikrokrediten können die Menschen kleine Betriebe gründen und Geld verdienen.

Eine Frau erklärt einigen Männern die Arbeit (Foto: António Cascais)

Joana Manuel bei der Arbeit in ihrer Holzhandlung

Es ist ein bescheidener Wirtschaftsaufschwung, den das Land im Süden Afrikas gerade erlebt. Doch er ist spürbar: Im Armenviertel Mohala in der Stadt Nampula entstehen immer mehr kleine Geschäfte und die Menschen finden Arbeit, vor allem im Bausektor. Hinter dieser Entwicklung stehen Mikrokredite - und Frauen.

Kredite nur für Frauen

Joana Manuel, im Hintergrund die Arbeiter der Holzhandlung (Foto: António Cascais)

Der Kredit ermöglicht Frauen wie Joana Manuel wirtschaftliche Unabhängigkeit


Eine von ihnen ist Joana Manuel. Die 37-Jährige ist die Haupt-Arbeitgeberin im Holzgeschäft von Mohala. Vor einem Jahr hat sie sich mit Hilfe eines Kleinkredits von 4000 Metical, umgerechnet 80 Euro, selbständig gemacht. Es war ein großes Wagnis für die junge Frau im wirtschaftlich unterentwickelten und islamisch geprägten Norden Mosambiks.

Vermittelt wurde ihr der Mikrokredit von der Frauenkasse von Nampula. In dieser Vereinigung haben sich Frauen aus der gesamten Provinz zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu helfen: bei der Entwicklung ihrer Geschäftsideen und bei der Vermittlung von günstigen Kleinkrediten. Hier bekommt Joana das nötige Kapital - ohne großen bürokratischen Aufwand. Bei normalen Banken würde sie keinen Kredit bekommen. Ausländische Entwicklungshilfeorganisationen unterstützen das Projekt.

Erfolgreiche Unternehmerinnen

Angelica Sacramento steht vor dem Laden einer anderen Frau (Foto: António Cascais)

Angélica Sacramento ist die Geschäftsführerin der Frauenkasse

Die Frauenkasse wurde 1994 von 147 Frauen gegründet, die damals auf den Straßen Maniok-Kuchen verkauften. Als sie 7500 Metical angespart hatten, brauchten sie einen sicheren Aufbewahrungsort für das Geld und so gründeten sie die Frauenkasse. Heute sind mehr als 1300 Frauen aus Nampula Mitglied. Die in Mosambik bislang einzigartige Initiative gilt als Erfolgsmodell für das ganze Land.

Die Frauen gründen mit den Krediten kleine Hühnerfarmen, Lebensmittelläden oder Schneidereien - und zwar erfolgreich. Und fast alle können das Geld, das sie geliehen haben, zurückzahlen - plus Zinsen. Die liegen bei vier Prozent im Monat, also bei fast 50 Prozent im Jahr. Jede Frau sucht sich den Geschäftsbereich aus, der ihr am erfolgversprechendsten und praktischsten vorkommt.

Einkommen und Unabhängigkeit

Eine Näherin bei der Arbeit (Foto: António Cascais)

Wofür die Frauen ihre Kredite einsetzen, bleibt ihnen überlassen


Francisca Sadimo arbeitet als Schneiderin. Anfangs besaß sie nur eine alte Nähmaschine. Vor zwei Jahren nahm sie ihren ersten Kredit in Höhe von 2000 Metical, umgerechnet 40 Euro, auf und machte sich selbstständig. Ihre Spezialität sind bestickte Tischtücher, Topflappen und Schürzen. Nun ist die Mutter von sechs Kindern wirtschaftlich unabhängig. Und sie hat gelernt, wie man Formulare ausfüllt, ein Haushaltsbuch führt und ein bisschen Geld sparen kann. Denn pünktliche Ratenzahlungen und ein kleines finanzielles Polster sind Voraussetzungen, um einen neuen Kredit zu bekommen.

Die Erfahrung zeigt, dass Mikrokredite ein besonders wirksames Instrument zur Entwicklungshilfe sind, wenn sie an Frauen gehen. Denn Frauen investieren das Geld in das Wohl ihrer Familie. Und die Rückzahlungsrate liegt mit annähernd 100 Prozent deutlich höher als bei Männern, bestätigt Angelica Sacramento, Geschäftführerin der Frauenkasse.

Autor: António Cascais
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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